Einweihung

Ehrung eines mutigen Pastoren

Ochsenwerder. Das Neubaugebiet zwischen der Graumanntwiete und dem Ochsenwerder Landscheideweg liegt am Fritz-Schade-Weg - einer neuen Straße.

Zur "Einweihung" des Straßenschildes kamen gestern mehr als 60 Besucher - darunter viele Nachfahren des ehemaligen Pastors der Kirche St. Pankratius zu Ochsenwerder, nach dem der Weg benannt wurde. Fritz Schade setzte im Dritten Reich sein Leben aufs Spiel.

Schade soll KZ-Häftlinge in Neuengamme mit Kleidung versorgt haben. Seine Meinung zum Nationalsozialismus äußerte er auch in seinen Predigten. Das ist historisch belegt. "Mein Vater hat schon 1936 auf der Kanzel vor Goebbels gewarnt", sagt Gotthard Schade (69) und fügt hinzu: "Deshalb wurde er nur von einem Teil des Dorfes respektiert." Schade sagte damals Sätze wie "Unser Führer ist Jesus Christus". Der Dorfpolizist hörte den Predigten des mutigen Pastors deshalb besonders aufmerksam zu. Weil Fritz Schade sich weigerte, für den Reichsbischof zu beten, wurde er vom damaligen Hamburger Bischof Franz Tügel sogar abgemahnt. Trotzdem überlebte der Geistliche.

Gotthard Schade war gestern mit seinen Brüdern Georg (73) und Michael Schade (62) und seiner Schwester Mechthild Johnson (71) sowie rund 30 Enkeln und Urenkeln des 1972 verstorbenen Pastors nach Ochsenwerder gekommen. "Unsere Familie lebt größtenteils in Norddeutschland. Meine Schwester ist allerdings aus England angereist", sagt Gotthard Schade.

Das Wirken von Fritz Schade hat viele Spuren hinterlassen. Sein Sohn Georg wurde Diakon, Gotthard wählte den Beruf des Pastors. "Ich weiß von acht Menschen, die zur Zeit meines Vaters zur Kirchenjugend in Ochsenwerder gehörten und später selbst Kirchenvertreter wurden. Einer von ihnen ging sogar nach Rom", sagt Georg Schade.

Ein anderer zählte gestern zu den Gästen. Hans-Georg Schmidt, Pastor im Ruhestand und ehemaliger Leiter der Alsterdorfer Anstalten, war Konfirmand bei Fritz Schade. Schmidt erinnerte gestern in seiner Ansprache bei dem Empfang im Pastorat an den couragierten Mann, den er als "gebildeten Theologen" in guter Erinnerung hat.

Fritz Schade, geboren 1905 in Wandsbek, war zwischen 1932 und 1952 Pastor in Ochsenwerder. Von 1952 bis zu seinem Tod - auf der Kanzel, bei einer Predigt - arbeitete er als Pastor in Wandsbek.

Dass es heute einen Fritz-Schade-Weg gibt, ist dem Kirchenvorstand in Ochsenwerder zu verdanken. Dr. Kurt Schröder hatte im Archiv der Landeskirche die Personalakte von Fritz Schade erforscht und sich gemeinsam mit Rüdiger Schröder und Peter Burmester für den mutigen Pastor als Namensgeber eingesetzt. "Wir freuen uns sehr darüber, dass unser Vater nicht vergessen wurde", sagt Gotthard Schade.