„Grindel leuchtet“

Anwohner erinnern mit Kerzen an ermordete Juden

Anwohner gedenken der NS-Opfer

Anwohner des Grindelviertels stellten Kerzen neben die Stolpersteine, die an die ehemaligen jüdischen Bewohner erinnern. Am 9. November 1938 brannten Synagogen in ganz Deutschland.

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Am Sonnabend stellten Anwohner des Grindelviertels Kerzen neben die Stolpersteine, die an die ehemaligen jüdischen Bewohner erinnern. Am 9. November 1938 brannten Synagogen in ganz Deutschland.

Hamburg/Berlin. Zum 75. Jahrestag der Pogromnacht erinnern Anwohner des Grindelviertels in Hamburg am Sonnabend an die ermordeten Juden in diesem Viertel. Unter dem Motto www.grindelleuchtet.de stellten sie ab 16.30 Uhr Kerzen neben die Stolpersteine, die vor den Häusern auf die ehemaligen jüdischen Bewohner hinweisen.

Am 9. November 1938 brannten Synagogen in ganz Deutschland. Auch in Hamburg wurden jüdische Einrichtungen zerstört. Nur wenige Jahre nach den Pogromen wurden Tausende Juden aus der Hansestadt deportiert und von den Nazis ermordet. Die Stolpersteine, die in den vergangenen Jahren unter anderem im Hamburger Grindelviertel verlegt wurden, erinnern daran.

Berlin erinnert an Pogrome – Jauch putzt „Stolpersteine“

Zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome hat Berlin am Sonnabend der Opfer des NS-Terrors gedacht. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sowie der evangelische Landesbischof Markus Dröge und der katholische Erzbischof Rainer Maria Woelki gingen bei einem Schweigemarsch zum Gelände der Synagoge in Berlin-Mitte. Das Gebäude war am 9. November 1938 von den Nationalsozialisten in Brand gesetzt worden. In ihrem Grußworten erinnerten Wowereit und die Bischöfe an die NS-Opfer und warnten sowohl vor Antisemitismus als auch Rassismus.

Prominente wie Moderator Günther Jauch (57) und Sänger Max Raabe (50) würdigten mit einer besonderen Aktion die in der Stadt gelegten „Stolpersteine“. Sie erinnern an einzelne NS-Opfer. „Ein ganz wunderbares Projekt“, sagte Jauch über die kleinen Gedenktafeln. Bei der Putzaktion in Berlin-Schöneberg waren auch Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz, die Zeitzeugin Margot Friedländer und der Liedermacher Klaus Hoffmann mit dabei.

„Das ist das gute an diesen Steinen: Egal, wer da vorbeikommt, egal, wann man da vorbeikommt, die sind immer da und künden immer vom jüdischen Leben in Deutschland und künden von dem großen Verbrechen, das damals verübt wurde“, sagte Jauch. Er selbst griff zu Putzmittel und Lappen. Berlins Kulturstaatssekretär Andre Schmitz sagte, die „Stolpersteine“ erinnerten an Einzelschicksale und zeigten auch das Ausmaß der Verfolgung.

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 hatten Nationalsozialisten einen Großteil der mehr als 1200 Synagogen und jüdischen Gebetshäuser in Deutschland zerstört. Tausende andere jüdische Einrichtungen und Geschäfte wurden verwüstet und geplündert. Bei der Terrorwelle wurden nach Einschätzung von Historikern mehr als 1300 Menschen getötet und mehr als 30.000 Juden in Konzentrationslager verschleppt.