Rotherbaum

Die Welt zu Gast bei Frau Lehmann in Hamburg

Rosemarie Lehmann aus Hamburg-Harvestehude feierte ihren 80. Geburtstag mit Freunden und Bekannten aus vielen unterschiedlichen Nationen im Restaurant Maharani. Die Rentnerin lebt Multikulti.

Rotherbaum. Sie hätte mit ihren drei Söhnen, Schwiegertöchtern und sieben Enkeln ihren 80. Geburtstag feiern können. Ganz ruhig. Aber Rosemarie Lehmann aus Harvestehude reichte das nicht. Sie liebt die Geselligkeit und ist offen für Neues. Deshalb hat sie die ganze Welt zu ihrem Ehrentag ins Restaurant Maharani an der Hallerstraße in Rotherbaum eingeladen.

Frau Lehmann lebt Multikulti und hat Freundschaften mit Menschen aus Südafrika, Algerien, Schottland, Armenien und dem Iran geschlossen. Natürlich kamen alle gerne zu ihr. Von „Mac“, dem 80-jährigen Schotten, gab es das Ständchen „You’ll Never Walk Alone“. Den Schotten, der das „R“ so schön rollt, hat Frau Lehmann in ihrem Garten vor dem Eimsbütteler Bezirksamt kennengelernt. Genau wie ihren Nachbarn Redouane Bouziani aus Algerien. Seit mehr als 13 Jahren pflegt sie das Grün vor den Grindelhochhäusern. Sie wohnt im siebten Stock mit Blick auf ihre Blumen. Eine Herzensangelegenheit. Bevor sie sich um die Fläche neben dem Bezirksamt gekümmert hat, wuchsen dort nur Brennnesseln.

Oder Lusaber und Vagharshak Lalayan aus Armenien: Als Flüchtlinge waren der selbstständige IT-Unternehmer und seine Frau 1993 nach Hamburg gekommen, wohnten in Containern wie viele andere Flüchtlinge im Moment auch und wurden von Rosemarie Lehmann liebevoll empfangen. Obwohl die Vagharshaks damals kein Deutsch sprachen, war Vertrauen da.

Kurzerhand überließ Frau Lehmann der Familie und deren kleinen Sohn Vahagn damals drei Monate lang ihre Wohnung, während sie zur Kur war. Ihren Mut, fremden Menschen die Wohnung zu überlassen, erklärt sie so: „Wir haben nur mit Mimik kommuniziert. Das war so intensiv, dass wir in die Herzen geschaut haben.“ Die Freundschaft besteht immer noch. Dann sind da noch Satish Mourya Mahoi aus Indien und das Ehepaar Ashraf-Nobori aus dem Iran, aktueller und früherer Besitzer des Maharani.

Dumisani Mabaso aus Soweto, Südafrika, hat Frau Lehmann vor 20 Jahren auf einer Geburtstagsfeier kennengelernt. Lange Zeit waren sie beide aktiv im Kampf gegen die Apartheid in Mabasos Heimat. Genau wie Familie Vagharshak aus Armenien ist auch Mabaso aus politischen Gründen nach Deutschland gekommen und geblieben, weil er hier die Liebe gefunden und eine Familie gegründet hat. Immer noch treffen sich Frau Lehmann und ihr afrikanischer Freund auf den Konzerten seiner Band Dube. Dube bedeutet in seiner Sprache „Zebra“ und steht als Symbol für eine Welt, in der Menschen aller Hautfarben und Religionen in Frieden zusammenleben. So wie bei Rosemarie Lehmann auch.