Stadtplanung

Mehr Leben "zwischen den Elben"

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Wiebke Schwirten

Ochsenwerder. Als Horrorvision ist ihnen Altenwerder vor Augen, den Mitgliedern der Initiative "Unser Dorf entwickeln": eine einsame Kirche inmitten industrieller Einöde. So weit darf es in Ochsenwerder nie kommen.

Deshalb macht sich die Initiative Gedanken über die Zukunft des Dorfes, das so viel zu bieten hat - und es sowenig nutzt.

Derzeit schlummert Ochsenwerder, rottet "Riege's Gasthof" vor sich hin, belebt kaum etwas die Dorfmitte, mangelt es an Einkaufsmöglichkeiten und Treffpunkten. "Wir haben gemeinsam mit Architekten ein Konzept entworfen, wie Ochsenwerder attraktiver werden könnte", erklärt Rainer Deutschmann von der Initiative, der selbst Bauingenieur ist. Dabei werde nicht einfach so vor sich hingeplant, sei die Verwaltung und Stadtplanung in Bergedorf miteinbezogen. Dennoch sind die Entwürfe nicht in Stein gemeißelt, sondern sollen als Anregung dienen, nicht tatenlos zu bleiben.

Der Vorschlag der Initiative bezieht sich auf Ochsenwerder "zwischen den Elben" (Dove- und Norderelbe), mit den Achsen Elversweg/ Ochsenwerder Kirchendeich und Ochsenwerder Landscheideweg/Ochsenwerder Landstraße. Eine natürliche Verbindung zwischen den Elben sei durch einen Reit- Wanderweg vorstellbar, der unter anderem auch zu dem attraktiven Wasserbiotopen führt.

Weiter stellen sich die Plane drei Mittelzentren vor: ein historisches Zentrum um die Kirche und "Riege's Gasthof" herum, eine wirtschaftliche Mitte in Höhe Haspa und Annenhof und eine soziale Mitte bei der Schule. Jedes Zentrum könne nach und nach und behutsam ausgebaut werden. Vorstellbar sei die Ansiedlung der Schützen im Bereich der Schule, gegenüber eine moderate Bebauung, "an den Rändern des Landschaftsfensters, wie zwei Achsen, die dem Fenster Halt geben", erklärt Rüdiger-Horst Bambach von der Initiative. Die wirtschaftliche Mitte könnte entscheidend durch die Realisierung "Bebauung des Kirchenland" zwischen Graumanntwiete und Ochsenwerder Landscheideweg vorangetrieben werden. Ein "vorhabenbezogener Bebauungsplan", der eine Wohnbebauung vorsieht, würde auch von politischer Seite - SPD, CDU und FDP - unterstützt. Dabei müsse auch das angrenzende, in privater Hand befindliche Gelände als Bauerwartungsland in die Zukunftsplanung miteinbezogen werden.

Die historische Mitte hänge wesentlich von der künftigen Nutzung von "Riege's Gasthof" ab, ein Objekt, das der Initiative besonders am Herzen liegt. "Hier wäre eine Hotelanlage denkbar", sagt Rainer Deutschmann. 40 Zimmer würden sich rechnen, dazu der Gasthof mit Festsaal, die Einrichtung von Tagungsräumen. In mehreren Bauabschnitten könnten weitere Gebäude entstehen, dabei zum Beispiel auch Wellnessangebote miteinbezogen werden. Sechs Millionen Euro, so schätzt Deutschmann, müsste ein Investor locker machen.

Inwieweit die Ideen realisierbar sind, hängt unter anderem von privaten Grundstücksbesitzern ab und von dem Willen der Bevölkerung. "Wir machen den Anfang, stellen ein räumliches Leitbild dar, damit wir Menschen überzeugen können, die Entwicklung des Dorfes voranzutreiben", begründet Deutschmann die umfassenden Vorplanungen. Ochsenwerder dürfe weder Schlafdorf noch Gewerbewüste werden. Auch Spadenland und Tatenberg müssten bei der dörflichen Zukunftsplanung miteinbezogen werden.

"Wird ein Konzept erst einmal von allen getragen, dann werden daraus auch konkrete Projekte", sagt Bambach. Und das bedeutet Zukunft.