Untersuchungshaftanstalt

Curslackerin wandert jede Woche hinter Gitter

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Thomas Heyen

Curslack/Hamburg. Menschen, die im Gefängnis sitzen, liegen Ulrike Haeselich am Herzen. Sie besucht jede Woche inhaftierte Männer und Frauen im Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis. "Ich möchte ihnen ihre triste Zeit etwas erleichtern", sagt die Curslackerin.

Die 69-Jährige besucht die Gefangenen im Auftrag des Hamburger Fürsorgevereins von 1948, für den sie seit zwei Jahren arbeitet. Auf ihre Besuche wurde sie über Monate in Seminaren vorbereitet.

"Ich bin seit 1999 im Ruhestand und habe keine Lust, nur auf dem Sofa zu sitzen", sagt Ulrike Haeselich. Anfangs habe sie für die Awo alte Menschen besucht, "nebenbei" engagiert sich die ehemalige Speditionskauffrau und Betriebsratsvorsitzende als "Grüne Dame" im Marienkrankenhaus. Über eine Ehrenamt-Börse habe sie von der Gefangenenbetreuung erfahren. "Diese Arbeit hat mich sofort angesprochen."

Im Untersuchungsgefängnis trifft die Curslackerin im wöchentlichen Wechsel weibliche und männliche Gefangene, immer in Gruppen von bis zu 14 Inhaftierten, die jeweils von zwei bis vier Ehrenamtlichen besucht werden. "Unter den Frauen sind viele junge Drogensüchtige. Bei den Männern gibt es auch ältere Häftlinge", sagt Ulrike Haeselich. Etwa die Hälfte der Inhaftierten sind Deutsche.

Weshalb die Gefangenen, zu denen auch mutmaßliche Mörder, Vergewaltiger und andere Schwerstkriminelle zählen, in U-Haft sind, wissen die Seniorin und ihre ehrenamtlichen Kollegen nicht. "Deshalb sind wir unvoreingenommen", sagt Ulrike Haeselich. Die meisten Gefangenen würden auch nicht über ihre Vergangenheit sprechen, sagt sie. "Ein Mann berichtete mir aber mal, er sei spielsüchtig und habe deshalb seine Bank betrogen."

Bei den zweistündigen Treffen erzählen die Gefangenen, die sich den Besuchern nur mit Vornamen vorstellen, eher von ihren Familien, ihren Kindern und ihren Sorgen. Der Umgang miteinander sei sehr freundlich, manchmal - wenn es schon zu vielen Begegnungen gekommen ist - sogar freundschaftlich. "Ich frage mich oft, wieso diese Menschen auf die schiefe Bahn geraten sind. Denn sie wurden ja nicht als Verbrecher geboren."

Der Verein ist auch in anderen Hamburger Gefängnissen präsent, bereitet die Gefangenen auf ihre Entlassung vor und betreut sie auch außerhalb der Gefängnismauern.

"Für die Gefangenen sind unsere Besuche immer etwas Besonderes. Streit gibt es höchstens mal unter den inhaftierten Frauen. Zu den Besuchern sind sie freundlich."