Rieges Gasthof

Konzepte in der Warteschleife

Ochsenwerder. Noch in diesem Frühjahr soll eine Entscheidung zur Zukunft von "Rieges Gasthof" fallen. Das Signal aus Hamburg stimmt optimistisch - wäre die Vorgeschichte nicht so düster. Denn allzu oft wurde in der Vergangenheit schon über eine greifbar nahe Lösung frohlockt, die dann doch wieder verpuffte.

Auf unsere Nachfrage erklärt Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde, dass die Stadt "über unseren Dienstleister, die Sprinkenhof AG, mit der Initiative im Gespräch über das vorgelegte Konzept ist". Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen: "Wir hoffen, dass dies aber noch im Frühjahr geschehen kann." Schließlich sei bei "allen Konzeptideen zu bedenken, dass ein erheblicher Sanierungsbedarf bei der Immobilie besteht".

Die Stellungnahme aus Hamburg sorgt bei der Initiative, dem Verein "Unser Dorf erhalten", für Erstaunen. Nicht, dass der erhebliche Sanierungsbedarf den Mitgliedern neu wäre. Im Gegenteil. Genau diese Problematik hatten sie mit ihrem Konzeptvorschlag thematisiert. Erstaunen löst vielmehr die Information aus, dass die Sprinkenhof AG mit der Initiative im Gespräch sei. "Wir hatten der Sprinkenhof AG und dem Bezirksamt Bergedorf am 1. Februar 2011 ein Konzept zur möglichen weiteren Nutzung geschickt. Bis heute haben wir weder mündlich noch schriftlich eine Antwort erhalten", sagt Manfred Seevers vom Verein "Unser Dorf erhalten".

Wie es aussieht, hat das Thema bei der Behörde und Sprinkenhof AG keinen Stellenwert. Nicht nur das Konzept des Vereins für ein "Veranstaltungszentrum" schmort in den Schubladen. Ochsenwerders Kirchenvorstandsvorsitzender Peter Burmester weiß zudem von einem auswärtigen Interessenten, der die Fassade, den Saal und Kneipe von "Rieges Gasthof" erhalten will, das Gebäude ansonsten vollständig entkernen möchte. Auch er höre aus Hamburg nichts. So rückt die letzte Alternative für den Gasthof, der schon seit 1998 leer steht, immer näher: ein kompletter Abriss.

Dabei hat sich der Verein "Unser Dorf erhalten" kluge Gedanken über eine Vermietung an ihn im "Erhaltungsbetrieb" beziehungsweise im "Erneuerungsbetrieb" gemacht. Was machbar ist, sei eine Frage des Geldes, das der Verein über Weitervermietungen an interessierte Veranstalter hereinbekommen will. Seine Gegenrechnung von Betriebkosten und Erträgen bei etwa 20 Veranstaltungen im Jahr lässt auf ein kleines Plus hoffen. "Es wäre also möglich, eine kostendeckende Vermarktung der Anlage sicherzustellen und darüber hinaus einen geringen Anteil zur Sanierung zu erwirtschaften", stellt Seevers fest.

Allerdings haben sich die Bedingungen in den letzten Monaten nicht eben verbessert, zerfällt der Gasthof zusehends. Regelmäßige Nutzer sind nur die Mitglieder der SCVM-Gruppe "Theater 99". Sie proben im unteren Bereich der Immobilie, die der Verein schon vor Jahren ordentlich hergerichtet hatte. Allerdings müssen sie neuerdings auf die sanitären Anlagen der Kirchengemeinde ausweichen. Denn in "Rieges Gasthof" wurde das Wasser abgestellt. Das hängt offenbar mit dem Anschluss an das Druckwassersiel zusammen, für den viele Ochsenwerder Anlieger tief in die Tasche greifen mussten. Für "Rieges Gasthof" kommen dafür nach Einschätzung von Seevers etwa 30 000 Euro Gebühren zusammen. Eine Summe, die der Verein unmöglich aufbringen könnte. Und so setzt er in seinem Konzept für einen uneingeschränkten Betrieb von "Rieges Gasthof" als Veranstaltungszentrum die Dichtheit der Immobilie und den Anschluss an das Drucksiel voraus.

Seevers, der sich sowohl im Verein "Unser Dorf erhalten" als auch bei der Ochsenwerder Schützengemeinschaft als Vorsitzender engagiert, sieht der Entscheidung der Stadt gelassen entgegen. Zumindest ist die Schützenhalle gegenüber von "Rieges Gasthof", anders als in früheren Zeiten, nicht mehr in Gefahr. Sie fällt als Sportstätte in die Zuständigkeit des Sportamts und steht nicht zur Diskussion.