Hamburg

Christopher Street Day setzt dieses Mal besonderes Zeichen

Farbenprächtig: Teilnehmer des CSD in Hamburg (Archivbild)

Farbenprächtig: Teilnehmer des CSD in Hamburg (Archivbild)

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Am Sonnabend ziehen 15.000 Schwule, Lesben, Transgender durch die City. Der CSD 2016 in Hamburg ist ein besonderer.

Hamburg.  Zwischen St. Georg, Mönckebergstraße und Jungfernstieg wird es am Sonnabend bunt, schrill und politisch: 15.000 Schwule, Lesben und andere sexuelle Minderheiten wollen von 12 Uhr an gegen Ausgrenzung, Hass und für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung protestieren. Schirmherrin der traditionellen Pride-Parade zum Christopher Street Day (CSD) ist Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD). Erstmals unterstützt auch die Türkische Gemeinde in Hamburg und Umgebung e. V. die Aktion. Außerdem nimmt die Flüchtlingsgruppe „Queer Refugees for Pride“ teil.

Die Parade am Sonnabend gilt als Höhepunkt und Abschluss der Pride Week in Hamburg, zu der bis zum Sonntag insgesamt 300.000 Besucher aus dem In- und Ausland in der Hansestadt erwartet werden. Allein bei der CSD-Parade rechnen die Veranstalter mit 150.000 Zuschauern. Schließlich wird bei dem mehrstündigen Umzug durch die Innenstadt einiges geboten: 40 Gruppen ziehen mit geschmückten Wagen durch die City, viele Teilnehmer in bunten Outfits, eingerahmt von politischen Forderungen.

Aktionen gehen auf Aufstand 1969 in New York zurück

Das diesjährige Motto „Normal ist, wer Menschen achtet“ setzt nämlich einen aktuellen Akzent. Es sei ein „ernstes Statement in einer herausfordernden Zeit“, sagt Stefan Mielchen, Erster Vorsitzender von Hamburg Pride e.V. Im Juni waren bei einem Anschlag auf einen Homosexuellen-Club in Florida 49 Menschen getötet und 53 verletzt worden. „Menschen zu achten, heißt, sie in ihrer Vielfalt zu akzeptieren, ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung zu wahren und ihnen solidarisch zur Seite zu stehen, wo Hilfe und Schutz erforderlich ist“, betont Stefan Mielchen.

Wie die Organisatoren mitteilten, wollen sie sich öffentlich gegen Ausgrenzung, Hass, Homo- und Transphobie einsetzen. Ziel sei die volle Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen und Intersexuellen (LSBTI). „Es geht darum, dass die Achtung von Menschenrechten und Menschenwürde der Normalfall ist.“ Pünktlich zum Christopher Street Day wurde an zahlreichen Gebäuden die Regenbogenflagge gehisst.

Am Rathaus, im Bezirk Wandsbek, an der Verbraucherzentrale, aber auch am Hermes-Versand, dem US-Konsulat und am Alsterhaus wird damit ein visuelles Bekenntnis für Toleranz, Vielfalt und gegenseitigen Respekt gesetzt. „Homophobie und Transphobie gehören auch in Hamburg noch immer zum traurigen Alltag“, sagt Hermes-Germany-Personalreferentin Inga von Nolcken. „Das muss aufhören!“ Dass sich die Türkische Gemeinde in Hamburg und Umgebung erstmals beim Christopher Street Day engagiert, findet weithin positive Beachtung. Aus Sicht des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland (LSVD) hätten diese Vorstöße „Pilotcharakter“. Dass eine „Mainstream-Organisation“ wie die Türkische Gemeinde sich beteilige, sei etwas ganz Besonderes, sagte ein LSVD-Sprecher in Berlin.

Nabahat Güclü, die Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, hält trotz interner Kritik an der Entscheidung fest: „Uns ist bewusst, dass wir als Vorstand damit in unserer Gemeinde einen wichtigen, aber auch provokativen Schritt machen, der auch negative Reaktionen auslösen könnte.“ Trotzdem sei es wichtig und richtig, sich allen Arten von Diskriminierungen in der Gesellschaft entgegenzustellen.

Die weltweiten Aktionen zum Christopher Street Day gehen auf Ereignisse am 28. Juni 1969 in New York zurück. Nach einer Razzia der Polizei in einer Szenebar kam es damals zum Aufstand von Schwulen und Lesben mit Straßenschlachten in der Christopher Street. Bereits seit 1980 gehen Lesben und Schwule in Hamburg beim CSD für ihre Rechte auf die Straße.

Umrahmt wird die Hamburger Parade am Sonnabend von einem bunten Straßenfest an Jungfernstieg und Ballindamm, das bereits am heutigen Freitag um 15 Uhr startet und bis Sonntag (22 Uhr) dauert. Die Besucher erwarten schwul-lesbische Info-Stände, zahlreiche Musikinseln, kulinarische Köstlichkeiten und Bands wie „Ira Atari“ (Freitag, 21 Uhr), „The Supertroupers“ (Sonnabend, 21.30 Uhr)und Toya Delarzy (Sonntag, 21 Uhr), die auf der großen CSD-Bühne auftreten. Nach der großen Parade am Sonnabend, die an der Langen Reihe/Ecke Schmilinskystraße beginnt, über Steinstraße, Mönckebergstraße und Lombardsbrücke führt und am Jungfernstieg in Höhe des Nivea-Hauses endet (siehe Karte), steigt ab 22 Uhr die Abschlussparty im Edelfettwerk an der Schnackenburgallee.