Gasthof

Otto Garbs zapft nur noch selten Bier

Foto: Thomas Heyen / Heyen

Ochsenwerder. Das Schild "Wegen Reichtum geschlossen" kam im Gasthof Neudorf früher noch regelmäßig zum Einsatz. Seit 2007 ist die Kneipe allerdings geschlossen. Das Spaß-Schild ist jetzt bei Facebook aufgetaucht und erinnert an die guten alten Zeiten.

„Wegen Reichtum geschlossen!“ Das rote Schild hatte Otto Garbs vor 20 Jahren häufiger im Fenster seines Gasthofs Neudorf stehen. „Daran konnten die Gäste erkennen, ob gerade geöffnet oder geschlossen ist“, sagt der 74-Jährige. Sicherheitshalber hatte er ein weiteres Schild parat: „Wegen Armut geöffnet!“ Peter Stut aus Ochsenwerder ruft die guten alten Zeiten in der Kneipe am Dorferbogen 42 nun in Erinnerung, indem er ein Schilder-Foto im Internet auf Facebook präsentiert.

„Ich hatte das ‚Geschlossen’-Schild zuletzt an Silvester im Fenster stehen, um zu unterstreichen, dass auch an dem Abend zu ist“, sagt Garbs. Dabei hatte er seinen Gasthof bereits 2007 geschlossen. Damals machte er wegen Krankheit dicht. Seitdem zapft der Senior nur noch selten Bier – etwa dienstags bei der Knobelrunde und einmal im Monat bei der Versammlung des „Korken-Clubs“.

1976 hatte Garbs die Gaststätte mit dem 120-Quadratmeter-Saal und Clubraum von seinen Eltern übernommen. Otto Garbs’ Vorfahren hatten die Kneipe 1837 eröffnet.

„In den goldenen Zeiten, in den 50er- und 60er-Jahren, gab es keinen einzigen Ruhetag“, sagt Otto Garbs. Damals haben seine Eltern Jonny und Magda Garbs die Gaststätte betrieben. „Da hat mein Vater von morgens bis abends Getränke ausgeschenkt.“ Der Gastronom erinnert sich an einen Preisskat: „Die haben vom Nachmittag bis zum Abend des nächsten Tages gezockt.“

Otto Garbs begann Ende der 50er-Jahre im elterlichen Geschäft mitzuarbeiten. „Damals gab es neben der Kneipe einen Kolonialwarenladen. Heute dient der Raum als Getränkelager“, sagt der 74-Jährige. Als junger Mann und gelernter Großhandelskaufmann war er für den Laden zuständig. „Bei großen Feiern habe ich natürlich mit ausgeholfen“, sagt er.

Das letzte große Familienfest wurde vor einem Jahr am Dorferbogen 42 gefeiert. Während Jonny und Magda Garbs mit Hilfe von Kochfrauen alles selbst organisierten, beschränkte sich ihr Sohn auf die bloße Vermietung des Saals. „Den Kolonialwarenladen hatte ich 1976 gleich geschlossen. Das war mir alles zu viel“, sagt Otto Garbs.

Seine große Leidenschaft ist die Blasmusik. Er spielt Trompete, Tenorhorn und Tuba. Außerdem dirigiert er den Musikzeug der Freiwilligen Feuerwehr Spadenland/Neudorf, der unter verschiedenen Namen auftritt. In seiner Gaststube bringt er Jägern das Jagdhornblasen bei. „Dadurch habe ich selbst wieder Lust auf dieses Instrument bekommen“, sagt Garbs. Außerdem spielt der 74-Jährige nach mehr als fünf Jahren wieder in einem Orchester mit: „Ich mache bei den Proben des Musikzuges der FF Reitbrook mit“, sagt er und lächelt.