Universität Hamburg

"Die Hochschulpolitik ist auf dem Holzweg"

Holz steht im Mittelpunkt des vielgeschätzten Hamburger Studiengangs, in dem es sich unter anderem um Holzökonomie und Forstwirtschaft dreht

Holz steht im Mittelpunkt des vielgeschätzten Hamburger Studiengangs, in dem es sich unter anderem um Holzökonomie und Forstwirtschaft dreht

Foto: Jan Woitas / picture alliance / ZB

Studierende der Holzwirtschaft und Unterstützer demonstrieren am Dienstag für den Erhalt des Studiengangs. Kundgebung vor dem Rathaus.

Hamburg. Unter dem Motto „Hochschulpolitik auf dem Holzweg“ wollen Studierende der Universität Hamburg auf Initiative des Fachschaftsrates Holzwirtschaft gegen die geplante Abwicklung ihres Studiengangs auf die Straße gehen. Wie berichtet, sollen der Studiengang Holzwirtschaft und das zugehörige Fachzentrum Kürzungen zum Opfer fallen. Professoren des Fachbereichs Biologie sowie die übergeordnete MIN-Fakultät (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften) hatten vor einigen Wochen beschlossen, die Holzwirtschaft aus finanziellen Gründen aufzugeben – den Fachbereich drückt ein Defizit von 1,77 Millionen Euro.

Die geplante Demonstration beginnt am Nachmittag um 15.15 Uhr am S-Bahnhof Dammtor. Anschließend wollen die Teilnehmer gemeinsam zum Hamburger Rathaus ziehen, wo ab 17 Uhr der Wissenschaftsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft tagt. Unterstützt werden die Studierenden bei ihrem Protest vom Allgemeinen Studierendenausschuss, dem Studienparlament der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaften, der Gewerkschaften Ver.di und IG-Metall und den Fachschaften der Universität Hamburg.

Bund Deutscher Holzwirte unterstützt die Studierenden

Auch der Bund Deutscher Holzwirte e. V. solidarisiert sich mit den Studierenden. „Eine Lehr- und Forschungsinstitution, die nachhaltiges Denken und Handeln vermittelt und die wahrscheinlich wichtigste erneuerbare Ressource - Holz - untersucht, darf in der heutigen Zeit schlicht nicht abgeschafft werden“, begründet Vorstandsvorsitzende Dinah Urban.

Die Studierenden fordern neben der Erhaltung des Zentrums Holzwirtschaft und seiner Studiengänge mehr Diversität in Forschung und Lehre sowie umgehende Nachverhandlungen bei der Grundfinanzierung der Hamburger Hochschulen.

„Es geht nicht nur um die aktuellen Pläne, die Holzwirtschaft zu schließen“, sagt Geoffrey Youett vom AStA der Universität Hamburg. Immer wieder stünden Studiengänge vor dem faktischen Aus. „Turkologie, Gesundheitswissenschaften und jetzt die Holzwirtschaft sind dabei lediglich die prominenteren Beispiele.“ Dabei sei das Abwickeln von Studiengängen nur die Zuspitzung eines viel größeren Problems: „Die jetzige Finanzierung der Hochschulen ist ein morsches Gerüst, wobei die Holzwirtschaft der nächste Balken ist, der zu brechen droht.“

Zahlreiche Konzerne haben Unterstützerbriefe an die Behörde geschickt

Der Studiengang Holzwirtschaft an der Universität Hamburg ist mit gut 250 Studierenden ein relativ kleiner Ausbildungszweig – aber bundesweit einzigartig. Letzteres erklärt, warum in den vergangenen Wochen eine so große Protestwelle entstanden ist, seit sich andeutete, dass dem Lehrangebot auf dem Bergedorfer Campus das Aus drohen könnte. Mindestens 37 Unterstützer haben inzwischen Briefe an die Hamburger Wissenschaftsbehörde geschickt und Senatorin Katharina Fegebank (Grüne) aufgefordert, sich für den Erhalt des Studiengangs einzusetzen.

Unter den Absendern sind weltweit operierende Konzerne wie Voith Paper und die österreichische Lenzing AG, aber auch Hamburger Firmen wie die Menck Fenster GmbH. Appelle kommen zudem von drei Fraunhofer Instituten, von den technischen Universitäten in München und Dresden, von Hochschulen in Frankreich, Südafrika und dem Iran sowie von vier Holzverbänden. In vielen dieser Einrichtungen arbeiten Absolventen aus Hamburg.