Asyl

Ein neues Zuhause für syrische Flüchtlinge in Eidelstedt

Heute kommen die ersten sieben syrischen Flüchtlinge an. Mitarbeiter der Sozialbehörde holen die Menschen vom Flughafen Hannover ab und bringen sie in ihr neues Zuhause. Nachbarn zeigen große Hilfsbereitschaft.

Hamburg Sie sind dem Krieg in ihrer Heimat entkommen: In Hamburg reisen heute die ersten sieben syrischen Flüchtlinge an, die im Rahmen der deutschlandweiten Aufnahmeaktion von der Bundesregierung aus der Krisenregion geholt werden und in der Hansestadt Zuflucht finden. Sie landen um 15.15Uhr am Flughafen in Hannover und werden dort von Mitarbeitern der Hamburger Sozialbehörde abgeholt. Die Hansestadt nimmt von dem Kontingent von 5000 Syrern, zu dem sich die Bundesrepublik verpflichtet hat, 128 Flüchtlinge auf.

„Wer abends Nachrichten über den Konflikt in Syrien schaut, weiß, dass wir den Menschen helfen müssen“, sagte Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) dem Abendblatt. „Ich bin deshalb froh, dass wir als weltoffene Stadt unseren Beitrag leisten können.“ Jetzt komme es darauf an, ihnen zu helfen, sich hier gut einzuleben. Dazu gehöre nicht nur das Erlernen der deutschen Sprache, sondern auch die Hilfe bei der Verarbeitung von Traumata.

Hamburg ist das einzige Bundesland, das die Flüchtlinge direkt vom Flughafen abholt – die Männer, Frauen und Kinder müssen somit nicht in das Erstaufnahmelager in Niedersachsen, wie die 107 syrischen Flüchtlinge, die im September in Deutschland ankamen. „Die Leidensgeschichte der syrischen Flüchtlinge verträgt keinen komplizierten Fluchtweg mit vielen Zwischenstationen“, sagt Scheele. „Wir bringen sie deshalb auf dem kürzesten Weg in ihr neues Zuhause.“ Die Neuankömmlinge erhalten eine auf zwei Jahre befristete Aufenthaltsgenehmigung, dürfen in Deutschland arbeiten und erhalten Sozialleistungen.

Untergebracht werden die sieben Flüchtlinge in Eidelstedt. Das städtische Unternehmen fördern&wohnen (f&w) hat dort insgesamt 20 Wohnungen in mehreren Gebäuden für rund 30 Menschen angemietet, zunächst bis zum 31.Juli 2015. „Vor Ort werden die Flüchtlinge nicht allein gelassen“, sagt Michael Drews, Mitarbeiter des Referats Integration von Zuwanderern in der Sozialbehörde. Sozialarbeiter des Flüchtlingszentrums und von f&w begleiten die Neuankömmlinge etwa bei Behördengängen, um Geldleistungen oder einen Kitaplatz zu beantragen. „Ein Sozialarbeiter von uns, der auch Arabisch spricht, wird regelmäßig vor Ort sein, bei Fragen des täglichen Lebens behilflich sein und jederzeit für die Flüchtlinge erreichbar sein“, sagt Christiane Schröder von f&w. Die Wohnungen der Flüchtlinge seien bereits mit Küchenzeile, Kühlschrank, Schrank, Bett, Tisch und Stuhl ausgestattet. Schröder: „Schließlich haben die Menschen hier erst mal nichts.“ Glücklich ist sie über die große Hilfsbereitschaft der Hamburger. „Wir haben bereits viele Spendenangebote.“

Um sich in der neuen Umgebung besser orientieren zu können, hat der Sozialbehördenmitarbeiter Michael Drews einen Mini-Stadtführer für Eidelstedt entworfen. In diesem hat er Einkaufsmöglichkeiten, aber auch Institutionen aufgelistet, die die Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglichen. „Sportvereine sind nach unserer Erfahrung ein beliebter Bezugspunkt bei den Flüchtlingen“, sagt Drews. Ebenso seien Kirchengemeinden für die Menschen sehr wichtig, unabhängig davon, welcher Religion sie angehören. Die Anwohner in Eidelstedt wissen bereits, dass die Bürgerkriegsflüchtlinge ihre neuen Nachbarn werden. „Es hat eine Infoveranstaltung gegeben, bei der die Bürger sehr positiv reagiert haben“, so Drews. Art und Ort der Unterbringung seien wichtig für eine funktionierende Integration, betont auch der Sozialsenator. „Wir wollen vermeiden, dass sich jemand einsam fühlt. Ich bin deshalb sehr glücklich darüber, dass wir für die ersten Flüchtlinge geeignete Wohnungen mit einer offenen und freundlichen Nachbarschaft gefunden haben.“

Ende Oktober kommen die nächsten syrischen Flüchtlinge nach Hamburg. Wie viele es sein werden, sei noch unklar, sagt Michael Drews. „Voraussichtlich werden sie auch in Eidelstedt untergebracht.“ Weiteren Neuankömmlingen wird in anderen Stadtteilen eine Unterkunft gestellt. Zudem reisen 36 der 128 Menschen selbstständig ein, 18 haben sich bereits gemeldet. Drews: „Verwandte ersten und zweiten Grades, die in Hamburg leben, haben Verpflichtungserklärungen abgegeben, durch die sichergestellt wird, dass die Flüchtlinge eine Bleibe haben und versorgt sind.“