American Football

Hamburg Swans steigen in die Regionalliga auf

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Volker Gast
Die Hamburg Swans bejubeln ihren Sieg über die Kiel Baltic Hurricanes II.

Die Hamburg Swans bejubeln ihren Sieg über die Kiel Baltic Hurricanes II.

Foto: Volker Koch

Was für ein Drama! 40 Sekunden vor Schluss lagen die Bergedorfer gegen Kiel noch zurück. Dann flog ein letzter Pass in die Endzone.

Bergedorf.  Dicht gedrängt saßen und standen die Zuschauer rund um den American-Football-Platz der TSG Bergedorf am Ladenbeker Weg. Mit 1000 Anwesenden wurde die offizielle Zuschauerzahl angegeben. Doch selbst wenn es ein paar Hundert weniger gewesen sein sollten, so war es doch immer noch die größte Kulisse, die es in den vergangenen Jahren bei einem Mannschaftssport-Ereignis im Bergedorfer Raum gegeben hat.

American Football ist „in“, und die TSG darf sich dazu beglückwünschen, dass sie vor Jahren den Bau des „Swans Homefield“ auf dem alten, heruntergekommenen Grandplatz beim Bezirksamt durchgesetzt hat. Nach Jahren kontinuierlicher Aufbauarbeit konnten die Hamburg Swans nun durch einen 13:12-Erfolg gegen die Kiel Baltic Hurricanes II den Aufstieg in die Regionalliga feiern. „Das ist der größte Erfolg unserer Geschichte“ sagte Tight End und Swans-Sprecher Martin Kirmse ehrfürchtig. „So hoch haben wir noch nie gespielt.“

American Football: Mit Head Coach Daniel Kasper kam der Erfolg

Verdient ist das allemal. Seitdem Head Coach Daniel Kasper im November 2020 die sportliche Leitung bei den Bergedorfern übernommen hat, geht es aufwärts. Aus dem Kellerkind der Oberliga formte er ein Spitzenteam, das souverän mit acht Siegen in acht Partien durch die Saison rauschte und auch das Halbfinale der Aufstiegsrunde gegen die Hannover Stampeders mit 34:9 zu einer Demonstration der Stärke werden ließ. Ausgerechnet während der Pandemie, die viele andere Teams in diesem Vollkontakt-Sport in Probleme stürzte, fanden die TSG-Footballer zu neuer Stärke. „Wenn man unsere Ergebnisse vor und nach Corona vergleicht, sind wir sicher kein Verlierer der Pandemie“, gibt Kirmse zu.

Doch das alles hing nun, 40 Sekunden vor Schluss des Finales um die Oberliga-Meisterschaft und der Aufstiegsrunde zur Regionalliga gegen die Kiel Baltic Hurricanes II am seidenen Faden. Denn die Bergedorfer lagen mit 7:12 hinten und hatten nur noch einen einzigen Versuch übrig, um die restlichen drei Yards bis zur Endzone zu überwinden. Dreimal hatten sie es zuvor mit Laufspielzügen durch die Mitte versucht und sich immer wieder festgerannt. Was nun? „Ich will einen Pass werfen“, eröffnete Quarterback Frederik Mußler beim Timeout seinen Teamkollegen.

Das Bergedorfer Passspiel hatte bislang noch überhaupt nicht funktioniert. Den einzigen Touchdown der Swans zur 7:0-Führung hatte Julian Hagen mit einem imposanten Lauf über 30 Yards erzielt, bei dem er fünf Kieler an sich abprallen ließ, als wären sie aus Zuckerwatte. Anschließend hatte Kiels Quarterback Janko Knabe mit zwei Touchdown-Pässen auf seinen Lieblings-Receiver Lars-Ole Gloe zur 12:7-Führung der Gäste geantwortet. Allerdings ließen die Schleswig-Holsteiner dabei jeweils die Chance auf den Extrapunkt ungenutzt. Das sollte sich schließlich als verhängnisvoll erweisen.

Wenn der Passempfänger plötzlich weg ist

Einen Pass also. Doch zu wem? Mußlers erste Option ist normalerweise Jannik Prehm. Auf genau diese Art hatten sie in der regulären Saison ein Spiel gegen Kiel gewonnen. „Doch Jannik hatte Bedenken. Er meinte, die Kieler stehen heute anders als damals“, verriet Kirmse. „So sind wir auf einen Spielzug gekommen, den wir auch im Playbook haben, der diesen Spielzug nur antäuscht.“

Doch so ganz wollte Mußler von seiner Lieblingsidee Prehm nicht lassen. Doch die erledigte sich dann von selbst, als Prehm an einem Gegenspieler hängen blieb. Plötzlich war der Passempfänger weg. Innerhalb von Sekundenbruchteilen musste Mußler umdisponieren, blickte nach rechts und sah Niklas Kahrau in der Endzone. Ein präziser Pass, ein Catch, der Rest war Jubel. Vor ein paar Wochen trug Kahrau in der Regionalliga noch das Trikot der Hamburg Huskies. Nach deren Saisonende wechselte er zurück nach Bergedorf, wo er schon in seiner Jugend gespielt hat, und wurde nun zum Matchwinner.

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