Schutzzone

Am Deich sollen 105 Häuser fallen

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Thomas Heyen

Foto: Thomas Heyen

Kirchwerder. Die Stadt will nach und nach Gebäude und Grundstücke in unmittelbarer Nähe zum Hauptdeich für die Deichsicherheit aufkaufen. Das Haus am Hower Hauptdeich 61 soll schon im Frühjahr abgerissen werden.

Die Stadt Hamburg kauft alle Grundstücke und Häuser, die sich im Sicherheitsbereich hinter dem Hauptdeich befinden. Im Katastrophenfall, bei einer schweren Sturmflut, können Bäume, Zäune oder Gebäude nahe am Deichfuß schuld an einer Zerstörung des Deiches sein und die Situation entscheidend verschlimmern.

Deshalb nutzt die Stadt ihr Vorkaufsrecht. Die erworbenen Bauten, die sich in dieser Sicherheitszone – bis zu zehn Meter vom Böschungsfuß entfernt – befinden, werden rigoros abgerissen.

Erstes Haus fällt im Frühjahr

Als nächstes soll das Haus am Hower Hauptdeich 61 mit Nebengebäude sowie Außenanlagen mit Stegel abgerissen werden. Dafür gibt es nun einen sogenannten Plangenehmigungsbescheid – ein wasserrechtliches Genehmigungsverfahren, wie es bei jedem Eingriff nahe dem Böschungsfuß des Deiches vorgeschrieben ist.

„Die Stadt hat das Haus bereits erworben. Der Abriss ist allerdings für das kommende Frühjahr geplant“, sagt Thomas Buß, Fachbereichsleiter „Planung und Entwurf Hochwasserschutz“ im Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG). Die Familie, die der Stadt das Haus verkauft hat, wird dort noch bis zum Jahresende wohnen, berichtet Buß.

Das von der 1992 abgerissenen „Kirchwärder Mühle“ stammende, blau angestrichene Schwungrad mit Kurbelwelle, das dekorativ vor dem Haus liegt, soll umgehoben werden. Buß: „Ein Standort wird derzeit gesucht.“

Auf 50 bis 60 Grundstücke sollen keine Häuser entstehen

Nach dem Abbruch will der LSBG die Binnenböschung aus Klei in 1,30 Meter Dicke und mit einer Neigung von 1:3 und die Stegel neu anlegen lassen. „Zur Herstellung der Deichgrundgrenze wurden etwa 150 Quadratmeter bereits von Privat erworben“, heißt es im Amtlichen Anzeiger.

Seit 1993, dem Start des Bauprogramms zur Deichverstärkung, wurden in den Vier- und Marschlanden 50 Gebäude nahe dem Böschungsfuß des Deiches abgerissen. 22 Gebäude stehen noch unmittelbar in der Deichböschung. Weitere 83 „streifen“ zumindest die Sicherheitszone. Doch auch diese Gebäude, von denen oft nur eine Hausecke zu nah am Böschungsfuß steht, sollen abgerissen werden.

Außerdem will die Stadt die 50 bis 60 unbebauten Grundstücke kaufen, die es entlang des Hauptdeichs gibt. So soll eine Bebauung in jedem Fall vermieden werden.

Die bereits genehmigten Pläne für das Haus am Hower Hauptdeich 61 werden noch bis zum 23. September öffentlich ausgelegt – im Zentrum für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt an der Wentorfer Straße 38a. Gegen den Plangenehmigungsbescheid kann binnen eines Monats Klage erhoben werden. „Einwände hat es aber zumindest in den 20 Jahren, die ich damit betraut bin, nie gegeben“, sagt Buß.