"Rasenmäher" kommen vom Deich

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Thomas Heyen

Für Volker Derbisz und seine 1400 Schafe endet die erste Saison. Die Tiere kommen nach Paderborn.

Für Schäfer Volker Derbisz und seine etwa 1400 Tiere endet diese Tage die Saison an der knapp 35 Kilometer langen Deichstrecke zwischen Altengamme und Spadenland - die erste Saison, die der 42-Jährige als Deich-Schäfer in den Vier- und Marschlanden gearbeitet hat. Der aus der Nähe von Kaiserslautern stammende Schäfermeister trat Anfang April die Nachfolge von Harald Petersen an, der nach Jahrzehnten am Deich im vergangenen Jahr mit 71 Jahren in den Ruhestand gegangen war.

Derbisz hatte die vergangenen Monate zwei Herden mit jeweils etwa 700 "Rasenmähern", darunter rund 700 Lämmer, über die Hauptdeiche im Landgebiet getrieben.

Eine Herde hat er bereits vom Deich genommen. Sie grast auf Wiesen nahe der Riepenburger Mühle. In drei Wochen kommt die Herde auf die Winterweide in Paderborn. Dort bauen Landwirte Zwischenfrüchte wie Raps und Ölrettich an, die Felder werden von den Tieren abgehütet (gedüngt). "Im Stall sind sie nur zum Lammen", sagt Derbisz.

Die andere Herde wird bereits kommende Woche ins Winterquartier befördert - per Lkw. "Der Fuhrunternehmer kann pro Fahrt etwa 200 Tiere transportieren", sagt der Schäfer. "Sein Anhänger ist dreistöckig, die Bodenebenen werden hydraulisch hochgefahren." Noch grasen die Tiere auf dem Hauptdeich zwischen Neuengammer Hausdeich und dem Wohnhaus des Schäfers am Neuengammer Hauptdeich 230. "Dort finden sie noch genug Gras", sagt der 42-Jährige.

Der Schäfer lebt auch vom Verkauf der Tiere: Vor allem Lämmer im Alter von vier bis fünf Monaten verkauft er regelmäßig als Schlachtvieh.

Die Herden, die von Derbisz und seiner Mitarbeiterin Bianca Christmann (23), einer gelernten Kinderkrankenschwester, mit sechs Schäferhunden mehrmals im Jahr über die Deiche getrieben werden, bewegen sich meist hinter Weidenzäunen. Die elektrisch geladenen Netze können schnell auf- und abgesteckt werden.

Derbiszs Probezeit ist nun beendet. Nicht nur der Schäfer, auch seine Auftraggeber im Bezirksamt sind zufrieden. "Natürlich gibt es hier und da Details zu verbessern, können Arbeitsabläufe noch optimiert werden, aber insgesamt hat alles gut geklappt", sagt Andreas Pohl, im Bezirksamt unter anderem für die Deichpflege zuständig. "Absprachen, etwa, wie und wo gegebenenfalls nachgemäht werden sollte, können noch verbessert werden", sagt Derbisz. "Aber - hier wird mit- und nicht gegeneinander gearbeitet." Probleme bereiten dem Schäfer hingegen Diebe und rücksichtslose Spaziergänger: "Manche Leute gehen sogar mit ihren Hunden zwischen der Herde spazieren", sagt er. Im Sommer, als eine Herde in Spadenland graste, hat sich der Schäfer besonders geärgert: "Da wurden mir in einer Nacht fünf Schafe, 100 Meter Zaun-Netze und ein spezielles Gerät für den Weidenzaun gestohlen." Im April wird er trotzdem mit seinen Schafen an die Deiche zurückkehren.