Vierlanden-Triathlon

Aus dem Acker gestemmt

Ochsenwerder. Bei 16,5 Grad Wassertemperatur stürzten sich 1000 Teilnehmer beim 17. Vierlanden-Triathlon in den Hohendeicher See. Größer als der Wettbewerb der TSG Bergedorf ist in Norddeutschland nur der Hamburg City Man auf der Alster.

Wenn die Radfahrer beim 17. Vierlanden-Triathlon die Wendemarke erreichen, überschlagen sich die Anfeuerungsrufe. "Gas, Simon, Gas", "Los, Matthias", "Sauber, Dominik", versuchen die Zuschauer, die letzten Kraftreserven ihres jeweiligen Favoriten zu mobilisieren.


Flemming Mulbjerg aus Stove hat sein Rennrad bereits wieder in der Wechselzone abgestellt. Damit ist das Tagwerk des Inhabers vom Bergedorfer Sofahus auch schon erfüllt. Denn der 55-Jährige ist mit seiner Frau Gabi und Schwiegersohn Wolfgang Klammer im Staffelwettbewerb - dabei absolviert jeder Athlet eine Disziplin des Sportdreikampfs - über die olympische Distanz gestartet. "Alleine würde ich bis zum Radfahren gar nicht erst kommen. Ich würde vorher ersaufen", scherzt Flemming Mulbjerg.

Seine Frau brauchte 41:48 Minuten für die 1500 Meter im 16,5 Grad warmen Wasser des Hohendeicher Sees. Damit machte sie dem Teamnamen ("Schön langsam") alle Ehre. Sie übergab bei ihrer Wettkampfpremiere nämlich als 18. und letzte in ihrem Wettbewerb den Transponder an ihren Mann. Der norddeutsche Meister im Einzelzeitfahren der Über-50-Jährigen wiederum legte in 58:40 Minuten die schnellste Zeit über die 40 Kilometer hin. Als Läufer Klammer nach zehn weiteren Kilometern (47:31 min) das Ziel erreichte, war das Trio Zehnter. "Das ist eine schöne Veranstaltung, kann ich jedem empfehlen", sagte Flemming Mulbjerg und ging erst einmal ein Bier trinken.

Szenenwechsel. Beim Verpflegungsstand für die Läufer füllen die Helfer der Tri-Bandits, der ausrichtenden Triathlonabteilung der TSG Bergedorf, pausenlos Getränke ab. Wasser, Cola oder einen isotonischen Drink reichen sie den insgesamt 1000 Teilnehmern an. Mindestens genauso viele leere Pappbecher, von den Athleten weggeworfen, säumen den Streckenrand. "Wir stemmen hier für einen Tag die zweitgrößte Veranstaltung Norddeutschlands aus dem Acker", sagt Organisator und TSG-Triathlon-Abteilungsleiter Klaus-Dieter Stein.

Ein paar Meter weiter im Zielbereich steht Markus Voßel (FC St. Pauli) mit einem riesigen Pflaster an Kinn und Hals. Beim Radfahren war ihm eine Pedale abgebrochen, daraufhin hatte er sich überschlagen und musste mit Schürfwunden und Prellungen aufgeben. Unfälle dieser Art mussten die 60 Helfer von DLRG und technischem Hilfswerk einige behandeln. Am schlimmsten erwischte es einen anderen Radfahrer: Schlüsselbeinbruch.

Die Glücklichen, die es ohne Blessur ins Ziel geschafft haben, werden derweil von weiteren Helfern mit Ananas- oder Melonenstücken, Bananen und Getränken aufgepäppelt. Die Strapazen sind einigen Teilnehmern anzusehen. Manche gehen wie auf rohen Eiern, andere sind von Krämpfen geplagt. Dennoch gehen die meisten glücklich, wie auch das Team "Schön langsam", nach Hause.