Blumen

Konkurrenz auf der Fensterbank

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Jule Monika Witt

Mit dem ersten Advent - in diesem Jahr am 30. November - beginnt für viele Menschen eine ganz besonders schöne Zeit. Die Innenstädte erstrahlen im Lichterglanz, in den Häusern verströmen Adventskränze oder -gestecke ihren harzigen Duft, und Kerzenschein taucht die Räume in warmes Licht.

Neben dem Weihnachtsstern werden Amaryllis und Orchideen immer beliebter.

Auf den Fensterbänken leuchten Weihnachtssterne um die Wette. Sie erhalten jedoch zunehmend Konkurrenz.

So rückt die Amaryllis von Jahr zu Jahr mehr ins Interesse der Blumenfreunde. Wurde das Zwiebelgewächs mit den prachtvollen Blüten zunächst überwiegend als Schnittblume angeboten, erobert es jetzt auch als Topfpflanze den Markt. Birgit Emmen-Mainka, in deren Familienbetrieb am Ochsenwerder Elbdeich in jeder Saison 45 000 Amaryllis heranwachsen, bestätigt, dass der Boom der Steppenpflanze nicht nur anhält, sondern sich eher noch verstärkt. Trotzdem vermutet sie, dass der Anbau zurückgehen wird. "Die Kosten sind einfach zu hoch", sagt die Gärtnerin, "nicht nur fürs Heizen. Auch die Preise für Dünger sind enorm gestiegen."

Einen geradezu kometenhaften Aufstieg können Orchideen verzeichnen. Hatte die Gärtnerei Martens vor wenigen Jahren lediglich eine kleine Ecke in ihren Treibhäusern für die Exoten reserviert, so wachsen dort in dieser Saison 5000 Phalaenopsis in den unterschiedlichsten Farbtönen heran. "Orchideen haben ausgesprochen dekorative Blüten, die lange halten, und die Pflanzen sind anspruchslos und pflegeleicht", erklärt sich Tanja Witzke die immer größer werdende Beliebtheit der Exoten auch bei jüngeren Menschen.

Nach wie vor setzt der Familienbetrieb am Vorderdeich aber auch auf Weihnachtsterne. Etwa 10 000 Poinsettia in zwölf Sorten wachsen dort seit Ende Mai heran. "Die Nachfrage ist ungebrochen", sagt Carsten Witzke, nur dass der Trend zu immer größeren Pflanzen mit 20 bis 30 Sternen ginge. Auch Ulrich Kayser von der gleichnamigen Gärtnerei am Ochsenwerder Elbdeich kann sich nicht über mangelnden Absatz seiner Weihnachtssterne beklagen. Trotzdem geht er davon aus, dass der Anbau zurückgehen wird. "Die Aufzucht ist sehr heizintensiv", sagt Kayser, der in weiser Voraussicht seine Heizanlage vor drei Jahren auf Holz umstellen ließ.

Immer mehr Blumenfreunde greifen auch zu Christrosen, hat Michael Bornhöft auf den Wochenmärkten beobachtet. "Sie sind zwar vergleichsweise teuer, aber viele Kunden schätzen es, dass sie die winterharten Stauden später in den Garten pflanzen können." Auf dem Vormarsch seien auch kleine Alpenveilchen, weiß der Juniorchef der Gärtnerei am Kirchwerder Landweg. "Vor allem die Mini-Minis sind gefragt", sagt Bornhöft, genauso wie neue winterharte Züchtungen, die bis zu acht Minusgrade vertragen.

Ungebrochener Beliebtheit erfreuen sich schließlich Azaleen und Weihnachtskakteen, sind sich die Gärtner einig. Ihre Attraktivität wurde durch immer neue Farben, die im Laufe der Jahre dazukamen, noch gesteigert.