Bergedorf

Wenn der Busanschluss plötzlich nicht mehr passt

VHH Veränderung des Fahrplans erntet Kritik von Fahrgästen

Bergedorf.  Lenka Brodbeck war gerade ganz stolz, dass ihre beiden Söhne Lukas (8) und Philip (6) einen großen Schritt Richtung Selbstständigkeit gemacht haben: Jeden Mittag fuhren sie nach Schulschluss an der Grundschule Curslack-Neuengamme gemeinsam mit dem Bus nach Hause. Doch nachdem die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) im Dezember die Zeiten des Fahrplans angepasst haben, klappt das nicht mehr. Denn die Linie 227 fährt nun bereits um 13.15 Uhr am Odemanns Heck. Zu dem Zeitpunkt ist allerdings erst Schulschluss. Bis zum nächsten Bus müssten die Brüder bis 13.52 Uhr warten. Doch das will Lenka Brodbeck den beiden nicht zumuten: „Nun hole ich sie wieder jeden Mittag ab“, sagt die 32-Jährige. Und auch Söhnchen Henry (sechs Monate) muss dann immer mit.

Da im vergangenen Sommer die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf vielen Straßen im Landgebiet auf 50 Kilometer pro Stunde reduziert wurde, war es für die VHH erforderlich, die Fahrpläne in nahezu dem gesamten Bereich anzupassen. „Die Anbindungen an die Schulen wurden dabei berücksichtigt“, betont VHH-Sprecherin Christina Sluga. Im Fall der Grundschule Curslack verweist Sluga auf die Linie 323, die auf das Ende der Schulzeit abgestimmt ist und ebenfalls in Richtung Schleusendamm verkehrt.

Allerdings sind Lenka Brodbecks Kinder längst nicht die einzigen, die Probleme haben, sich auf den neuen Fahrplan einzustellen: Jugendliche aus dem Landgebiet, die in Bergedorf zu den weiterführenden Schulen gehen, müssen nun deutlich früher den Wecker stellen: Denn seit die Linie 227 morgens später startet, werden die Anschlüsse am Bahnhof Bergedorf knapp. Zwar verweisen die VHH darauf, dass die Linie 227 laut Plan den Bahnhof um 7.30 Uhr erreicht und weiterführende Busse zum Luisen-Gymnasium (7.34 Uhr) oder Stadtteilschule Bergedorf (7.35 Uhr) unverändert abfahren. In der Praxis hat sich allerdings gezeigt, dass die Umsteigezeit zu knapp ist: Nachdem Schüler mehrere Male den Anschlussbus verpassten und dadurch zu spät zum Unterricht kamen, müssen sie nun schon gegen 6.30 Uhr – und damit noch eine halbe Stunde früher – den Bus aus dem Landgebiet in Richtung Bergedorf nehmen.

Auch Fahrgäste aus Hamburg ins Landgebiet müssen Geduld beweisen, denn beim Umsteigen in Tiefstack von der S-Bahn 21 in den 120er-Bus wird es für die Fahrgäste häufig viel zu knapp. Die Umstiegszeit variiert je nach Wochentag und Tageszeit zwischen drei und sechs Minuten. „Das Ziel war hier einen attraktiven Anschluss mit kurzen Wartezeiten herzustellen. Leider zeigt sich in der Praxis, dass die S-Bahn häufiger verspätet ist, so dass der Anschluss in Gefahr ist. Hier werden wir die Fahrer noch einmal entsprechend sensibilisieren“, sagt Christina Sluga.

Die nächste reguläre Fahrplananpassung ist für Dezember 2018 geplant. Prinzipiell seien auch zwischendurch Änderungen von Fahrplänen möglich. „Man muss sich nur hier vor Augen führen, dass erneute Änderungen auch immer wieder etwas auslösen“, sagt Christina Sluga. Generell würden die VHH den Fahrgästen empfehlen, sich mit ihren Anschlusswünschen zwischen Bus und Bus auch an die Fahrer zu wenden, damit diese bei eventuellen Verspätungen über Funk gesichert werden können.