Corona-Lockdown

Mit der Kamera unterwegs in einer menschenleeren Stadt

Ada-Verena Gass, ehemalige Journalistin aus Kirchwerder, fotografierte das menschenleere Hamburg – hier der Rathausmarkt – am 19. April.

Ada-Verena Gass, ehemalige Journalistin aus Kirchwerder, fotografierte das menschenleere Hamburg – hier der Rathausmarkt – am 19. April.

Foto: Ada-Verena Gass

Ada-Verena Gass aus Kirchwerder hält Hamburg am letzten Tag des Lockdowns in einer Broschüre fest. Einnahmen sollen nur Kosten decken.

Hamburg. Ada-Verena Gass aus Kirchwerder arbeitete 30 Jahre lang als freie Autorin und Redakteurin beim Norddeutschen Rundfunk. Nun genießt die 75-Jährige ihren Ruhestand. Doch auch in ihrer Freizeit greift sie noch gern zur Kamera. „Ich fotografiere viel. inzwischen habe ich 20.000 Bilder auf meinem Computer.“ Einige besondere hat sie nun hinzugefügt. Sie wurden am Sonntag, 19. April, in der Hamburger Innenstadt aufgenommen – dem letzten Tag der Mobilitätseinschränkungen (Corona-Lockdown). Die ehemalige Journalistin fotografierte menschenleere Plätze und Straßen dort, wo sich sonst die Massen schieben. Die 48 beeindruckendsten Bilder sind in einer Broschüre mit dem Titel „Hamburg pur“ zusammengefasst.

Zweieinhalb Stunden lang spazierte Ada-Verena Gass in der Mittagszeit mit ihrer Digitalkamera, einer Konica Minolta Dimage X50, durch die Innenstadt und fotografierte den Theodor-Heuss-Platz vor dem Dammtor-Bahnhof, den Gänsemarkt, Rathausmarkt, Mönckebergstraße, Glockengießerwall, Lombardsbrücke und Alsterglacis bei strahlend blauem Himmel. Auf vielen Bildern sind weder Fußgänger noch Radfahrer, Autos oder Busse zu sehen, auf anderen muss man lange suchen, um welche zu entdecken. „Die Sonne stand hoch am Himmel, sodass die Gebäude zart wirken.“

Foto-Tour durch Hamburg zu Lockdown-Zeiten

Die Fotografien sind in dem Büchlein im DIN-A5-Format in der Reihenfolge ihres Entstehens abgedruckt. „Mir war die Bildsprache wichtig, dass die Größe der Plätze zur Geltung kommt“, sagt Ada-Verena Gass. Sie habe „die Topografie der inneren Stadt, das Fundament ihrer Formensprache“ wiedergeben wollen, wie sie in der Vorbemerkung schreibt. „Sonst ist ja immer alles verdeckt von Fahrzeugen und Menschenmassen.“ Nur auf Lücken zwischen den vielen kurzgetakteten Gelenkbussen habe sie gelegentlich warten müssen. Oft zeigt die Fotografin Schuss und Gegenschuss, also Straßen oder Plätze aus beiden Richtungen.

„Ich hatte an dem Tag das Gefühl, das auch die wenigen anderen Menschen, die unterwegs waren, es genießen, dass so wenig los ist“, sagt die Fotografin.

Mit den Einnahmen bloß die Kosten decken

Eigentlich habe sie die Bilder nur für sich machen wollen. „Doch dann fiel mir ein Titel für das Projekt ein – ,Hamburg pur’. Da brauchte ich dann auch ein Produkt“, sagt die Seniorin und grinst. Das 47-Seiten-Büchlein ist aus dickem Papier, das für den Abdruck der Bilder besonders geeignet sei, betont Ada-Verena Gass. Von der ersten Auflage (100 Exemplare) ist bereits gut die Hälfte verkauft. Mit den Einnahmen möchte die 75-Jährige bloß ihre Kosten decken. „Schließlich betreibe ich das Projekt aus Spaß an der Freude.“

Wer ein Buch bestellen möchte, der schickt Ada-Verena Gass eine E-Mail an hamburg-pur@mein.gmx und überweist dann den Kaufpreis an die zugesandte Bankverbindung. Die Foto-Broschüre kostet 12 Euro inklusive Versand.