Saisonende

Abschied vom Campingplatz

Ochsenwerder. Morgen, Sonntag, soll die Sonne noch mal viele Stunden scheinen. Im Laufe der Woche ist der Himmel meist bewölkt, wird es viel Regen geben.

Für die Dauer-Camper am Hohendeicher See sind dies die letzten Tage, die sie in der Natur genießen. Sie bauen bald die Vorzelte ab, machen ihre Wohnwagen winterfest und ziehen zurück in ihre "Zweitwohnungen".

Auf den Campingplätzen am Hohendeicher See in Ochsenwerder gibt es mehr als 1000 Parzellen. Dort leben im Sommerhalbjahr viele Senioren, die bereits seit Jahrzehnten campen, aber auch Familien mit Kindern und junge Ehepaare. Kirsten Bemmann (71) aus Harburg verbringt seit 29 Jahren die Sommer am Hohendeicher See. Seit dem Tod ihres Mannes vor fünf Jahren übernachtet sie allein in ihrem Wohnwagen am Ochsenwerder Elbdeich.

"Ich bin gelegentlich auf Hilfe angewiesen, etwa beim Schneiden der Hecke oder dem Abbau der Plane für das Pavillon-Zelt", sagt Bemmann und fügt hinzu: "Aber das ist nie ein Problem, denn meine Nachbarn sind sehr hilfsbereit. Wir kennen uns seit Jahren, unternehmen auch viel zusammen."

Gestern begann Kirsten Bemmann mit den ersten Arbeiten, um ihren Platz für den Winter fit zu machen. Unter anderem baute sie die Hollywoodschaukel zusammen und beförderte verblühte Chrysanthemen auf den Kompost. "Wertvolles und Flüssiges, das gefrieren kann, nehme ich mit nach Hause. Das ist sicherer", sagt Kirsten Bemmann.

Bei den Aufräumarbeiten ließ sich die Seniorin nicht aus der Ruhe bringen. Mit ihrer Freundin trank sie gestern erst einmal Kaffee im Vorzelt. Der Wohnwagen von Marion Jäckel (70) steht ganz in der Nähe. Die Wandsbekerin ist ebenfalls verwitwet. Dieses ist ihr letztes Wochenende in dieser Saison in Ochsenwerder - "leider, denn hier ist immer etwas los", sagt sie und fügt hinzu: "Aber zu Hause wird mein Bad renoviert, deshalb muss ich an den kommenden Wochenenden dort sein."

Ihre Freundin ist am kommenden Wochenende wieder in Ochsenwerder: "Dann stelle ich den Strom ab und hole die Gasflasche aus dem Wohnwagen. Das Wasser stellt der Verpächter ab", sagt Kirsten Bemmann. Nach der langen Campingsaison, die für die 71-Jährige im April mit Wochenend-Besuchen begann und dann zu Zwei-Wochen-Aufenthalten ausgeweitet wurde, will sie sich erst einmal erholen: "Ich reise für zwei Wochen nach Sizilien." Doch ihre Freundin Marion Jäckel und die anderen Camping-Nachbarn wird sie bald wieder sehen: "Wir treffen uns auch im Winter, gehen Essen oder ins Theater", sagt die 71-Jährige.

Benno Krüger (52) aus Berne würde am liebsten das ganze Jahr auf dem Campingplatz verbringen. "Leider geht das ja nicht, weil das Wasser abgestellt wird", sagt er. Doch so lange es möglich ist, bis Anfang Oktober, will er bleiben. Gemeinsam mit seiner Frau lebt er in einem Trailer, einem US-Wohnwagen mit 36 Quadratmetern Wohnfläche, Fußbodenheizung und Kingsize-Bett.

Inzwischen ist das Paar allein auf dem Platz. "Wir sind nun den dritten Sommer hier gewesen, waren auch schon Dauercamper an der Ostsee oder am Stover Elbstrand. Hier an diesem wundervollen See ist es am schönsten", sagt Krüger. Ihn fasziniert das Leben in der Natur "und dass wir trotzdem in 15 Minuten in der Innenstadt sind". Im Sommer fahren die Eheleute von ihrem Campingplatz aus zur Arbeit.

Wer unter die Camper gehen möchte, findet am Hohendeicher See diverse freie Parzellen. Im Durchschnitt werden etwa 500 Euro für Pacht und Wasseranschluss pro Sommerhalbjahr fällig. Auf den Campingplätzen werden auch diverse gebrauchte Wohnwagen zum Verkauf angeboten. Durchreisende, die ihren Wohnwagen nur für einige Nächte abstellen wollen, sind dort falsch. Die Campingplätze werden nur an Dauergäste verpachtet. "Einige Nächte hier zu zelten ist hingegen kein Problem", sagt Kirsten Bemmann. "Das geht mit Glück sogar kostenlos."