Rathausmarkt

Initiative „Umfairteilen“ fordert mehr soziale Gerechtigkeit

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Marlies Fischer

Mehr als 20 zivilgesellschaftliche Organisationen gehören der Initiative an. Auf dem Rathausmarkt protestierten mehr als 100 Hamburger für mehr soziale Gerechtigkeit in der Hansestadt.

Hamburg. Das erste Red Dinner in Hamburg fiel fast aus. Die Menschenkette der Initiative „Umfairteilen“ fand sich aber trotz des schlechten Wetters auf dem Rathausmarkt ein. Mehr als 100 Hamburgerinnen und Hamburger demonstrierten am Sonnabend Mittag für mehr soziale Gerechtigkeit. „Umfairteilen – Reichtum besteuern“ fasste eine menschliche Buchstabenkette vor dem Rathaus den Protest in Worte.

Dem Bündnis „Umfairteilen“ gehören bundesweit mehr als 20 zivilgesellschaftliche Organisationen an, darunter Wohlfahrtsverbände, Sozialverbände und Gewerkschaften. Das Bündnis tritt unter anderem für eine einmalige Vermögensabgabe und eine Vermögenssteuer zugunsten sozialer Zwecke ein. In rund 80 deutschen Städten gab es ähnliche Aktionen und Unterschriftensammlungen. Zu den prominenten Unterstützern gehören unter anderem der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel, die Musiker Jan Delay und Hannes Wader, die Schauspieler Michael Fitz und Peter Sodann sowie die Kabarettisten Wilfried Schmickler und Volker Pispere.

Der Initiative geht um mehr soziale Gerechtigkeit. Joachim Speicher, 53, Geschäftsführer vom Wohlfahrtsverband Der Paritätische und Klaus Wicher, 64, Hamburger Landesvorsitzender des Sozialverbands Deutschland (SoVD), zählen auf: „Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst, jedes siebte Kind ist auf Hartz IV angewiesen, Millionen Menschen müssen zu Niedriglöhnen arbeiten, Renten reichen nicht für ein Alter in Würde.“

Nach Angaben von Aktions-Koordinator Klaus-Dieter Schwettscher ist der Wohlstand da. „Er muss neu verteilt werden.“ Rund 50 der reichsten Hamburger besäßen ein Vermögen von mehr als 50 Milliarden Euro. „Das übersteigt den gesamten Vermögenswert der Hansestadt, die 45 Milliarden Euro wert ist“, so Schwedischer.

Für Dora Heyenn, Franktionsvorsitzende der Linken in der Bürgerschaft, ist es eine Herzensangelegenheit, die Aktion zu unterstützen. „Die Linke fordert schließlich seit langem Steuergerechtigkeit,“ sagt die Abgeordnete, die mit dem „U“ die menschliche Buchstabenkette anführt.

Höhepunkt der ganzen Aktion sollte das Red Dinner sein – ein gemeinschaftliches Mittagessen, möglichst rot gekleidet, an rot gedeckten Tischen. Doch nur rund 40 Unerschrockene sitzen bei sieben Grad Celsius und Nieselregen an sechs Tischen unter dem Heinrich-Heine-Denkmal von Waldemar Otto ein. „Wir wollten nicht, dass es ausfällt und haben uns warm angezogen“, sagt Verena Maeffert, 68, Gründerin der Straßentheatergruppe „Panther des Grauens“. Zusammen mit ihren Freundinnen Lila Grunow, 59, Ilse Raab, 63, und Edeltraut Gerbrand, 65, verspeist Maeffert Kekse und Brot, Käsewürfel, Quark und Tomaten. „Es wäre schade um die ganzen Speisen“, sagt Lila Grunow. „Schließlich sind gemeinsame Mahlzeiten schon Tradition bei Protestaktionen.“