Hamburg. Umweltaktivisten hatten es befürchtet – jetzt ist es bestätigt: Der Frachter „Mikhail Lomonosov“ der russischen Reederei Northern Shipping Company hat am Montag im Hamburger Hafen zwei als Gefahrgut der Klasse 7 deklarierte Container mit Uran-Pellets umgeschlagen.
Der Kernbrennstoff wurde in Hamburg auf Lastwagen umgeladen und ist nun auf dem Landweg unterwegs. Derartige Güter werden von Hamburg aus zur Brennelementefabrik in Lingen beziehungsweise zur Urananreicherungsanlage in Gronau gebracht.
Zur Gefahrgutklasse 7 zählen alle radioaktiven Stoffe und Gegenstände, die radioaktive Stoffe enthalten, zum Beispiel Uran oder Plutonium. In den Containern des russischen Frachters ist laut Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) kein Uranhexafluorid gewesen, sondern Uran-Pellets, also zu Keramik gebrannte Uranoxid-Tabletten. Der Transport sei ordnungsgemäß und fristgerecht angemeldet gewesen. Diese angemeldeten Transporte werden aber normalerweise nicht öffentlich bekannt gemacht.
Dafür hatten Umweltaktivisten gesorgt. Die Mitglieder der Gruppe „Sand“ hatten den Atomtransport identifiziert. Dem Abendblatt sagte ein Aktivist, es könne doch Uranhexafluorid an Bord gewesen sein.
Etwa gegen sieben Uhr ist das Schiff in Hamburg eingetroffen. Wie die Wasserschutzpolizei auf Anfrage mitteilte, kam das Schiff durch den Nord-Ostsee-Kanal und war für etwa drei Stunden in im Hamburger Hafen. Die Container sind auf Lkw umgeladen worden und haben die Stadt ebenfalls wieder verlassen.
Bekannt geworden war der Transport nur, weil der russische Frachter am Freitagmorgen 15 Seemeilen nördlich von Arkona auf Rügen mit einer englischen Segelyacht kollidiert war. „Die Yacht wurde erheblich beschädigt und daher nach Rügen geschleppt“, sagte eine Sprecher der Wasserschutzpolizei in Sassnitz auf Rügen. Der Frachter habe seine Fahrt nach Kiel fortsetzen können. Dort wartete die „Mikhail Lomonosov“ am Sonntag auf die Durchfahrt über den Nord-Ostsee-Kanal nach Hamburg, wie ein Sprecher der Wasserschutzpolizei in Kiel bestätigte.
Anfang Mai war es auf dem Spezialfrachter „Atlantic Cartier“ im Hamburger Hafen zu einem verheerenden Brand gekommen. Neben zahlreichen Autos hatte das Schiff auch Container mit Gefahrgut an Board.
Laut Umweltorganisation Greenpeace passiere etwa alle vier Tage ein Frachter mit atomarer Ladung den Hamburger Hafen. Auch die Wasserschutzpolizei spricht von „regelmäßigen“ Transporten der Gefahrgutklasse 7 im Hafen.
Die Hamburger Umweltschutzgruppe „Sand“ fordert den sofortigen Stopp von atomaren Transporten auf dem Wasserweg. Erst im Mai dieses Jahres war es im Hamburger Hafen zu einem Unfall mit Uranhexafluorid gekommen, als der Spezialfrachter „Atlantic Cartier“ in Brand geraten war.
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