Interview

"Primarschule - das wird schwierig"

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Bergedorf. Arne Dornquast, Dezernent für Wirtschaft, Bauen und Umwelt, übernahm im Dezember 2007 zusätzlich die Aufgaben des Regionalbeauftragten für die Vier- und Marschlande.

Unsere Redakteurin Jule Monika Witt sprach mit dem 44-Jährigen über Themen, die im Landgebiet eine wichtige Rolle spielen.

Erst einmal ein Lob, Herr Dornquast, mit dem Platt schnacken hat es ja schon gut geklappt in der Dezember-Sitzung des Regionalausschusses. Haben Sie heimlich geübt?

Arne Dornquast: Ich bin Hamburger.

Wo aufgewachsen?

In Horn. Von daher muss ich mich nicht total verbiegen, wenn ich versuche, Platt zu sprechen. Wie wohl jedem Hamburger sind auch mir die typischen plattdeutschen Schnacks geläufig. Im vergangenen Jahr hatte ich es vergleichsweise leicht, konnte alles mit "Jo", "Nee" oder "Mok wi" beantworten. In diesem Jahr war das anders, da musste ich ja richtig ausholen - eine echte Herausforderung.

Die Sie aber gut gemeistert haben.

Danke.

Sie sind jetzt seit gut einem Jahr Regionalbeauftragter für die Vier- und Marschlande und "ganz nebenbei" auch noch Dezernent für Wirtschaft, Bauen und Umwelt. Inwieweit hat sich Ihr Arbeitsalltag verändert?

Vor allem dadurch, dass der Regional- und dessen Bauausschuss dazugekommen sind. Sie bedeuten natürlich einen zusätzlichen Zeitaufwand. Andererseits sind ohnehin 90 Prozent der Angelegenheiten, die in diesen Ausschüssen behandelt werden, in meinem Dezernat angesiedelt und mir von daher bekannt.

Neu ist für mich allerdings, weil ich es von anderen Ausschüssen so nicht kannte, wie intensiv die Fragestunde des Regionalausschusses genutzt wird. Das ist spannend. Man weiß ja nicht, was die Leute fragen werden. An Beispielen wie der erstmaligen endgültigen Herstellung von Straßen, dem Rückbau der Kleingarten-Lauben nördlich des Süderquerwegs oder der Verkehrssituation auf dem Kirchwerder Hausdeich wird deutlich: Menschen sind bereit, sich zu engagieren, wenn sie etwas persönlich betrifft. Und das ist auch gut so.

Haben Sie eigentlich häufig Kontakt zu den Menschen in den Vier- und Marschlanden oder beschränkt der sich auf die Sitzungen des Regionalausschusses?

Es gibt eine Vereinbarung - sowohl mit dem Bezirksamtsleiter als auch mit den Mitgliedern des Regionalausschusses: Alle Einladungen, die für den Bezirksamtsleiter zeitlich machbar sind, nimmt er wahr. Diese Termine doppelt zu besetzen, wäre denn doch zu viel des Guten. Wir mussten, bedingt durch den Wegfall des Ortsamtes und seines Leiters, die Abläufe effizienter gestalten. Das ist schade, aber so ist es nun mal.

Apropos: Wann wird die Stelle von Dirk Klimach, die seit Mitte Oktober vakant ist, neu besetzt?

Im Frühjahr schreiben wir die Stelle des Wirtschaftsbeauftragten bundesweit aus. Bis dahin fangen meine Vertreterin Kathrin Sprick, Dr. Andreas Aholt, dessen Kernaufgabe das Stadtmarketing ist, und unser Liegenschaftsmann Herbert Fuhrmann so viel wie möglich auf.

Überall fehlt Geld. In der Wasserwirtschaft wird die doppelte Summe benötigt, im Straßenbau ein Vielfaches. Wie wollen Sie aus diesem Dilemma herauskommen?

Das ist richtig. Wir brauchen überall 50 Prozent mehr Geld als uns zur Verfügung steht. Die Etats sind alle geschrumpft. Allein die Mittel für die Unterhaltung der Straßen sind um ein Drittel gekürzt worden. 150 000 Euro wären ja noch zu verkraften gewesen, aber 400 000 Euro - das geht gar nicht.

Wie stehen denn die Chancen, dass der Bezirk von den 250 Millionen Euro etwas abbekommt, die der Hamburger Senat als Konjunkturspritze vorgezogen investieren will?

Wenn es nach rationalen Gesichtspunkten geht, sind die Chancen sehr groß. Der Bedarf ist da, und wir können konkrete Projekte vorlegen. Die mit dem Konjunkturprogramm geförderten Investitionen zum Beispiel im Wasserbau vermindern den Mittelbedarf für die Unterhaltung dieser Bauwerke erheblich. Das Geld kann dann für die intensivierte Pflege und Instandhaltung von Gräben eingesetzt werden, wo der Bedarf schon heute deutlich sichtbar ist. Bei Straßenbaumaßnahmen verhält es sich ähnlich. Noch wissen wir aber nicht, wofür wir Mittel erhalten werden.

Mir ist aufgefallen, dass es ausgesprochen ruhig geworden ist um die beiden geplanten Gewerbegebiete am Mittleren Landweg. Wie ist der Stand der Dinge?

Die Bebauungsplanverfahren laufen noch. Aber: Zumindest das untere Gebiet, in dem auch Wohnungen entstehen sollen, ist an einem Punkt angelangt, wo sich die Behörden entscheiden müssen, wie es weitergeht.

Was heißt das konkret?

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt sowie die Wirtschafts- und die Finanzbehörde müssen sich jetzt entscheiden, ob das Planverfahren weiter laufen soll wie bisher, oder ob es neue Ziele gibt. Wir sind hier vorrangig Vollstrecker der Vorgaben des Senats.

Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung?

Im Frühjahr.

Im Zusammenhang mit der geplanten Wohnbebauung des BIG-Geländes wurde der Ruf nach mehr Einkaufsmöglichkeiten laut. Daraufhin wurde vonseiten des Bezirksamtes erklärt, es kämen ja in absehbarer Zeit die Lebensmittel-Einzelhändler am Brennerhof und eventuell am Süderquerweg dazu. Wieso am Süderquerweg? Die CDU war doch immer strikt dagegen.

Das ehemalige Kamps-Gelände ist ja mittlerweile verkauft. Mit dem neuen Besitzer stellt sich auch die eine oder andere Frage neu. Und die Politik ist offenbar auch bereit, diese Fragen zu diskutieren.

Anwohner berichteten uns von Probebohrungen im Bereich der Borghorster Elbwiesen. Werden Sie regelmäßig von der ReGe informiert, wie die Arbeiten in puncto "Kohärenzsicherungsmaßnahme Borghorster Elbwiesen" - ehemals EU-Life-Projekt - vorankommen?

Wir sind in regelmäßigem Kontakt und so verblieben, dass wir und die Öffentlichkeit rechtzeitig informiert werden, wenn wichtige Entscheidungen anstehen. Und wir haben unmissverständlich deutlich gemacht: Was ihr auch immer plant, es darf den Menschen hinterm Deich nicht schaden. Wussten Sie übrigens, dass die EU die Borghorster Elbwiesen mittlerweile als Ausgleichsfläche für die Airbus-Erweiterung anerkannt hat? Das war ja lange umstritten.

Nein, das ist mir neu. Dann wird uns das Thema ja noch länger beschäftigen. Lassen Sie uns ins nächste Jahr schauen. Welche Projekte stehen ganz oben auf der Liste?

Auf jeden Fall die Primarschulen. Zum nächsten Schuljahr - also zum Sommer - sollen die Strukturen stehen. Das wird schwierig, denn die Bedingung, dass jeder Jahrgang dreizügig sein muss, können wir nicht erfüllen. Dafür sind die Vier- und Marschlande zu dünn besiedelt.

Welche Alternativen gibt es?

Das Beste wäre, die Behörde akzeptierte weniger Züge. Denn von den Doppel-Standorten - Klassen eins bis drei besuchen Schule A, Klassen vier bis sechs gehen auf Schule B - halte ich nicht viel. Sie wären mit dem Prinzip "Kurze Beine, kurze Wege" nicht vereinbar. Zumal es teilweise gar keine Busverbindungen gibt.

Welche Projekte stehen noch an?

Das Zollenspieker Fährhaus natürlich. Im Frühjahr beginnen sowohl die Arbeiten für den Hotelneubau als auch für die Umgestaltung des Zollenspieker. Dieser prominente Ort wird sich ganz erheblich verändern - hoffentlich zum Guten.

Schließlich steht im Frühsommer die Anlieger-Information zur erstmaligen endgültigen Herstellung der Straßen im Stegelviertel an.