Kurfürstendeich

Bergedorfs erste Treppe für Fische

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Thomas Heyen

Im Bereich der Kurfürstenbrücke, schräg gegenüber vom früheren Ortsamt am Kurfürstendeich, wird eifrig gebaut. Bis Jahresende soll in dem Stauwehr unter der Brücke eine Fischtreppe entstehen. Durch die Errichtung der ersten Konstruktion dieser Art im Bezirk sollen Fische zwischen Schleusengraben und Dove-Elbe schwimmen können.

225 000 Euro hat das Bezirksamt für den Bau der Aufstiegsanlage eingeplant. "Mit der Anlage entsprechen wir der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union (EU), werten die Fließgewässer durch ökologische Durchgängigkeit auf", sagt Projektsachbearbeiterin Lilo Karsten. Die EU will so das Aussterben von bedrohten Arten vermeiden.

In der Dove-Elbe leben mindestens 20 Fischarten, im Schleusengraben mindestens 14. Fische wie Hecht, Rotauge, Aal, Brasse und Flussbarsch wurden in beiden Gewässern gefangen, in der Dove-Elbe schwimmen sogar Steinbeißer, Zander und Flundern.

Die Fischtreppe, die aus vier jeweils 2,50 Meter langen und bis zu 1,40 Meter hohen Beckenkammern aus Beton bestehen wird, soll in das in Fließrichtung Dove-Elbe rechte der vier Schützenwehre unter der Brücke gebaut werden. Die Fische gelangen durch Schlitze von Becken zu Becken, können sich so auf dem für sie anstrengenden Weg gegen den Strom ausruhen. In den Beckenkammern befinden sich in Abständen von zehn Zentimetern Treppenstufen, über die die Fische den Höhenunterschied von 60 Zentimetern zwischen den beiden Gewässern überwinden sollen.

Zunächst wird das Wehr trockengelegt: Auf beiden Seiten werden Dammbalken aus Aluminium eingelassen. Dann sollen 30 Kubikmeter Schlick aus dem Wehr geholt werden. "Wir befreien das gesamte Wehr von Schlick", sagt Arno Lenzer, Polier der federführenden Handwerksfirma Koth. Um die Fischtreppe von Ästen, Blättern und anderen kleinen auf dem Wasser schwimmenden Teilen freizuhalten, wird eine Art Fanggitter aus Metall in Höhe der Wasseroberfläche quer über den Schleusengraben gespannt. Ein Lkw mit Greifarm soll das Gitter regelmäßig aus dem Wasser heben und das "Treibgut" abtransportieren. Deshalb wird neben dem Wehr eine Fläche planiert, die dem Lkw als Rampe dienen soll. Zur Befestigung des Fanggitters werden die Spundwände verlängert.

Das Bezirksamt hatte eine Machbarkeitsstudie über mögliche technische Hilfen für die Fischwanderung in Schleusengraben und Dove-Elbe und geeignete Standorte erstellen lassen. Lilo Karsten: "Die Fischtreppe ist nur hier zu realisieren." An der nahe gelegenen Krapphofschleuse sei die Errichtung nicht möglich, unter anderem weil die Fische nur während der Schleusung das Gewässer wechseln könnten.