Geschäftsidee

Jungunternehmer verkauft Koch-Tüten am U-Bahnhof

Christoph Zettler steht jeden Tag am U-Bahnhof Hoheluftbrücke und versorgt Passanten mit seinen Kochtüten

Christoph Zettler steht jeden Tag am U-Bahnhof Hoheluftbrücke und versorgt Passanten mit seinen Kochtüten

Foto: Ewelina Berger

Bei Christoph Zettler kommt nur in die Tüte, was er selbst getestet hat. Seine Koch-Mischungen kommen vor allem bei jungen Leuten an.

Hamburg. Wissen Sie, was Sie heute Abend kochen möchten? Nein? Christoph Zettler kann da vielleicht weiterhelfen. Mit dieser Frage jedenfalls spricht der 32-Jährige seit einigen Wochen Menschen am U-Bahnhof Hoheluftbrücke in den Feierabendstunden an und hat auch gleich die Antwort parat – Chris’ Kochtüte. Darin findet sich ein Rezept mit den passenden Zutaten. „Man muss dann einfach nur noch loskochen. Ich wähle extra Gerichte aus, die in maximal 20 Minuten fertig sind“, sagt der gebürtige Allgäuer.

Mit zehn Tüten habe er Mitte April angefangen. „Jetzt werde ich täglich schon um die 20 Stück los.“ Den einen oder anderen Stammkunden hat der Jungunternehmer nach eigenen Angaben bereits. Bei Facebook kündigt Zettler jeden Morgen das Tagesgericht an. Manchmal ist auch eine bayerische Spezialität wie deftige Allgäuer Kässpätzle darunter.

Momentan ist das Angebot aber eher sommerlich leicht. Mit zitronigen Salbei-Gnocchi mit Spargel oder mediterraner Sommerpasta mit Ricottakäse, Rucola und Tomate versucht der studierte Diplom-Ökonom die Tüte immer zwischen 16.30 und 19 Uhr an den Mann zu bringen. „Ich bleibe bis zur letzten Tüte, dass kann dann auch mal früher als 19 Uhr sein.“ Weil er am Ende des Tages nichts wegwerfen möchte, kalkuliert Zettler die Tütenmengen lieber etwas knapper. Der Preis variiert je nach Inhalt zwischen 4,90 und 5,90 Euro für eine Person. Zutaten für zwei Personen gibt es für 7,90 bis 8,90 Euro.

Seine Konkurrenz: Edeka

Derzeit steht Zettler ausschließlich an der U-Bahn Hoheluftbrücke in der Nähe des dortigen Edeka-Supermarktes. Als Konkurrenz zu dem Laden sehe er sich nicht, wie er sagt. „Bisher gab es jedenfalls keine Probleme deswegen. Die Hamburger Hochbahn hat den Standort zudem genehmigt.“ Bevor er auch an anderen Standorten verkaufe, möchte er testen, ob das Geschäft überhaupt laufe. „Ich muss noch die eine oder andere Tüte mehr verkaufen, damit es sich rentiert“, sagt der junge Unternehmer.

Ziel hinter seiner Geschäftsidee sei, die Menschen wieder mehr zum Kochen zu animieren. „Die Leute sollen sehen, dass Kochen nicht kompliziert ist, schnell geht und trotzdem gesund ist“, sagt Christoph Zettler. Alles, was in die Tüte kommt, werde von ihm vorgekocht und probiert. Kochen sei seine Leidenschaft, seit er mit sechs Jahren von seiner Mutter in einen Kinderkochkurs geschickt wurde.

Die Idee für die Kochtüte sei Zettler gekommen, als er in einem Hamburger Start-Up gearbeitet hat. „Nach einem langen Arbeitstag hatte ich oftmals keine Lust, noch über das Abendessen nachzudenken, einzukaufen und noch zu kochen. Ich glaube, dass es vielen Menschen so geht.“ Das Projekt war also geboren.

Ein Full-Time-Job, wie der 32-Jährige selbst sagt. „Ich fange morgens um 8 Uhr an, suche ein Rezept raus, kaufe ein, koche, stelle Etiketten her und packe die Tüten.“ Wenn Zettler gegen 20 Uhr wieder nach Hause kommt, warte noch die Buchhaltung auf ihn. „Meistens probiere ich danach noch ein neues Gericht aus. Das kann dann auch schon mal Mitternacht werden.“

Noch macht Christoph Zettler alles im Alleingang. Sollte die Nachfrage nach seiner Tüte aber größer werden, so sagt er, wird er bald Unterstützung brauchen.