Bohrungen

Wenn auf dem Feld Stahl wächst

| Lesedauer: 2 Minuten
Wiebke Schwirten

Wenn auf einem Vierländer Feld statt Getreide plötzlich Stahl in den Himmel wächst, dann ist zumeist "Gaz de France Suez" am Werk. Derzeit überragt ein 35 Meter hoher Bohrturm am Reitbrooker Hinterdeich die Umgebung.

"Gaz de France Suez" modernisiert alte Bohrungen, stellt dazu hohe Arbeitsplattformen auf.

. Der Grund: Der Erdgasspeicher- und Erdölförderbetrieb mit Sitz an der Randersweide repariert und modernisiert die alten Bohrungen.

"Die Gasspeicherbohrungen werden dem Stand der Technik angepasst, effektiver und sicherer gemacht", erklärt Lutz Buhrdorf, Leiter der Betriebe Hamburg. Die montierten Sicherheitsventile unter Tage zum Beispiel schließen sich im Notfall automatisch. Am Reitbrooker Hinterdeich wird derzeit eine Tauchkreiselpumpe ausgetauscht - eine Investition von etwa 200 000 Euro. Die Pumpe fördert aus etwa 800 Metern Tiefe ein Gemisch aus zehn Prozent Erdöl und 90 Prozent Wasser. Es wird in der Ölentwässerungsanlage am Reitbrooker Vorderdeich getrennt.

Buhrdorf schätzt, dass in Reitbrook noch etwa 20 Jahre lang Erdöl gefördert werden kann. Tatsächlich sind erst etwa zehn Prozent des Altfeldes ausgebeutet. Doch die Förderung wird immer schwieriger, da das Öl durch das Erdgas immer weiter verdrängt wird. Um die Förderung zu optimieren, werden bestehende Bohrungen "abgelenkt". So auch die Bohrung am Reitbrooker Hinterdeich (Westfeld), die durch horizontale Ablenkungen aus anderen Regionen des Speicherfeldes (Altfeld) mit einer Tauchkreiselpumpe fördert.

Derzeit liegt die Öl-Jahresfördermenge bei 25 000 Tonnen. Das Öl geht per Tanklastwagen nach Harburg zur Firma Oiltanking, die es wiederum durch Rohölleitungen zur Shell-Raffinerie pumpen. "Bei jeder Tankfüllung unserer Autos, sind auch immer ein paar Tropfen Treibstoff dabei, die aus Reitbrook kommen", sagt Lutz Buhrdorf.

Mit der Förderung von Öl und Wasser aus dem Altfeld soll erreicht werden, dass die vertragliche Erdgasmenge in die Lagerstätte, den Erdgasspeicher, eingelagert werden kann. Denn "Gaz de France Suez" hält für den Energieversorger E.on-Hanse eine Ausspeicherleistung von 350 000 Kubikmetern pro Stunde bereit. Mehr als 350 Millionen Normkubikmeter Erdgas befinden sich im Reitbrooker Speicher, genauer im Kalkstein mit seinen winzigen Poren und Klüften, in den das Erdgas mit großem Druck (max. 80 bar) hineingepresst wird.