Musik

Diese Orgel lädt zum Spielen ein

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Gregor Bator

Ochsenwerder. Schon eine kurze Begegnung mit der 300 Jahre alten Arp-Schnitger-Orgel in der St.-Pankratius-Kirche fasziniert: "Wow!", denke ich und habe alle Achtung für die Orgelbauer, die bei der Renovierung des betagten Instruments hervorragende Arbeit geleistet haben.

Der Organist Gregor Bator testete vor dem großen Jubiläumskonzert am Sonntag die renovierte Arp-Schnitger-Orgel.

Als Magister Artium habe ich 1980 nach dem Orgelkonzertexamen die Danziger Musikakademie verlassen, danach fast elf Jahre lang die Vorführungskonzerte an der größten Orgel Polens in der Kathedrale in Danzig-Oliwa gespielt. Auf Konzertreisen habe ich unzählige Orgeln kennen und respektieren gelernt. Denn es gehört zum Handwerk aller reisenden Organisten, sich vor jedem Auftritt Zeit zu nehmen, um das jeweilige Instrument und seine "Eigenarten" kennenzulernen, die Register und Klangmöglichkeiten zu testen und - nicht zuletzt - sich an die oft abweichende Ergonomie der Spieltische zu gewöhnen. So "vorbelastet" kam ich nach Ochsenwerder, um die 300 alte Dame zu testen.

Der Ersteindruck: Sie ist wie ein alter Mercedes. Ob die Anordnung der Register, die angenehm und präzise ansprechenden Tasten beider Manuale oder die Orgelbank - ich finde mich auf Anhieb mit allen Komponenten zurecht. So dauert die Angewöhnung keine Minute, bis der erste Bach-Choral - blitzschnell registriert - ertönt. Die Traktur macht das Spielen zur Freude. Die Orgel dankt mit erlesenem barockem Klang, der aus der Kombination erstklassige Orgel und ebenbürtige Raumakustik der St.-Pankratius-Kirche resultiert. Auch Modernem verschließt sich die Orgel nicht, wie ein jazziges Intermezzo beweist.

Die Disposition, insgesamt 28 Register, ist barock-spezifisch angelegt. Saftige Prinzipale, sehr gut intonierte Rohr-, Spitz- und Blockflöten, ebenso Mixturen, die für den scharfen, transparenten Orgelklang sorgen. Zum vollen Werk kommen noch die Zungenstimmen hinzu - im Hauptwerk die Trompete (8'), im Brustwerk der Dulzian (8') und im Pedal die Posaune (16'). Mit diesem Instrumentarium lässt sich auch die französische Romantik wiedergeben. Ob Charles-Marie Widor, Leon Boellmann oder César Franck - mit etwas Geschick bei der Registerwahl und von der Raumakustik gut getragen, können auch die Meister der Pariser Orgelschule in Ochsenwerder überzeugen.

Ach ja, da sind noch die zwei Zimbelsterne mit ihrem Glockenspiel. Heute eher zum Schmunzeln anregend, doch in der Vergangenheit, als es nur handgemachte Musik gab, eine ausgesprochene Attraktion. So schalteten die Organisten, damals wie heute, die Zimbelsterne nur bei freudigen Anlässen ein - bei Weihnachts- und Hochzeitsmusik.

Fazit: Eine Orgel, die geradezu einlädt, gespielt zu werden. Prädikat: "vorzüglich".