Curslacker Abendmusik

Sehnsucht, Träume und Trost

Curslack (voe). Fast mochte man nach der Befindlichkeit seines rechten Zeigefingers fragen. Für sein Gitarrenspiel verwandte Michael Raeder nämlich kein Plektrum.

Der Verzicht auf das Kunststoffteilchen, mit dem sonst die Saiten angeschlagen werden, war deshalb so bemerkenswert, weil der Niedersachse während seines einstündigen Konzertes in der Curslacker St.-Johannis-Kirche vorwiegend Schlagtechniken anwandte - er zupfte sein Instrument so gut wie gar nicht. Gebannt hörten die Gäste der Reihe "Curslacker Abendmusik" zu.

Raeder, der Romantiker, der Träumer, der Tröster, nahm sie mit auf Stippvisiten in sein Leben. In melancholisch-verträumten Melodien erzählte der 49-Jährige von der Liebe zu seiner Frau und seinen Kindern. Er schwärmte vom Sonnenaufgang auf dem Mosesberg, heiterte seinen unglücklichen Freund Thomas auf und erinnerte an musikalische Vorbilder. So verwandelte der Songpoet etwa das schmissige "Solsbury Hill" von Peter Gabriel in eine andächtig-sehnsüchtige Ballade.

Raeder sang vorwiegend auf Englisch. Er erinnerte mit seiner Stimme und seinem Akzent ein wenig an Hannes Wader. Mit "Most of all" präsentierte er sein bisher bekanntestes Lied - eine Auskopplung aus seinem Album "Solo".

Die nächste "Curslacker Abendmusik" ist für Sonnabend, 7. April, geplant. Dann erklingt am Curslacker Deich 142 ab 19 Uhr österliche Musik mit dem A-cappella-Vokalensemble Newa-Wolga, das alte Manuskripte und Partituren russischer Mönche und professioneller Komponisten des 19. Jahrhunderts vertont. Mehr Informationen zum gesamten Programm gibt es im Internet unter www.curslacker-abendmusik.de .