Partnerprogramm

Die schöne Seite Hamburgs beim G20-Gipfel

Brigitte Macron (Frankreich, l.)
und Juliana Awada (Argentinien)
verlassen die Barkasse am Anleger
Dockland

Brigitte Macron (Frankreich, l.) und Juliana Awada (Argentinien) verlassen die Barkasse am Anleger Dockland

Foto: Jörg Sarbach / ddp images

Das Partnerprogramm führt auf Hafenrundfahrt und ins Fischereihafen Restaurant. Melania Trump kann nicht teilnehmen.

Hamburg. Gegen 11.15 Uhr kommt die „Diplomat“ langsam am Anleger Sandtorhöft vorbei. Auf der Norderelbe liegen gelbe Absperrbälle vom City-Sporthafen bis hinüber zum Reiherstieg. Also fährt die Barkasse der Firma Bülow ganz langsam vorbei an den Motor- und Segelbooten und unter der Überseebrücke hindurch, lässt die „Cap San Diego“ an Backbord und die „Rickmer Rickmers“ an Steuerbord liegen, setzt ihren Kurs an den Landungsbrücken vorbei elbabwärts fort. An Bord sind keine normalen Touristen. Joachim Sauer, der Ehemann von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), macht mit den Partnern der Staats- und Regierungschefs eine Hafenrundfahrt.

Melania Trump, First Lady der USA, verpasst die Tour. Demonstranten verhindern, dass die 47-Jährige an Bord gehen kann. „Wir haben von der Polizei keine Sicherheitsfreigabe zum Verlassen des Gästehauses“, sagte eine Sprecherin von Melania Trump. Dabei freue sich die Präsidentengattin sehr auf die Aktivitäten gemeinsam mit den Gattinnen und Gatten der anderen Staatschefs. Aber ihr bleibt bis zum Nachmittag nur das Twittern: „Meine Gedanken sind bei denen, die bei den Protesten in Hamburg verletzt wurden. Ich hoffe, dass alle sicher bleiben.“ Für Melania Trump gelten schärfere Sicherheitsregeln als für andere Lebens- und Ehepartner von Politikern.

G20-Gipfel – Die Bilder des Tages (8.7.)

Dafür gehen Brigitte Macron, Ehefrau des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, und Sophie Grégoire Trudeau aus Kanada an Bord. Sie hat auch noch ihren kleinen Sohn Hadrien mitgebracht. Außerdem dabei: Peng Liyuan (China), Thobeka Madiba-Zuma (Südafrika), Kim Jung-sook (Südkorea), Emine Erdogan (Türkei), Angélica Rivera und Tochter Regina (Mexiko), Juliana Awada (Argentinien). Und der Gastgeber ist nicht der einzige Mann: Philip May, Finanzexperte und Ehemann der britischen Premierministerin Theresa May, steht dem 68 Jahre alten Chemieprofessor aus Berlin zur Seite.

Mit kleinem Abstand zur „Diplomat“, auf der die Gäste unter Deck sitzen und die Sicherheitsbeamten achtern draußen stehen, folgt die Barkasse „Hansa“ mit weiteren Delegationsmitgliedern. Dass es sich auf den Schiffen nicht um durchschnittliche Hamburg-Gäste handelt, ist an den Akkreditierungsausweisen um ihren Hals und vielen dunklen Anzügen zu erkennen.

Barkassen unter Polizeischutz

Bis um 6 Uhr früh haben beide Barkassen unter Polizeischutz im Sandtorhafen gegenüber der Elbphilharmonie gelegen. Die Schiffe waren mehrmals untersucht worden, Taucher hatten den Bereich unter Wasser inspiziert. Dann wurde verholt zum Anleger Elbphilharmonie, wo Professor Sauer und seine Gäste an Bord gingen.

Jan Bülow, Juniorchef des Barkassenbetriebs, kennt es, Prominenz durch den Hafen zu schippern. „Ich hatte schon die schwedische Kronprinzessin Victoria, die Kanzlerin und Sigmar Ga­briel an Bord“, sagt der 41-Jährige. Er steuerte die 24 Meter lange, 2008 auf der Kufra Werft in Lübeck gebaute „Diplomat“ selbst. Auf der „Hansa“ kann er sich auf Hermann Totzke als Schiffsführer verlassen. „Ich war fast 50 Jahre lang Hafenschipper, ich habe Elbwasser im Blut“, sagt der 68-Jährige.

Nach rund 50 Minuten machen beide Barkassen am Anleger Dockland fest und liefern die Damen und Herren am Fischereihafen Restaurant ab. Das Lokal hat viel Erfahrung mit besonderen Gästen, die spezielle Sicherheitslagen erfordern. Beim Treffen der OSZE-Außenminister im vergangenen Dezember hatten dort überraschend der US-Vertreter John Kerry und einen Tag später sein russischer Kollege Sergej Lawrow gespeist. Und auch Joachim Sauer war schon häufig privat mit seiner Ehefrau Angela Merkel im Restaurant zu Gast. Denn die Kanzlerin isst sehr gerne Labskaus und hat sich das Rezept schon nach Berlin schicken lassen.

Kleiner Trudeau bekommt Lieblingsspeise

Sprengstoffhunde haben rechtzeitig das Lokal durchschnüffelt, die Sicherheitsbeamten auch in die Töpfe und den Weinkeller geguckt. Dann werden Fisch-Spezialitäten serviert. Und der drei Jahre alte Hadrien Trudeau bekommt eine Kinder-Lieblingsspeise: Kabeljau in Form von Fischstäbchen.

Ins Klimarechenzentrum (DKRZ) an der Bundesstraße gehen Joachim Sauer und seine Begleitung dann aber doch nicht: Wegen der angespannten Sicherheitslage wird der zunächst geplante Termin durch Vorträge im Hotel Atlantic ersetzt. Weil dort die deutsche Delegation unter Führung von Kanzlerin Angela Merkel wohnt, ist das Hotel sehr gut beschützt. In Richtung Bundesstraße (Eimsbüttel) waren die Straßen durch Demonstranten versperrt.

Das Forschungsinstitut stellt Wissenschaftlern Daten über den Klimawandel zur Verfügung. Damit können Szenarien künftiger Klimaänderungen simuliert werden. Dafür wird der Hochleistungsrechner „Mistral“ benutzt. Der konnte nicht mit ins Hotel, aber Klima bleibt das Thema auch im Atlantic. Und während die Staats- und Regierungschefs in den Messehallen diesen Gipfelpunkt erörtern, hält DKRZ-Geschäftsführer Thomas Ludwig den Vortrag, zeigt Folien und einen Film vor der Gruppe rund um Joachim Sauer. Dabei wird der Professor für Informatik von Martin Claußen, Jochem Marotzke und Björn Stevens, alle Klimaexperten am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie, unterstützt.

„Wir haben gezeigt, dass Klimaforschung eine tolle Sache ist und wir zuverlässige Aussagen liefern können“, sagt Ludwig hinterher. Es habe im Raum keine Sitzordnung gegeben, und es sei durchaus informell zugegangen. „Und es wurden auch viele Fragen gestellt.“

Vortrag mehrere Wochen lang vorbereitet

Den Vortrag habe er mit Claußen und Stevens mehrere Wochen lang vorbereitet. „Wir finden ihn so gelungen, dass wir ihn wiederverwenden können. Vielleicht bekommt er den Namen G20.“

Am Abend dann sind Sauer und Co. wieder mit ihren Partnerinnen und Partnern vereint. Gemeinsam geht es in die Elbphilharmonie. Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg unter Leitung Kent Naganos spielt Beethovens 9. Sinfonie im Großen Saal. Anschließend gibt es ein Abendessen im Kleinen Saal des Konzerthauses.

Am Sonnabend lädt Joachim Sauer die Partner noch einmal zu einem Ausflug ein. Und da möchte auch Melania Trump dabei sein. Auf dem Programm steht ein Besuch im Hamburger Rathaus.

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) persönlich wird von 11 Uhr an die Besonderheiten des Gebäudes erklären und den Phönixsaal, das Bürgermeister-Amtszimmer, die Ratsstube, den Turmsaal sowie den Großen Festsaal zeigen. Zu sehen soll auch der Hamburger Silberschatz sein. Anschließend wird den Gästen im Kaisersaal ein Drei-Gänge-Menü serviert.

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