InnovationsCampus am Adolphsplatz

Handelskammer-Bau wird 3,4 Millionen Euro teurer

Der InnovationsCampus am Adolphsplatz in der Altstadt wird um 3,4 Millionen Euro teurer als vorgesehen. Der Generalplaner ist insolvent.

Hamburg. Der Neubau des Handelskammer-InnovationsCampu s am Adolphsplatz wird voraussichtlich 3,4 Millionen Euro teurer als geplant. So sollen die Kosten für das Gebäude anstatt der vorgesehenen 13,6 Millionen Euro jetzt bei 17 Millionen Euro liegen. Das bestätigte Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz dem Abendblatt.

Wie konnte es zu der Kostensteigerung von 25 Prozent kommen? Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle: "Unser Generalplaner und Architekt hat Ende vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet. Das ist der größtmögliche Unfall, der einem Bauherren widerfahren kann", sagte Schmidt-Trenz. Der Generalplaner, das Architektenbüro MWP - von Mansberg Wiskott und Partner, hatte laut Schmidt-Trenz auch zahlreiche Subunternehmer nicht bezahlt.

"Wir haben Vorleistungen an den Generalplaner geleistet, die dieser nicht vollständig an die Subunternehmer weitergeleitet hat. Deshalb mussten wir die ausstehenden Honorarforderungen unmittelbar begleichen, um die Fortsetzung der Bauarbeiten nicht zu gefährden", sagte Schmidt-Trenz.

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Die Handelskammer hat bereits Schadensersatzforderungen gegen MWP geltend gemacht. Als neuer Generalplaner wurden die Architekten Hörter+Trautmann beauftragt.

Aber auch die besondere Lage des Grundstücks hat zu Mehrkosten geführt: Das Gebäude wird direkt über der U-Bahn-Linie 3 und einem Fleet errichtet: "Die Sicherungsmaßnahmen waren umfangreicher als geplant", sagte Schmidt-Trenz. Dadurch seien Mehrkosten von 750.000 Euro entstanden. Inzwischen sind die Tiefgründungsarbeiten, die in etwa 18 Meter Tiefe bei laufendem U-Bahn-Betrieb durchgeführt wurden, erfolgreich abgeschlossen worden. Zudem sind laut Kammer-Hauptgeschäftsführer durch den gestiegenen Stahlpreis rund 750 000 Euro Mehrkosten entstanden.

Der InnovationsCampus, das neue Bildungszentrum der Kammer gegenüber dem alten Börsengebäude, in dem die Handelskammer ihren Sitz hat, soll im Juni 2013 eingeweiht werden. Auf 3000 Quadratmeter Gesamtfläche werden Seminarräume, ein großer Saal und Büros untergebracht. Auch die HSBA Hamburg School of Business Administration wird das sechsstöckige Gebäude mit Dachterrasse nutzen.

Die Mehrkosten von mindestens 3,4 Millionen Euro hat jetzt auch die Politik auf den Plan gerufen. GAL-Wirtschaftsexperte Anjes Tjarks sagt: "Die Handelskammer steht jetzt in der Pflicht, diese Kostensteigerungen transparent und nachvollziehbar den Mitgliedsunternehmen zu erklären." Jede Kostensteigerung treffe über die Zwangsbeiträge der Handelskammer am Ende insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen. Tjarks: "Ich frage mich, wie die Handelskammer trotz der Gesamtkosten von 17 Millionen Euro das Gebäude noch wirtschaftlich fertig bauen und betreiben will."

Auch Karin Prien, wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, beschäftigen die Mehrkosten: "Die Handelskammer ist nun in der Pflicht, ihren Mitgliedern detailliert zu erklären, wie es zu dieser immensen Kostensteigerung kommen konnte. Da sich die Handelskammer durch Mitgliedsbeiträge finanziert, ist größtmögliche Transparenz bei den Kosten angebracht."

Keinen Grund zur Aufregung sieht Hauptgeschäftsführer Schmidt-Trenz: "Unsere Gremien begleiten den Bau sehr intensiv und sind über jeden Planungsschritt und auch über die entstandenen Mehrkosten informiert." Mit den Mitgliedsbeiträgen gehe die Handelskammer sehr sorgfältig um. Schmidt-Trenz verspricht: "Bei diesem Bauvorhaben wird jeder Cent zweimal umgedreht."

Der Bau des InnovationsCampus der Hamdelskammer hatte bereits Ende vergangenen Jahres für Wirbel gesorgt: Die Stadt hat der Handelskammer das Filetgrundstück in der Innenstadt wegen "baulicher Mehraufwendungen" deutlich unter Wert überlassen. Die Geschäftsstelle des Gutachterausschusses hatte einen Wert von 1,643 Millionen Euro ermittelt, die Handelskammer bezahlt aber lediglich ein Entgelt von 93 038 Euro. Es wurde ein Nutzungsvertrag über 75 Jahre für die Fläche abgeschlossen.