Internetriese

Wie die Hamburger ABC-Straße Google prägte

Ein Blick in die ABC-Straße in der Hamburger Neustadt.

Ein Blick in die ABC-Straße in der Hamburger Neustadt.

Foto: picture alliance/dpa

Google feiert 20. Geburtstag. Ex-Chef Eric Schmidt hielt in Hamburg eine Rede. Auch Bürgermeister Tschentscher war vor Ort.

Hamburg.  Eines vorweg: Die wunderbare Anekdote, die eigentlich zu schön ist, um wahr zu sein, ist tatsächlich zutreffend. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) erzählte sie am Donnerstagabend mit einem Schmunzeln: Die 2015 gegründete Dachgesellschaft von Google namens Alphabet sei nach der Hamburger ABC-Straße benannt worden, in der die Deutschland-Niederlassung des Internet-Konzerns ihren Sitz hat. Tschentscher sagte das als Gastredner eines Empfangs zum 20-jährigen Bestehens des Unternehmens.

Danach sprach Eric Schmidt, der von 2001 bis 2011 Vorstandsvorsitzender von Google war und heute im Verwaltungsrat von Alphabet sitzt. Als Erstes bestätigte er Tschentscher: „Ja, die ABC-Straße hat uns tatsächlich zum Namen Alphabet inspiriert“, sagte er. Schmidt muss es wissen: Abgesehen von den beiden Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin hat keiner das Unternehmen so sehr geprägt wie er.

Auch Hamburg kennt Schmidt gut: 2001 schaute er damals im neu gegründeten Google-Büro zum ersten Mal vorbei. Damals saß dort nur ein Mitarbeiter. Heute arbeiten mehr als 600 Menschen für den Internet-Konzern in der Hansestadt. In ganz Deutschland sind es mehr als 1300. Das Unternehmen hat inzwischen auch Niederlassungen in Berlin, Frankfurt und München. Doch Hamburg ist nach wie vor Sitz der Deutschlandzentrale.

Wie Schmidt den Tag in Hamburg verbracht hat

Schmidt erinnerte in seiner Rede daran, warum man sich für Hamburg entschied. Er erwähnte den Hafen ebenso wie die Kreativbranchen, die in der Stadt zu Hause sind, und sagte dann: „Die Gehälter sind hier hoch, aber die Produktivität ist im Vergleich noch höher.“

Der 63-Jährige sprach frei. Und wer die Gelegenheit genutzt hatte, sich vorab das Manuskript seiner Rede zu besorgen, merkte ziemlich schnell, dass das, was Schmidt an diesem Abend im Raum „Freihafen“ in der Hamburger Google-Zentrale sagte, kaum etwas damit zu tun hatte. „Ich improvisiere bei meinen Reden eigentlich immer“, sagte Schmidt dem Abendblatt anschließend.

Tagsüber hatte er bereits eine – vermutlich ebenfalls improvisierte – Rede an der Universität gehalten. Zudem hatte Schmidt Gründer von Hamburger Start-ups getroffen und das Miniatur Wunderland besucht. Einer von dessen beiden Betreibern, Gerrit Braun, war ebenfalls bei der Google-Feier. Zu den Gästen zählten auch Michael Otto (Otto Group), Studio-Hamburg-Chef Johannes Züll, Hamburgs oberster Datenschützer Johannes Caspar und Kultursenator Carsten Brosda.

Ex-Google-Chef mit Liebeserklärung an Hamburg

Eigentlich hatte Schmidt über Unternehmertum sprechen wollen. Das tat er aber nur ganz am Anfang, als er die Hanse als dessen Ursprung lobte. Ansonsten war seine Rede eine Liebeserklärung an Deutschland im Allgemeinen und Hamburg im Besonderen. „Ich liebe Deutschland nicht, weil ich Schmidt heiße“, sagte er.

Das liege vielmehr an Andy von Bechtolsheim, einem Deutschen, der 1982 zu den Mitgründern von Sun Microsystems zählte. 1998 überreichte der Investor Bechtolsheim noch vor der Gründung von Google Brin und Page einen Scheck über 100.000 Dollar. Der Rest ist Geschichte.