Ohe. 350 Zuschauer beim Landesliga-Derby gegen SV Curslack-Neuengamme. Kreislauf: Gäste-Akteur Marcel Rump ins Krankenhaus. Wie es ihm geht

Es war ein Fußballfest: 350 Zuschauer verfolgten am Amselstieg den 5:3-Sieg des FC Voran Ohe im Fußball-Landesliga-Derby gegen den SV Curslack-Neuengamme. Doch in der 61. Spielminute wurde das alles zur Nebensache: Marcel Rump, Flügelstürmer der Gäste, fasste sich an die Brust, beugte sich vornüber, schnappte nach Luft, gab noch das Zeichen zum Auswechseln, bevor er sich kraftlos auf den Rasen niederließ: Kreislauf-Probleme.

„Er hat Stiche in der Brust gespürt und dann natürlich Angst bekommen“, schilderte SVCN-Sportchef Torsten Henke. „Er hat mehrfach versucht, sich wieder aufzurichten, aber es ging nicht.“ Ein Arzt, der unter den Zuschauern war, eilte herbei und beruhigte den Spieler. Der Rettungswagen wurde alarmiert, die Partie war für eine knappe halbe Stunde unterbrochen, bis Rump abtransportiert war.

Rettungswagen-Einsatz beim Landesliga-Derby zwischen Voran Ohe und Curslack

Noch am selben Abend durfte der 28-Jährige das Krankenhaus dann wieder verlassen. „Er hat jetzt zwei Wochen Sportverbot und muss sich in dieser Zeit bei einem Kardiologen genauer auf mögliche Herzprobleme untersuchen lassen“, sagte Henke.

Voran-Vereinschef Daniel Schmitt wurde in der Pause für sein ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet, erhielt ein Nationalmannschaftstrikot und ein Unterstützer-Shirt.
Voran-Vereinschef Daniel Schmitt wurde in der Pause für sein ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet, erhielt ein Nationalmannschaftstrikot und ein Unterstützer-Shirt. © Volker Gast

Der Vorfall ereignete sich genau in der Phase, als der FC Voran Ohe die Partie nach einem 1:2-Pausenrückstand in eine 3:2-Führung gedreht hatte. „Die Unterbrechung war natürlich vollkommen gerechtfertigt, aber für uns kam sie zur Unzeit. Wir waren gerade so schön ins Rollen gekommen“, bedauerte Voran-Coach Matthias Wulff.

Muizz Saqib und Oguzhan Acar wirbeln SVCN-Abwehr durcheinander

Vor allem gegen das dynamische Sturmduo Muizz Saqib/Oguzhan Acar, das die Curslacker Abwehr von einer Verlegenheit in die andere stürzte, fanden die Gäste nie ein Mittel. Beide hatten auch für die frühe Führung der Hausherren verantwortlich gezeichnet. Acar dribbelte von links in den Strafraum, legte quer auf Saqib, der den Ball aus vollem Lauf zum 1:0 einschoss (7.)

Alles sprach nun für die Oher, die zuletzt vier Siege in Folge gefeiert und dabei 15 Treffer erzielt hatten. Die Gäste hingegen, verunsichert durch die jüngste 2:4-Heimniederlage gegen Ahrensburg, versuchten es vorwiegend mit langen Bällen. „Natürlich ist das kein attraktiver Fußball, den wir im Moment spielen“, räumte SVCN-Innenverteidiger Marvin Schalitz ein. „Aber die Erfolge werden kommen. Davon bin ich überzeugt.“

Pascal Bäker trifft per Bogenlampe aus über 30 Metern Entfernung

Der Verlauf der ersten Hälfte zeigte, was er meinte. Mit jeder Minute brachten die Vierländer die körperliche Präsenz und Wucht ihrer Offensivkräfte Arnold Lechler, Pascal Bäker und Hendrik Bombek mehr und mehr zur Geltung und drehten die Partie noch vor der Pause. Bäker überwand den schwachen Oher Keeper El Kahil mit einer Bogenlampe aus gut 30 Metern zum 1:1 (37.), Stjepan Brkic staubte kurz vor dem Pausenpfiff zum 2:1 für die Gäste ab (45.+1).

Ein Schock für die Oher. „Da waren die Köpfe bei uns natürlich erst mal unten“, war Wulff in der Pause als Psychologe gefragt. In der Tat war es beeindruckend, mit welcher Entschlossenheit die Stormarner aus den Kabinen kamen. Gleich der erste Angriff saß: Eine Flanke von Tim Schmidt lenkte SVCN-Verteidiger Tim Moritz unglücklich zum 2:2 ins eigene Netz (46.).

Traumtor von Oguzhan Acar bringt Voran Ohe auf die Siegerstraße

Warum Schiedsrichter Luis Malter (Alsterbrüder) im Spielbericht Muizz Saqib als Torschützen notierte, wodurch dieser in der Torjäger-Rangliste zum Führenden Philip Stefaniuk (Vorwärts-Wacker Billstedt/beide neun Treffer) aufschloss, wird das Geheimnis des Unparteiischen bleiben. Es war ein blitzsauberes Eigentor.

Den Ohern war’s egal, sie blieben am Drücker. Acar krönte seine grandiose Leistung, indem er den Ball vom Strafraum-Eck aus zum 3:2 in den linken oberen Winkel zirkelte (55.). Ein Traumtor! Nach der Unterbrechung durch den Rettungswagen schien ein Patzer von Gäste-Keeper Leon Giese die Partie dann endgültig zugunsten der Stormarner zu entscheiden. Giese faustete bei einer Ecke am Ball vorbei, Nutznießer war Ohes Innenverteidiger Marcel Dieckmeyer, der zum 4:2 einköpfte (76.).

Ein Kopfballtor von Marcel Dieckmeyer? Das gab’s vorher noch nie!

Damit beendete der 27-Jährige eine lange persönliche Leidenszeit. „Wir haben ihn in der Mannschaft schon häufig aufgezogen, weil er noch nie ein Kopfballtor erzielt hat“, verriet Wulff schmunzelnd. Diese Diskussion beendete Dieckmeyer, indem er den Ball mit enormer Wucht aus nicht mal zwei Metern in die Maschen rammte.

Nach dem Schlusspfiff feierten die Oher zusammen mit vielen Auflaufkindern im Jubelkreis.
Nach dem Schlusspfiff feierten die Oher zusammen mit vielen Auflaufkindern im Jubelkreis. © Volker Gast

Gerade in dem Moment, als sich die Oher wie die sicheren Sieger fühlen konnten, senste auf der Gegenseite Voran-Verteidiger Marc Ohl den durchgebrochenen Hendrik Bombek um. Referee Malter zeigte korrekt und konsequent die Rote Karte (81.). „Kann man geben“, räumte Wulff ein. Den anschließenden Freistoß aus 25 Metern zirkelte Curslacks Kunstschütze Witalij Wilhelm mit nur zwei Schritten Anlauf unhaltbar zum 3:4 ins rechte obere Eck (83.).

Mit einem verwandelten Foulelfmeter macht Ohes Demirhan Brüning alles klar

Dass die Oher trotzdem gewannen, war einer taktischen Meisterleistung von Matthias Wulff zu verdanken. Denn der blieb trotz der Unterzahl fest und unerschütterlich auf dem Gaspedal, ließ weiter mit drei Spitzen stürmen. „Ich wusste, wir mussten was machen. Wir durften uns gegen diese körperlich starke Mannschaft nicht hinten reinstellen“, erläuterte er seine Gedanken.

Der Mut wurde belohnt: Wilhelm – gerade noch der Held – legte im Strafraum den enteilten Mike Beldzik, Demirhan Brüning verwandelte den Elfmeter zum 5:3-Endstand (90.+2). Was für ein Spektakel! „Spektakel? Ich kann dieses Wort nicht mehr hören“, klagte SVCN-Sportchef Henke. „Ich hätte heute lieber 1:1 gespielt, ohne Spektakel.“

FC Voran Ohe: El Kahil – Feldpausch, Schweißing, Ohl, Dieckmeyer – Witmütz, Tautz (90. Gläser), Damaschke – Schmidt (80. Özalp), Saqib (80. Beldzik), Acar (59. Brüning) SV Curslack-Neuengamme: Giese – Pallasch (79. Holz), Moritz, Schalitz, Wilhelm – Knotterus, Rump (61. Kühn), Brkic (59. Mokhlis), Bombek – Lechler, Bäker