Serien-Start

Viele Kinder, wenige Straftaten

Bergedorf. Mit einer Größe von 15.475 Hektar verfügt der Bezirk Bergedorf über die meiste Fläche aller sieben Hamburger Bezirke. Andererseits stellt Bergedorf mit seinen 120.328 Einwohnern den bevölkerungsärmsten Bezirk.

So kommen im Südosten Hamburgs lediglich acht Einwohner auf einen Hektar, während sich im Bezirk Eimsbüttel 51 Menschen diese Fläche teilen müssen. Maßgeblichen Anteil an diesem großzügigen Platzangebot haben die Vier- und Marschlande. Sie nehmen mit ihren elf Stadtteilen mehr als 80 Prozent der Fläche des Bezirkes ein, stellen aber lediglich ein knappes Viertel – gut 27.000 – der Bevölkerung.

Bereits zum 15. Mal veröffentlichte das Statistikamt Nord die „Hamburger Stadtteil-Profile“ – so auch für das Jahr 2011. Wie gewohnt bietet diese Veröffentlichung eine Zusammenstellung von soziodemografischen Merkmalen für Hamburger Stadtteile, Bezirke und ausgewählte Quartiere. Schon die Übersichtskarten auf den ersten der insgesamt 256 Seiten machen deutlich: Die Vier- und Marschlande unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht nicht nur vom Rest des Bezirks Bergedorf, sondern auch von den anderen Hamburger Stadtteilen.

Der am dünnsten besiedelte Stadtteil ist Reitbrook mit nur 486 Einwohnern. Dagegen mutet Kirchwerder mit seinen 9072 Bewohnern schon fast kleinstädtisch an. Der Anteil der Ausländer an der Bevölkerung beträgt im Landesdurchschnitt 13,6 Prozent. Das Gros der Vier- und Marschlande weist jedoch nur einen Anteil um die zwei Prozent auf. Allermöhe fällt dabei mit 16 Prozent völlig aus dem Rahmen. Das liegt daran, dass das Quartier Neuallermöhe-West bislang dem Stadtteil Allermöhe zugerechnet wurde. Zwar sind Neuallermöhe-Ost und -West seit Anfang 2011 zum eigenständigen Stadtteil Neuallermöhe verschmolzen, die Zahlen für die Statistik basieren aber auf 2010. Auch Curslack und Billwerder weisen einen vergleichsweise hohen Ausländeranteil auf: 13,2 beziehungsweise 11,0 Prozent.

Bei den Haushalten mit Kindern liegen die Vier- und Marschlande hingegen weit über dem Landesdurchschnitt von 17,5 Prozent. In acht Stadtteilen gibt es 23 Prozent und mehr Haushalte mit Kindern. Nur Billwerder, Reitbrook und Ochsenwerder liegen darunter. Da ist es nur folgerichtig, dass die Zahl der Einpersonen-Haushalte im Vergleich gering ist. Ihr Anteil beträgt weniger als 42 Prozent, während der Landesdurchschnitt 53,1 Prozent ausmacht. Wo viel Fläche ist, wird auch großzügig gebaut. Entsprechend hat fast jeder Vier- und Marschländer 41 Quadratmeter und mehr Wohnfläche zur Verfügung. In puncto Arbeitslosigkeit und Straftaten gleicht das Landgebiet einem weißen Fleck auf der Landkarte. Beide Quoten sind verschwindend gering.

Was sich sonst noch hinter dem Zahlenwerk des Statistikamtes Nord verbirgt, zeigen wir in unserer Serie auf. Jeden Mittwoch stellen wir einen der elf Stadtteile der Vier- und Marschlande vor – mit all’ seinen statistischen Besonderheiten.