Installation vor St. Petri

Ein neues Mahnmal 70 Jahre nach „Gomorrha“

Künstler Axel Richter gestaltet zur Erinnerung an den Feuersturm 1943 eine Installation vor St. Petri. „Erinnerungen aufbrechen“ heißt das Denkmal, das drei Monate lang vor der Kirche zu sehen ist.

Hamburg. Wer durch die City läuft, bleibt in diesen Tagen immer häufiger vor der Hauptkirche St. Petri stehen. Vor den dicken Kirchenmauern lenkt ein neues Mahnmal des Ammersbeker Bildhauers Axel Richter die Blicke auf sich. Auf der rechten Seite hängt eine große Kopie des Picasso-Gemäldes „Guernica“, 1937 nach den Luftangriffen der deutschen Legion Condor auf die spanische Stadt gemalt. Auf der linken Seite steht, seit 1979 schon, eine Skulptur mit der Darstellung des NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, die der Verleger Axel Springer gestiftet hatte. Und in der Mitte des Mahnmals befinden sich neuerdings Marmorstücke des Altars aus den Trümmern der Kirche St.Nikolai, die den Alliierten beim „Feuersturm“ auf Hamburg vor 70 Jahren als Orientierungspunkt diente. Dahinter ragen Eichenbalken von den Massengräbern der Opfer der verheerenden Luftangriffe empor, die als „Operation Gomorrha“ in die Geschichte einging.

„Erinnerungen aufbrechen“ heißt das Denkmal, das drei Monate lang vor der Kirche zu sehen ist. „Wir wollen mit diesem Projekt einen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten“, sagt die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Barbara Nitruch. Sie zählt zu den Initiatoren der ungewöhnlichen Installation, die mit ihrer Dreiteilung an das Triptychon eines Altars erinnert. In der Mitte der Darstellung lassen das Eichenholz aus dem Zweiten Weltkrieg und frisches Douglasienholz aus Schleswig-Holstein die Form eines christlichen Kreuzes erkennen.

Der Künstler verwendete Balken von den Ohlsdorfer Massengräbern

Die Idee für diese ungewöhnliche Synthese war auf dem Parlamentarischen Sommerabend entstanden. Zunächst hatte Bildhauer Richter ein Kunstwerk ohne die Eichenbalken der Massengräber für die 35.000 Opfer geplant. Doch dann traf er auf die SPD-Abgeordnete Barbara Nitruch. Sie brachte ihn auf die Idee, diese historischen Balken in sein Kunstwerk einzubeziehen. Die 18 Exemplare tragen die Namen jener Stadtteile, aus denen die unzähligen Toten in die Massengräber auf den Ohlsdorfer Friedhof gebracht wurden. Das Holz war bereits kurz nach dem Feuersturm Teil kollektiver Erinnerungskultur, musste jetzt aber ausgetauscht werden, weil der Zahn der Zeit daran nagte. Nun finden die „Stadtteilbalken“ im Kunstwerk „Erinnerungen aufbrechen“ einen würdigen, neuen Ort. Und als Hoffnungs-Zeichen steht jetzt ein stilisierter Altar aus Douglasienholz vor den 18 Gomorrha-Balken.

Am Sonntag kamen Hunderte Hamburger zur zentralen Gedenkfeier in der Hauptkirche St.Katharinen. „Eine gemeinsame Würdigung der Opfer unterstützt auch die Versöhnung ehemals verfeindeter Nationen“, sagte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Im Anschluss fand eine Kranzniederlegung am Mahnmal St.Nikolai statt.

Am 20. August, 20Uhr, wird es in St.Petri eine Lesung von Zeugenberichten der Zerstörung mit dem Schauspieler Rolf Becker geben. Er erinnert sich, wie er als kleiner Junge in der Nähe von Neumünster den Feuersturm erlebte. „Wenn ich mitten in der Nacht in Richtung Hamburg blickte, sah es so aus, als würde dort die Sonne untergehen. Dafür war am Tag der Himmel drei Tage lang über Hamburg dunkel.“