Stadtplanung

Spielplatz de luxe - aber für wen?

| Lesedauer: 2 Minuten
Jule Monika Witt

Ein Wort ergab das andere in der jüngsten Sitzung des Regionalausschusses. So wollte sich ein Bürger lediglich nach dem Stand der Radwegsanierung am Kirchwerder Landweg erkundigen. Kaum hatte er den Straßennamen ausgesprochen, drehte sich das Interesse plötzlich um den Spielplatz, der dort gerade gegenüber dem Haus Nummer 64 entsteht.

130 000 Euro teure Anlage am Kirchwerder Landweg stößt im Ausschuss auf Kritik.

"Alle Achtung" und "vom Feinsten" lauteten die Kommentare aus dem Publikum, das sich aber auch die Frage stellte, für wen ein derart aufwendiger Spielplatz gebaut wird. Wohnten dort doch kaum Kinder, und auch die beiden Kindergärten seien nicht gerade um die Ecke.

Seit 2006 greift ein Sonderinvestitionsprogramm, das über sechs Jahre läuft und von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt finanziert wird. Aus dem Topf sollen jeweils zwölf Projekte in allen Bezirken umgesetzt werden. So wurden in Bergedorf vier Spielplätze von Grund auf instand gesetzt, darunter auch der am Kirchwerder Landweg. Ihn gibt es seit drei Jahrzehnten, genauso wie den Bolzplatz dahinter.

"Ich hab' dort noch nie ein Kind spielen sehen", wandte Peter Gabriel (SPD) ein. Wolfgang Charles vom Fachamt Management des öffentlichen Raums bestätigt diesen Eindruck. Der Platz sei nicht bespielt worden, sagt er. "Aber warum? Weil er in einem schlechten Zustand war." Nach seiner Ansicht seien die 130 000 Euro gut angelegt. Im Landgebiet gebe es nur wenige öffentliche Spielplätze und "wer weiß, vielleicht wird er ja künftig gut genutzt". Jedenfalls habe es keine Alternative gegeben. "Das Geld ist zweckgebunden." Ähnlich formulierte es Jürgen Stubbe (CDU) im Ausschuss: "Wir hätten das Geld nur zurückgeben können."

Für einige Bürger wäre ein Spielplatz im Neubaugebiet am Kirchenheerweg sinnvoller gewesen, denn dort wohnen bereits viele kleine Kinder. "Der ist aber nicht Sache des Bezirkes", warf der Regionalbeauftragte Arne Dornquast ein. Vielmehr habe die Kirchengemeinde das Land an einen Investor verkauft und der sei in der Pflicht, dort einen Spielplatz zu bauen. Zu Verzögerungen hatten laut Dornquast unterschiedliche Vorstellungen darüber geführt, welches Grundstück dafür genutzt werden soll. Im Bebauungsplan war für den Spielplatz ein Areal in der Mitte des Wohngebiets vorgesehen. Nach längeren Verhandlungen einigten sich Investor und Bezirksamt auf das erste Grundstück vorne rechts am Karkenland. "Der Auftrag ist bereits vergeben", bestätigt Pastor Joachim Sach, "der Spielplatz wird in Kürze gebaut."