Gemeindebrief-Titel

"Kirch" und "Kark" zeigen Grenzen auf

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Wiebke Schwirten

Der erste Marschländer Gemeindebrief kommt gut an. Dabei wurde die völlig neue Form kaum in Frage gestellt. Unerwartet sorgte der Name für Diskussionen, die er nicht überstand: Statt "Uns Kark" heißt der Brief nun "Uns Kirch".

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"Im gesamten Bereich der Marschlande heißt Kirche im Plattdeutschen Kirch", stellt Erhard Lesemann fest. Der 62-Jährige muss es wissen. Er ist "Muttersprachler", in den Marschlanden geboren und aufgewachsen. "Wenn der neue Brief für alle Marschländer Gemeinden sein soll, dann muss er auch den richtigen Namen tragen", argumentiert der Kirchenvorstandsvorsitzender für Allermöhe-Reitbrook-Moorfleet. Er sei früher immer in die Allermöher "Kirch" gegangen. Erst die Hochzeit führte ihn in die "Kark" - nämlich nach Kirchwerder. "Kark" gehört also jenseits "der Sprachgrenze" nach Vierlanden. Lesemann machte die Probe aufs Exempel, fragte Marschländer, wie sie "das längliche, große Haus mit dem Turm" nennen würden: "Unsere Kirch", war immer wieder die Antwort.

Herbert Witt aus Allermöhe ist bekannt als Plattdeutsch-Schauspieler und -Autor, schreibt Geschichten "op Platt" für den Gemeindebrief. Er plädiert für "Kark". "Natürlich ist das Plattdeutsche regional überall anders, gibt es in ganz Norddeutschland viele Versionen", sagt er. Vielleicht habe er sich durch das stete Lesen von plattdeutschen Theaterstücken aus dem gesamten norddeutschen Raum einfach an "Kark" gewöhnt. "Kirch klingt für mich Missingsch", sagt er, also nach einer Mischung aus Platt- und Hochdeutsch. Doch letztlich nehme er die Namensänderung hin, füge er sich dem Credo der Altvorderen.

Derart einig sind die Gemeinden mit dem neuen Brief, der die früheren "An die Gemeinde", "Pan" und "Die Brücke zum Nachbarn" in sich vereint, zufrieden. "Die überwiegende Mehrheit lobt den Ansatz, auch über den Tellerrand zu den anderen Gemeinden zu schauen", sagt Pastor Sven Lundius. Schwierig sei manchmal die vorausschauende Terminplanung, da der Brief für drei Monate gelte, findet Herbert Witt. Gewöhnungsbedürftig ist für manche das Format - 21 mal 21 Zentimeter statt DinA-5 - und gerade für ältere Leser auch das Layout mit schmalen Spalten. Der jüngere Generation, etwa den Konfirmanden, gefällt der gute Überblick.

Die gute Resonanz beflügelt die Blattmacher, den Weg weiter zu gehen. Und so wird demnächst die zweite Ausgabe des Marschländer Gemeindebriefes in Druck gehen. "Wir haben das sportliche Ziel, das bis Ende November/Anfang Dezember zu schaffen", sagt Lundius. Die neue Titelseite ziert, lila-grau hinterlegt, ein Papierschiffchen. Wie das Kleeblatt auf dem ersten Brief ein einendes Symbol - eben "das Schiff, das sich Gemeinde nennt".