Ernährung

Fleisch von hofeigenen Rindern ist voll im Trend

Dr. Ines Volquardsen kümmert sich mit Herzblut um die kleine Rinderherde, die zur Gärtnerei Sannmann gehört. Ihr Vater Thomas Sannmann hatte die Rinder einst angeschafft hat, um mit dem Mist den Kompost zu verbessern, als natürliche Düngung für die Demeter-Gärtnerei.

Dr. Ines Volquardsen kümmert sich mit Herzblut um die kleine Rinderherde, die zur Gärtnerei Sannmann gehört. Ihr Vater Thomas Sannmann hatte die Rinder einst angeschafft hat, um mit dem Mist den Kompost zu verbessern, als natürliche Düngung für die Demeter-Gärtnerei.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Die Zahl der Direktvermarkter in den Vier- und Marschlanden wächst. Wir sagen, wo Sie Fleisch aus der Region bekommen können.

Bergedorf. Rund 60 Kilogramm Fleisch und Wurst isst ein Mensch in Deutschland im Schnitt pro Jahr. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage ist die Tendenz leicht sinkend: 2010 waren es noch 68,9 Kilo. Der Fleischkonsum ist in der Diskussion – und das nicht erst in Zeiten der Corona-Pandemie. Die Kritik an den prekären Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen und die Debatte ums Tierwohl werden lauter. Wer trotzdem gern Fleisch isst und nicht darauf verzichten möchte, der findet in den Vier- und Marschlanden Alternativen, die fernab sind von Massentierhaltung.

Von seiner kleinen Rinderherde, zu der 24 Tiere zählen, wollte Gärtnermeister Thomas Sannmann vor allem eines, ihren Mist. Denn er wird in der Demeter-Gärtnerei zur Kompostherstellung eingesetzt und liefert damit natürlichen Dünger für die Gewächshäuser und Felder. Dr. Ines Volquardsen, hat die kleine Rinderherde nicht erst nach dem Tod ihres Vaters im Juli zu ihrem Herzensprojekt erklärt.

Von ihrem Wohnhaus aus hat die Tierärztin, die sich schon während ihres Studiums in Berlin und auch in ihrer Doktorarbeit intensiv mit Rindern und ihrer Fortpflanzung beschäftigt hat, die Herde auf der Weide immer gut im Blick.

Fleisch in Bio-Qualität und aus der Region immer beleibter

Damit die Herde nicht zu groß wird, werden pro Jahr ein bis zwei Tiere geschlachtet. In diesem Jahr sind es eine Hereford-Kuh und ein Limousin Weide-Ochse. Sie werden im Bio-Betrieb der „Elbtaler Hofmetzgerei“ in Büchen geschlachtet und im „dry-aged“-Verfahren abgehangen und gereift. Voraussichtlich in der zweiten Dezemberwoche können die vorbestellten Produkte in der Gärtnerei am Ochsenwerder Norderdeich 50 abgeholt werden

Natürlich reiche das Fleisch der zwei Rinder nicht aus, um die ganze Stadt zu versorgen, bleibt Dr. Ines Volquardsen realistisch. Aber für Menschen, die Wert auf die Herkunft und die Haltung der Tiere legen, die sie verzehren, könne es durchaus reizvoll sein.

Nachfrage mit dem Beginn der Pandemie weiter gestiegen

Mit der langsamen Aufzucht der Rinder entwickele sich eine besondere Fleischqualität: „Wenn die Tiere in Ruhe mit bestem Weidegras und Heu aufwachsen, wird das Fleisch zu einer Spezialität“, sagt Ines Volquardsen. Der Geschmack sei „nussig und aromatisch“ und kein Vergleich zu herkömmlichen Fleisch aus dem Supermarkt.

Die Veterinärin plant, die Direktvermarktung des Fleisches auszubauen. Ihre Idee: Rindfleisch-Produkte können vorbestellt werden. Geschlachtet wird das Tier dann aber erst, wenn das gesamte Rind abverkauft ist.

Hof Eggers in Kirchwerder setzt auch auf Bio

Auf Hof Eggers in Kirchwerder spürt Hof-Chef Henning Beeken, dass die Nachfrage nach dem hofeigenen Bio-Fleisch mit dem Beginn der Corona-Pandemie noch einmal stark zugenommen hat. „Das Thema Regionalität ist wichtiger geworden, die großen Schlachthöfe waren in der Kritik und die Menschen haben mehr zu Hause gekocht“, erklärt sich Beeken die Zunahme. Der Bio-Hof am Kirchwerder Mühlendamm 5 hat schon in den 1990er-Jahren mit der Direktvermarktung des hofeigenen Fleisches begonnen. Seit 2012 gibt es die regelmäßigen monatlichen Fleischverkäufe und die Möglichkeit, online vorzubestellen.

Tiere stehen fast das ganze Jahr über auf der Weide

Pro Monat werden zwei Rinder sowie drei bis vier Schweine in etwa 60 Kilometer Entfernung zum Hof, in der Schlachterei Schacht in Bad Oldesloe, geschlachtet. Die Rinder stammen immer aus der hofeigenen Herde, der etwa 100 Tiere angehören. Bio-Schweine werden selten zugekauft, wenn von den etwa 30 Tieren auf dem Hof gerade keins in der richtigen Größe sein sollte. Zudem gibt es etwa 200 Gänse auf dem Hof, die für Weihnachten vorbestellt werden können.

Neben diversen Bio-Fleischprodukten vom Rind wie Rumpsteak, Hackfleisch oder Beinscheiben und vom Schwein wie Spareribs, Haxe, Filet oder Karbonade bietet der Hof auch selbst gemachte Wurst. Das Fleisch wird online vorbestellt und kann dann an einem Sonnabend im Monat, 12 bis 16 Uhr, vom Hof abgeholt werden. Der nächste Termin ist im November. Internet: www.hof-eggers.de.

Hof Schmoldt bietet seit einem Jahr einen Fleischverkauf an

Der Hof Schmoldt in Altengamme ist vor fast genau einem Jahr wieder in die Direktvermarktung des hofeigenen Fleisch eingestiegen. Es war die richtige Entscheidung: „Der Fleischverkauf ist sehr gut angelaufen. Wir haben einen ausgeglichenen Kundenstamm, es gibt viele Kunden, die regelmäßig kaufen, aber jedes mal kommen auch neue Kunden dazu“, berichtet Alena Schmoldt, Ehefrau von Juniorchef Frederik Schmoldt.

Man merke den Kunden an, dass sie bewusster Fleisch kaufen: „Bei den Hofführungen, die wir zu jedem Termin anbieten, werden viele interessante Fragen gestellt“, berichtet Alena Schmoldt. Sie hat als Mitglied der Landfrauen die Weiterbildung zur „Büroagrarfachfrau“ absolviert und die Fleisch-Direktvermarktung des Familienbetriebs aufgebaut.

Mit dem Fleischverkauf wurde an eine Tradition angeknüpft, die es auf dem Hof am Gammer Weg / Ecke Horster Damm schon einmal gegeben hat: Mehr als 25 Jahre lange wurde dort einst Fleisch direkt vom Hof verkauft. Bis strengere staatliche Vorgaben das irgendwann unmöglich machten. Im vergangenen Jahr fand die Familie wieder einen Weg, um das Fleisch in Direktvermarktung anzubieten: Geschlachtet wird das Fleckvieh seitdem in einer kleinen Hofschlachterei bei Trittau.

Pro Monat werden im Durchschnitt zwei Rinder geschlachtet

Pro Monat werden zwei Rinder aus der durchschnittlich 180 Tiere großen Herde geschlachtet. Sie stehen die meiste Zeit des Jahres auf der Weide und nur im Winter im Stall. Verkauft werden ausschließlich Zehn-Kilo-Pakete für 135 Euro. Darin enthalten sind Rouladen, Hack, Steaks, oder auch Braten, Suppenfleisch, Beinscheiben und Gulasch. Die Pakete können zu festen Verkaufsterminen vorbestellt werden. Zur Grillsaison im nächsten Jahr soll es auch wieder Rinder-Grillwürstchen geben, die in diesem Jahr bereits sehr gut angekommen sind. Die Verkaufstermine für Fleisch werden jeweils auf der Internetseite des Hofes angekündigt: hof-schmoldt-altengamme.de.

Auf dem Rinderhof Puttfarcken in Allermöhe wird ein Rind pro Monat geschlachtet. Der Familienbetrieb am Allermöher Deich 317, der in dritter Generation geführt wird, bietet für den Hofverkauf feste Termine. Diverse Rindfleisch-Produkte wie Filetsteak, Schmorbraten, Hackfleisch oder Tafelspitz können vorbestellt werden.

Nächster Termin ist am Sonnabend, 17. Oktober, von 10 bis 13 Uhr. Kontakt online unter: www.rindfleisch-puttfarcken.de