Hamburg-Altstadt

Hamburger kämpfen gegen Todesurteil im Iran

Der Pastor Youcef Nadarkhani wurde wegen seines Glaubens zum Tode verurteilt. Hunderte Bürger der Hansestadt engagieren sich für ihn.

Hamburg. Jede Woche stehen sie warm eingepackt an der Mönckebergstraße: Die Hamburger Unterstützer von Youcef Nadarkhani halten Mahnwache. Der iranische Pastor wurde 2010 wegen seines Glaubens zum Tode verurteilt. Der Vorwurf gegen ihn lautet: Apostasie, also die Abkehr vom Islam. Der 34-jährige Familienvater wartet auf seine Hinrichtung.

Sein Schicksal berührt Menschen auf der ganzen Welt. In Hamburg ist das Engagement für Youcef Nadarkhani besonders groß: Im September 2011 demonstrierten 400 Menschen vor dem iranischen Konsulat in der Bebelallee. Seit Oktober halten sie jede Woche eine Mahnwache mit dutzenden Teilnehmern ab. Und im November organisierten sie eine Lichterkette mit 300 Teilnehmern in der Mönckebergstraße.

Für die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) ist der Fall Nadarkhani besonders schwerwiegend. Denn: Erstmals seit mehr als 20 Jahren nennt das iranische Regime Apostasie als offiziellen Grund für das Urteil. „Das Regime will an Nadarkhani ein Exempel statuieren“, sagt der Hamburger Aktivist Ralf Kampmann. Wird er hingerichtet, könnte das iranische Regime auch Tausende andere Konvertiten töten. Hunderte aktive Christen im Iran seien dann akut bedroht, sagt die IGFM.

Die Menschenrechtsorganisation versucht, dies zu verhindern. Die IGFM organisiert die Aktionen in Hamburg gemeinsam mit der Evangelischen Allianz, einem Zusammenschluss verschiedener Kirchen. Die Hamburger Arbeitsgruppe konnte in kurzer Zeit viele Menschen für die Aktionen gewinnen. „Das ist etwas ganz Besonderes. Ihr Engagement für Nadarkhani ist einzigartig in Deutschland“, sagt IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

Trotz eisiger Temperaturen kamen auch am vergangenen Sonnabend fast 30 Unterstützer in die Mönckebergstraße, um Unterschriften zu sammeln und um über den Fall zu informieren. Ralf Kampmann ist seit der ersten Aktion dabei. „Es kann nicht sein, dass der Iran Andersdenkenden das Lebensrecht abspricht.“

Das Engagement der Hamburger ist ein Vorbild für Menschen in anderen Städten. Als ein Berliner von den Mahnwachen hörte, schrieb er den Hamburgern: „Da kommt in mir ein wenig der ‚Lokalpatriot‘ hoch, der sich in Grund und Boden schämt, dass wir in Berlin solch eine Aktion bisher nicht hinbekommen haben. Mein tiefempfundener Respekt nach Hamburg an die Alster. Ihr seid eine echte Inspiration für mich hier.“ Knapp zwei Wochen später fand daraufhin eine Mahnwache in Berlin statt. Auch in Saarbrücken und Frankfurt am Main gab es vereinzelte Aktionen.

Die Hamburger Unterstützer wollen so lange weitermachen, bis Nadarkhani freigelassen wird. Am kommenden Sonnabend werden sie die 15. Mahnwache abhalten. Auch eine größere Aktion ist geplant: Am Ostersonnabend wollen die Unterstützer in der Innenstadt demonstrieren.

Die weltweiten Proteste haben mittlerweile die Aufmerksamkeit von einflussreichen Politikern auf sich gezogen: So haben US-Präsident Barack Obama, EU-Außenministerin Catherine Ashton und auch die Bundesregierung den Iran aufgefordert, Nadarkhani freizulassen. Die IGFM hat bereits 23.000 Unterschriften gesammelt. (abendblatt.de)