Asklepios

Jetzt soll Sonderkommission Bestrahlungsfehler klären

Mehrere schwer kranke Krebspatienten wurden im AK St. Georg falsch behandelt. Das Krankenhaus informierte die Gesundheitsbehörde. Ergriff diese alle notwendigen Maßnahmen?

Hamburg. Nach Kritik am Umgang der Hamburger Gesundheitsbehörde mit der fehlerhaften Strahlenbehandlung von Krebspatienten an der Asklepios-Klinik St. Georg soll nun eine Sonderkommission die Angelegenheit überprüfen. Zudem habe sie bereits den renommierten Kieler Strahlenmediziner Bernhard Kimmig eingeschaltet, sagte ein Sprecher der Gesundheitsbehörde. Der emeritierte Professor solle die vorliegenden Stellungnahmen extern bewerten.

Der Sprecher räumte zugleich ein, dass es aus heutiger Sicht besser gewesen wäre, wenn ihr Fachbereich Strahlenschutz gleich nach Bekanntwerden der Fehlbehandlung im März 2013 die für Qualitätskontrollen zuständige Ärztliche Stelle und die Staatsanwaltschaft informiert hätte. Nach Angaben der Klinik wurden zehn Patienten zwischen 2010 und 2013 falsch bestrahlt. Sieben der schwer Krebskranken seien inzwischen gestorben, aber nicht infolge der zu geringen Bestrahlung.

Opposition fordert vom Senat Offenlegung des Prüfberichts

Grüne und Linke in der Bürgerschaft warfen dem Senat am Montag Untätigkeit vor. „Warum hat die Behörde fast zwei Jahre lang nicht aktiv gehandelt – obwohl es hier um Menschenleben ging?“, fragte die grüne Sozialpolitikerin und Spitzenkandidatin Katharina Fegebank. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken, Kersten Artus, forderte den Senat zur Offenlegung aller Fakten auf. Unter Berufung auf einen Bericht der „Hamburger Morgenpost“ erklärte Artus, es gebe unterschiedliche Darstellungen zur Ursache der Fehlbehandlung.

Die Gesundheitsbehörde betonte, dass sie unmittelbar nach Anzeige der Unterdosierungen alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen habe, damit die entsprechenden Fehler abgestellt und Fehlbehandlungen in Zukunft ausgeschlossen werden. Die Ergebnisse der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen seien abzuwarten. Dennoch sei eine „Komplettprüfung“ durch die Sonderkommission aus zwei Medizinern und einem Physiker vorgesehen.

Die Staatsanwaltschaft hatte am vergangenen Mittwoch das Hermann-Holthusen-Institut für Strahlentherapie an der Asklepios-Klinik St. Georg durchsucht und Krankenakten beschlagnahmt. Ermittelt wird gegen drei Ärzte und einen Physiker der Klinik. Es gebe den Anfangsverdacht der fahrlässigen Körperverletzung und fahrlässigen Tötung in einer noch nicht bekannten Zahl von Fällen zwischen 2010 und 2015, hieß von der Staatsanwaltschaft. Die Überprüfungen sollen mehrere Wochen dauern.

Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert Meldesystem

Die Klinik sicherte den Ermittlern ihre uneingeschränkte Unterstützung zu. „Die Aufklärung der genauen Hintergründe auch durch die Staatsanwaltschaft liegt in unserem ureigenen Interesse“, erklärte der Sprecher der Geschäftsführung der Asklepios-Kliniken Hamburg GmbH, Thomas Wolfram. Aus Rücksicht auf die Ermittlungen wollte sich ein Asklepios-Sprecher am Montag nicht zu weiteren Fragen äußern.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte ein organisiertes Meldesystem, sonst gebe es keine Patientensicherheit. „Es kann nicht sein, dass Staatsanwaltschaft und Öffentlichkeit erst Jahre nach den Vorfällen informiert werden. Die Sonderkommission muss auch aufklären, wer dafür die Verantwortung trägt“, sagte der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch.