Vierlandria

Seit 66 Jahren mit Leib und Seele Geflügelzüchter

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Kirchwerder (hy). Schon in den 1940er-Jahren war Karl Witten von der Geflügelzucht fasziniert. "Unser damaliger Nachbar züchtete weiße amerikanische Leghorn-Hühner. Ich habe den Nachbarn besser kennengelernt, weil wir bei Fliegeralarm mit in seinem Luftschutzkeller saßen.

Sein Hobby, dass Züchten, fand ich von Anfang an sehr spannend", sagt der Kirchwerderaner. Im Alter von sieben Jahren, mitten im Zweiten Weltkrieg, besaß Witten schließlich seine ersten eigenen Hühner und auch Tauben. 1948, im Alter von 13 Jahren, trat der Kirchwerderaner in den Geflügelzuchtverein Vierlandria ein. Seit damals hat seine Begeisterung für Geflügelzucht nie nachgelassen. Der Verein Vierlandria ehrte den 73-Jährigen, der seit 1982 die Finanzen betreut, nun für dessen 60-jährige Vereinszugehörigkeit.

"Du bist der wichtigste Mann in unserem Verein", sagte der Vierlandria-Vorsitzende Jürgen Bornhöft bei der Ehrung während der monatlichen Versammlung der Züchter in "Kücken's Gasthof" zu dem 73-Jährigen. Schließlich sei Witten bereits in den Verein eingetreten, als der jetzige Vorsitzende noch nicht einmal auf der Welt war, betonte Bornhöft schmunzelnd. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Claus Meyer und Schriftführer Uwe Rosseburg überreichte Bornhöft dem "dienstältesten" Vereinsmitglied im Namen der kompletten Vierlandria-Mannschaft (mehr als 60 Mitglieder) einen Präsentkorb.

Seine erste Ausstellung bestritt Karl Witten bereits 1948, "gleich nachdem ich Vierlan-dria-Mitglied geworden war". Damals präsentierte er seine Rasse-Tiere in Zollenspieker, im ehemaligen Gasthof "Bossohof", nahe dem Fährhaus. In den folgenden Jahrzehnten heimste er etliche Preise ein, "so ziemlich alle Haupt- und Trostpreise, die es gibt", sagt Witten schmunzelnd.

Bei Ausstellungen in Nürnberg, Dortmund, Frankfurt und anderen großen deutschen Städten heimsten die Hühner, Tauben und zeitweise auch Enten des Züchters aus Kirchwerder für ihre makellose Form, Kamm und Federn bedeutende Wanderpokale ein, in den 80er-Jahren wurde er gleich dreimal Vereinsmeister. 1971 feierte Witten seinen größten Triumph: Damals wurde er für seine prächtigen Leghorn-Hühner mit dem "Blauen Band von Hannover" belohnt - für Geflügelzüchter die Auszeichnung schlechthin.

"Jetzt bin ich nicht mehr so fanatisch", sagt Witten, der sich inzwischen auf Ausstellungen in der Region beschränkt. In seinem Garten am Kirchwerder Hausdeich hält er in Volieren rund 40 Rasse-Hühner und 80 Tauben.

Der Witwer, der mehr als vier Jahrzehnte lang für die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein als Busfahrer in Bergedorf und Umgebung hinterm Steuer saß, zahlt für Futter und Pflege seiner Tiere etwa 100 Euro im Monat. "Viel verdienen ließ sich mit der Zucht leider nie - aber darum ging es mir auch nicht. Ich mag die Tiere gern, fand es immer reizvoll, mit ihnen Ausstellungen besuchen und Preise gewinnen zu können", sagt Witten. Was er neben seinem Zucht-Hobby noch gern tut? "Wandern in Berchtesgaden, im September - dann sind die Jungtiere groß."