Gänsemarkt

230 Menschen demonstrieren gegen "Merkel-Diktatur"

Die Demonstranten auf dem Gänsemarkt am Montagabend

Die Demonstranten auf dem Gänsemarkt am Montagabend

Foto: Axel Heimken / dpa

Nach Uta Ogilvie hatte sich eine weitere Anmelderin zurückgezogen. 800 Gegendemonstranten am Gänsemarkt.

Hamburg. Überwiegend ohne Zwischenfälle verlief am Montagabend die zweite Kundgebung unter dem Tenor „Merkel muss weg“ in der Hamburger Innenstadt. Rund 230 Demonstranten aus dem konservativen und rechten Spektrum hatten sich auf dem Gänsemarkt versammelt. Abgeriegelt wurde die Kundgebung von 700 Polizisten, die etwa 800 linke Gegendemons­tranten auf Distanz hielten.

Zu einem kleinen Zwischenfall kam es vor dem Beginn der Kundgebung, die um 19 Uhr startete. An der Dammtorstraße trafen Teilnehmer der Kund­gebung und linke Demonstranten auf­einander. „Es gab ein Gerangel“, sagt Polizeisprecher Ulf Wundrack. Die Polizei nahm zwei Personen in Gewahrsam. Sie stammen aus dem linken Spektrum.

Während der Kundgebung auf dem Gänsemarkt störten Gegendemonstranten die Veranstaltung durch Rufen und Trillerpfeifen. Auch zwei Bengalos wurden gezündet. Um Punkt 20 Uhr beendete die Veranstalterin die Kundgebung. Geschlossen wurden die Teilnehmer von der Polizei in den U-Bahnhof Gänsemarkt eskortiert. Von dort wurden sie mit einem Sonderzug weggebracht.

Demo-Anmelderin zog sich zurück

Wie aufgeheizt die Stimmung ist, hatte sich schon vor der ersten „Merkel muss weg“-Demo“ gezeigt, die am Montag eine Woche zuvor auf dem Jungfernstieg stattgefunden hatte. Auf das Wohnhaus der damaligen Anmelderin Uta Ogilvie hatte es einen Farbanschlag gegeben. Sie hatte sich daraufhin als Veranstalterin zurückgezogen.

Die ursprüngliche Anmelderin der gestrigen Kundgebung hatte sich noch im Vorfeld der Veranstaltung ebenfalls zurückgezogen. Die Chefin einer Hamburger Modelagentur wollte nicht mehr als Versammlungsleiterin auftreten. „Sie hat berechtigte Angst und Sorgen um ihre physische Unversehrtheit und berufliche Zukunft“, sagt Uta Ogilvie. Zuvor hatten mutmaßlich linksextreme Gruppen den vollständigen Namen der Frau und ein Foto von ihr in sozialen Medien öffentlich gemacht. Stattdessen fungierte nun eine zunächst unbekannt gebliebene Frau als neue Versammlungsleiterin.

Die Demonstration „Merkel muss weg“ ist stark umstritten – Gegner sehen in den Kundgebungen eine Bühne für rechtsradikales Gedankengut. Die Initiatorin Uta Ogilvie weist allerdings alle Bezüge zu Rechtsextremen von sich und kündigte weitere Kundgebungen an. Sie sagte, dass es die Demonstrationen auch nach dem Rückzug ihrer Nachfolgerin so lange geben werde, „bis Frau Dr. Merkel alle Ämter und Funktionen niedergelegt hat“.

Gleichwohl werde die Organisation „vor dem nächsten Termin völlig neu aufgestellt“.