Einzelhandel Hamburg

Wie ein Bezirk mehr Besucher auf den Wochenmarkt locken will

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Soll zum entspannten Einkaufen und Verweilen einladen: der „Abendmarkt in Hamm“ zwischen Hammer Park und Hammer Kirche.

Soll zum entspannten Einkaufen und Verweilen einladen: der „Abendmarkt in Hamm“ zwischen Hammer Park und Hammer Kirche.

Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Ein Versuchsprojekt in Hamm soll wieder mehr Kunden – und Händler – zum Besuch von Märkten animieren. Und das kostendeckend.

Hamm. Obst und Gemüse aus der Region, ausgewählte Käsesorten, Fisch und Fleisch aus eigener Produktion – eigentlich müssten Wochenmärkte mit ihrer Idee einer regionalen, qualitativen und nachhaltigen Versorgung mehr denn je den Nerv der Zeit treffen. Der Bezirk Hamburg-Mitte verzeichnet jedoch seit einigen Jahren einen gegensätzlichen Trend – nämlich, dass immer weniger Besucherinnen und Besucher, aber auch Händlerinnen und Händler auf die Märkte kommen.

Um diesen Trend zu stoppen und umzukehren, hatte die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte einen eigenen Ausschuss gegründet und gemeinsam mit der Hamburger Kreativgesellschaft und Vertretern des Landesverbands der Marktbeschicker entsprechende Handlungsempfehlungen erarbeitet.

Hamburger Wochenmarkt: Versuchsprojekt läuft bis 5. Juli

Das Resultat ist ein Pilotprojekt, das am gestrigen Dienstag an den Start ging: der „Abendmarkt in Hamm“. Zehn Wochen lang, bis zum 5. Juli, wird der Wochenmarkt am Hammer Park zusätzlich zu den regulären Marktzeiten auch dienstags von 15 bis 18.30 Uhr stattfinden. Auf dem „Abendmarkt“ werden zwölf Händler Kartoffeln und Eier, Käse, Souvenirs, Obst und Gemüse, Nudelspezialitäten, Biofleisch, unverpackte Produkte, Backwaren, Fisch, mediterrane und mexikanische Spezialitäten sowie Honigprodukte anbieten. Außerdem sind Kooperationen mit Einrichtungen aus dem Stadtteil denkbar.

„Wir möchten nicht nur um neue Kundinnen und Kunden werben, sondern den Wochenmarkt auch als regelmäßigen sozialen Treffpunkt in den Quartieren erhalten“, so Bezirksamts­leiter Ralf Neubauer. Zudem wolle man Anwohnerinnen und Anwohnern bessere Einkaufsmöglichkeiten bieten und den Händlern die Chance, ihre Produkte auf zwei Märkten nacheinander anzubieten.

Nachmittagsangebot soll Kosten decken

Tatsächlich war das Bezirksamt Hamburg-Mitte, das an neun Standorten bezirkliche Wochenmärkte veranstaltet – davon an sieben jeweils zwei Tage pro Woche –, von der Finanzbehörde aufgefordert worden, aktiv zu werden. Denn mit der Betreuung der Märkte sind insgesamt elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Innen- und Außendienst beschäftigt, und die haushaltsrechtliche vorgeschriebene Kostendeckung wurde schon länger nicht mehr erreicht. Bis Ende dieses Jahres muss das Bezirksamt Maßnahmen ergreifen, um wieder kostendeckende Einnahmen zu erzielen.

„Wochenmärkte in die zweite Tageshälfte zu verlegen ist eine gute Idee“, findet Wilfried Thal, der als Präsident des Landesverbands des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller auch die Marktbeschicker vertritt und an dem entsprechenden Konzept auch mitgewirkt hat. Dienstagvormittags wären auf dem Hammer Wochenmarkt nur noch drei Stände vertreten. Dennoch: „Das zusätzliche Nachmittagsangebot ist eine gute Ergänzung zu den regulären Wochenmarktzeiten, die weiterhin bestehen bleiben.“ Zudem sei der Markt am Hammer Park wunderschön. „Man steht unter Bäumen, sodass es im Sommer nicht zu heiß wird, und hat gutes Publikum, darunter viele Eltern mit Kindern.“

Warum der „Abendmarkt“ um 18.30 Uhr endet

Ob ein „Abendmarkt“, der aber bereits um 18.30 Uhr schließt, gerade Berufstätigen wirklich ein entspanntes Einkaufserlebnis ermöglich, bleibt abzuwarten. Ginge es nach Thal, hätte man den Markt später angesetzt. „Der eigentliche Gedanke war tatsächlich, dass die Menschen abends Zeit für einen Besuch auf dem Markt haben, wo sie eine Kleinigkeit essen können, vielleicht mit Livemusik, und dann noch in Ruhe einkaufen können.“ Zudem hätten die Händler dann eine echte Chance, nach einem anderen Markt noch hierherzukommen.

Tatsächlich sei der „Abendmarkt in Hamm“ ursprünglich für den Zeitraum von 15 bis 20 Uhr geplant gewesen, sagt Bezirksamtssprecher Peter Martin Zybarth. Doch bei einem ersten Anlauf im Rahmen der Versuchsphase im vergangenen Sommer hätten sich kurzfristig nicht genug interessierte Standbetriebe gefunden. „Bei dem diesjährigen Versuch hatte die Verwaltung einen längeren Planungsvorlauf für die Akquise und auch einen grundsätzlich besseren Zuspruch bei den Standbetreibenden“, so Zybarth.

„Allerdings waren diese zu einer Marktzeit bis 20 Uhr nicht bereit, sondern machten ein früheres Markt­ende zur Bedingung, um am nächsten Morgen ihre nächsten Märkte beschicken zu können.“ Der Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Wochenmärkte und Tourismus der Bezirksversammlung habe die Marktzeit entsprechend verkürzt. Das Bezirksamt strebe aber weiterhin eine längere Öffnung an.

Wochenmarkt: Umfrage unter Besuchern

Der „Abendmarkt in Hamm“ ist Teil des Projekts „Wochenmarkt der Zukunft“, das der Bezirk zur Verbesserung der Marktsituation entwickelt hat. Vorausgegangen waren Umfragen unter Marktbesuchern, wie Wochenmärkte attraktiver werden können. Das Resultat waren rund 40 Handlungsempfehlungen – neben Abendmärkten auch ein immer wechselnder Probierstand und Marktmusik. Ob der „Abendmarkt in Hamm“ in dieser Form fortgeführt wird und wie letztlich die Marktzeiten sein werden, soll noch vor Ablauf der zehn Testwochen entschieden werden.

Zu den Wochenmärkten, die sich nicht um zu wenig Zulauf sorgen müssten (Ise- und Goldbekmarkt) gehört auch der Harburger Wochenmarkt. Der älteste Wochenmarkt Hamburgs findet seit 400 Jahren täglich außer sonntags statt und ist immer gut besucht. Thal nennt ihn „einen stabilen Faktor für ältere und alt eingesessene Harburger“. Derzeit wird die Marktfläche saniert. Vielleicht wird es später auch dort einen „Abendmarkt“ geben. Das zuständige BID ist jedenfalls an dem Konzept von Hamburg-Mitte interessiert.