Winterhude

14-Jährige vergewaltigt? Tatverdächtiger bestreitet Tat

Mädchen lebt seit Kurzem im Jugendschutzhaus an der Feuerbergstraße. 21-Jähriger ist polizeibekannt und seit Jahren ausreisepflichtig.

Hamburg. Eine 14 Jahre alte Ausreißerin ist offenbar in einer Wohnunterkunft am Tessenowweg in Winterhude vergewaltigt worden. Wie die Polizei mitteilte, ereignete sich die Tat bereits zwei Tage vor Heiligabend. Am 30. Dezember wurde der 21 Jahre alte Ägypter Loai E. festgenommen, der sich an dem Mädchen vergangen haben soll. Dem Mann wird laut Staatsanwaltschaft Vergewaltigung und Körperverletzung vorgeworfen. Oberstaatsanwältin Nana Frombach hat am Mittwoch auf Abendblatt-Anfrage bestätigt, dass der Verdächtige die Tat jedoch bestreitet.

Nach den bisherigen Ermittlungen soll der Mann die 14-Jährige am frühen Morgen des 22. Dezember gegen 2.30 Uhr zunächst auf der Toilette der Unterkunft bedrängt haben. Als sie ihn abwies, zerrte er das Mädchen in ein Zimmer und vergewaltigte sie offenbar. Nach seiner Festnahme erließ ein Richter einen Haftbefehl gegen den Mann. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. "Die Ermittlungen werden fortgesetzt", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Dienstag.

Opfer stand unter Betreuung

Nach Abendblatt-Informationen stand das Opfer bereits vor der Tat in der Betreuung des Kinder- und Jugendnotdienstes. Nach Angaben des NDR lebt das Mädchen erst seit Kurzem in dem Jugendschutzhaus an der Feuerbergstraße. Das Jugendamt im Bezirk Mitte und die Familie hätten die Unterbringung einvernehmlich beschlossen.

Da die 14-Jährige am 22. Dezember nicht zur vereinbarten Zeit zurück war, sei gegen 21 Uhr eine Vermisstenanzeige gestellt worden. In den frühen Morgenstunden sei das Mädchen jedoch von allein zurück gekommen. Sie soll geweint haben, ihr Zustand soll schlecht gewesen sein. Deshalb sei sie kurz darauf im Universitätsklinikum Eppendorf untersucht wurde. Dort soll festgestellt worden sein, dass sie Geschlechtsverkehr hatte.

Verdächtiger seit 2011 ausreisepflichtig

Nach Angaben der Ausländerbehörde hält sich Loai E. seit 2011 in Deutschland auf und war durchgehend in Hamburg gemeldet. Zunächst stellte der Mann einen Asylantrag, der jedoch bald nach seiner Ankunft abgelehnt wurde – seitdem gilt der Mann als "ausreisepflichtig". Aufgrund fehlender Dokumente konnte Loai E. bislang nicht abgeschoben werden und wurde geduldet. Er lebte zuletzt in einer anderen Unterkunft.

Die Hamburger Ausländerbehörde kontaktierte bereits vor fünf Jahren erstmals die ägyptischen Behörden, um Ersatzdokumente für den Mann ausstellen zu lassen. "Wenn diese Bemühungen scheitern, heißt das in der Regel, dass die ausländischen Behörden keinen Eintrag mit den persönlichen Angaben des Mannes finden können und seine Staatsbürgerschaft zweifelhaft ist", sagte ein Sprecher der Ausländerbehörde, ohne die konkreten Gründe im Fall von Loai E. nennen zu wollen.

"Ohne Papiere waren uns die Hände gebunden"

Das Einwohner-Zentralamtes bestätigt ebenfalls, dass der Mann 2011 nach Hamburg kam. Sein Asylantrag wurde im selben Jahr abgelehnt. Trotzdem konnte er bislang nicht abgeschoben werden, weil Personalpapiere fehlten.

"Wir hatten keine Versäumnisse", betonte der Sprecher des Einwohner-Zentralamtes, Florian Käckenmester am Dienstag. "Ohne Papiere waren uns die Hände gebunden. Er musste weiterhin geduldet werden." Bemühungen über ägyptische Behörden Ersatzdokumente ausstellen zu lassen, seien bislang nicht erfolgreich gewesen. "Das ist auch für uns frustrierend." Der Tatort sei nicht die Meldeadresse des polizeibekannten Mannes gewesen.

Loai E. war polizeibekannt

Nach Abendblatt-Informationen führten die Hamburger Behörden im vergangenen Jahr zusätzlich eine Anhörung mit einem dialektkundigen Dolmetscher durch, um Loai E. an seiner Aussprache zweifelsfrei als Ägypter identifizieren zu können. Die ausländischen Behörden sind an diese Feststellungen nicht gebunden, sodass eine Rückführung weiterhin scheiterte.

Loai E. war wegen Körperverletzung und Drogendelikten bereits polizeibekannt. Die ausbleibende Abschiebung von Straftätern hatte zuletzt auch in Hamburg für eine politische Debatte gesorgt. Der Senat gründete eine Sondereinheit, die sich mit der Rückführung von straffälligen Personen mit Ausreisepflicht befasst. Die CDU forderte, die Bemühungen zu intensivieren.

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