Fußball-Landesliga

Oststeinbeker SV: Gentlemen’s Club statt Teenie-Disco

| Lesedauer: 3 Minuten
Volker Gast und Arne Bachmann
Der defensive Mittelfeldakteur Francis Gyimah (links, hier gegen Justin Barkow/TuS Berne) ist der Dreh- und Angelpunkt im Oststeinbeker Spiel.

Der defensive Mittelfeldakteur Francis Gyimah (links, hier gegen Justin Barkow/TuS Berne) ist der Dreh- und Angelpunkt im Oststeinbeker Spiel.

Foto: Volker Gast

Fußball-Landesligist Oststeinbeker SV setzt auf Neuzugänge mit viel Erfahrung und setzt sich in der neuen Saison hohe Ziele.

Oststeinbek.  Den Ruf seiner Mannschaft als Chaos-Club mit chronischer Personalnot kennt Alexander Kaya nur zu gut. Kein Wunder, dass der Coach des Fußball-Landesligisten Oststeinbeker SV gerne mit diesem Image spielt, um die Konkurrenz zu verwirren. So waren am Sonntagmittag zur Pokalpartie beim Bezirksligisten TuS Berne zwar 17 Spieler aus dem 23-Mann-Kader vor Ort, doch einem Teil seines Personals beschied Kaya: „Ihr braucht euch gar nicht erst umzuziehen.“ Schließlich braucht die Konkurrenz vor dem Landesliga-Saisonstart ja nicht unbedingt zu wissen, wie stark die Oststeinbeker wirklich sind.

So blieben Hochkaräter wie Edeltechniker Agatino Indulto oder Königstransfer Prince Boateng Styhn noch hinter den Kulissen, obwohl es beim 4:3-Sieg gegen die engagierten Gastgeber, die schon in der ersten Minute durch Steve Theis in Führung gingen, knapp wurde. Isaac Akyere (21.), Christian Ayim (31.) und Youssef Sbou drehten die Partie zum 3:1. Doch Malte Schmale (42.) und Johann Riedel (54.) glichen aus, bevor OSV-Verteidiger Jeff Pierre eine Ecke zum 4:3-Siegtreffer einköpfte (61.). Den Rest der Partie trauten sich die Oststeinbeker kaum noch aus der eigenen Hälfte heraus. Souverän sieht anders aus, aber immerhin: Es reichte.

„Unser Ziel ist ein einstelliger Tabellenplatz“, sagt OSV-Trainer Kaya

Dass sein Team in der neuen, sehr starken Landesliga-Staffel gnadenlos unterschätzt werden könnte, darauf hofft Kaya. „Seit Januar habe ich an der Zusammenstellung des neuen Teams gearbeitet“, betont er. „Viele Spieler hatten auch andere Angebote, sind aber zu uns gekommen, weil sie mich kennen und mir vertrauen.“ Für ihn selbst ist klar, dass die Oststeinbeker mit dem Abstiegskampf nun nichts zu tun haben werden. „Unser Ziel ist ein einstelliger Tabellenplatz“, betont er.

Das Team sei deutlich stärker geworden. „Man hat gleich gemerkt, dass wir nun eine ganz neue Qualität auf dem Platz haben“, hat Kaya beobachtet. Viele Neuzugänge wie die beiden 31-jährigen Prince Boateng Styhn (von Hamm United) oder Isaac Akyere (vom SV Lurup) bringen zudem viel Erfahrung mit. „Es ist jetzt keine Teenie-Disco mehr, sondern eher ein Gentlemen’s Club“, schmunzelt Kaya.

Die OSV-Abwehr ist anfällig, ließ sich vom TuS Berne häufig überlaufen

Dreh- und Angelpunkt des Oststeinbeker Spiels ist Francis Gyimah, der im defensiven Mittelfeld viele Bälle gewinnt und von dort die Angriffe einleitet. Im Spiel geht mit der Erfahrung der Akteure eine große taktische Flexibilität einher, das war schon in Berne zu erkennen. So trieb sich Akyere meistens im defensiven Mittelfeld herum, nur um dann überraschend in die Sturmspitze zu wechseln und den nominellen Angreifern Youssef Sbou und Christian Ayim und Andy Ayim eine Verschnaufpause zu verschaffen. Aus einem 4-3-3-System wurde so im Handumdrehen ein 4-2-3-1 und umgekehrt, wenn sich Akyere wieder fallen ließ.

Für den Bezirksligisten aus Berne war das kaum zu verteidigen. Anfällig ist hingegen die OSV-Abwehr, die sich häufig überlaufen ließ. Hier wird sich zeigen müssen, ob sie gegen stärkere Gegner standhält.

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