NABU

Störche haben weniger Nachwuchs

Reitbrook. Die Brutsaison der Hamburger Weißstörche hatte so vielversprechend begonnen: 23 Paare waren im Frühjahr aus dem afrikanischen Winterquartier in die hanseatische Heimat zurückgekehrt.

In den beiden Vorjahren hatten sich jeweils 19 Paare in den Horsten eingerichtet. Umso enttäuschter sind die Experten vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) mit der diesjährigen Brutbilanz, die sie gestern auf dem Milchhof Reitbrook präsentierten: "Nur" insgesamt 37 Junge wurden in dieser Saison in Hamburg großgezogen.

Der überwiegende Teil, insgesamt 35 Jungstörche, schlüpfte in den Vier- und Marschlanden, die anderen in einem Harburger Horst. Das Rekordergebnis vom vergangenen Jahr, in dem 46 Junge flügge wurden, konnte trotz mehr niedergelassenen Storchenpaaren nicht gehalten werden. Auch 2010 hatten 19 Altstörche mit 41 Jungen noch mehr Nachwuchs ausgebrütet.

Dass von den 23 Paaren nur 15 erfolgreich brüteten, habe vor allem an den widrigen Wetterbedingungen in diesem Jahr gelegen, sagte der Storchenbeauftragte des Nabu, Jürgen Pelch.

Durch die extrem kalten Temperaturen im zweistelligen Minusbereich im Februar kamen einige Störche erst verspätet im März oder April in Hamburg an und haben keine Brut mehr begonnen. Zudem gab es nicht genug Nahrung, um Junge großzuziehen, da ein Teil der Frösche, Nattern und Mäuse ebenfalls dem Frost zum Opfer fiel. Erschwerend komme laut Pelch noch hinzu, dass immer mehr Grünflächen im Hamburger Umland bebaut oder in Maisfelder umgewandelt werden, die Nahrungssuche dadurch sowieso immer schwieriger wird. "Ich warne schon seit Jahren immer wieder vor dem Lebensraumverlust der Störche", sagte der 65-Jährige.

Der Mensch bedroht die Existenz der Störche aber nicht nur durch die Vernichtung ihres Lebensraumes: Durch die Renovierung eines Nachbarhauses wurde ein Storchenpaar in einem weiteren Horst in Reitbrook beim Brüten gestört, alle acht Eier starben ab. Zudem wurde ein Storch auf der Autobahn in Harburg überfahren, was dort ebenfalls das Ende der Brut bedeutete. Der Schirmherr des Nabu-Storchenschutzes, Rüdiger Wolff ruft deswegen intensiv zum Vogelschutz auf: "Es ist nicht selbstverständlich, dass in einer Weltstadt wie Hamburg Störche beheimatet sind. Darauf sollten wir stolz sein", sagte er.