Großaufgebot in der 7. Liga

40 Beamte in Kampfmontur bei Bezirksliga-Spiel

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Bergedorfs Torhüter Björn Garvs schreitet durch die Reihen von Polizisten in Kampfmontur.

Bergedorfs Torhüter Björn Garvs schreitet durch die Reihen von Polizisten in Kampfmontur.

Foto: Maurice Herzog

Oststeinbek. Kluge Vorsichtsmaßnahme oder überzogen? Beim Siebtliga-Spiel zwischen Oststeinbek und den „Elstern“ waren 40 Polizisten im Einsatz.

Oststeinbek. Bei der 0:5-Niederlage seines ASV Bergedorf 85 im Fußball-Bezirksligaduell beim Oststeinbeker SV war Torhüter Björn Garvs der beste Mann auf dem Platz. Jetzt trottet der Keeper langsam in Richtung Umkleidekabinen. Doch die Szenerie, die ihn umgibt, ist alles andere als gewöhnlich für ein Spiel der 7. Liga: Er passiert eine lange Reihe von Polizisten in Kampfanzügen und mit Helmen auf dem Kopf, die den Platz in zwei Hälften teilen und so die Fanlager der beiden Klubs voneinander trennen. Es herrscht eine unheilvolle Stimmung.

Vereine hatten Alarm geschlagen

Während drüben vor den Umkleidekabinen der OSV-Anhang unter den 400 Zuschauern feiert, realisiert eine auf Krawall gebürstete Minderheit im ASV-Anhang auf der entfernten Seite des Platzes, dass für sie heute kein Weg hinüber führt. „Ihr seid Feiglinge, versteckt Euch hinter der Polizei“, versuchen sie grimmig, die Oststeinbeker zu provozieren. Doch dank der Einsatzkräfte bleibt am Freitagabend alles ruhig.

Ankündigungen im Internet hatten die Verantwortlichen beider Klubs (!) vor dem Spiel aufgeschreckt. Unter dem Motto „Brennen für Bergedorf“ hatten ASV-Anhänger den Einsatz von Pyrotechnik angekündigt. Die Polizei rückte mit 40 Beamten an. „Völlig übertrieben“ fand das ASV-Trainer Patrick Paap. „Man hatte das Gefühl, hier bricht gleich ein Krieg aus. Dabei war hier heute nicht ein Bengalo oder eine Wunderkerze an“, sagte er dem Internet-Portal „Bolzjungs“.

„Das hat dann ganz schön Wellen geschlagen. Bild, MoPo, sogar N3 haben darüber berichtet“, resümierte Paap gestern auf Nachfrage unserer Redaktion, „dabei war es während des Spiels doch eine ganz schöne Stimmung.“

Platzverweise für ASV-Zuschauer

In der Tat: Die Fans beider Teams feuerten ihre Farben über 90 Minuten lautstark an, sorgten für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Die finsteren Ankündigungen schienen plötzlich ganz weit weg zu sein. Dass sich die Stimmung entspannte, war auch ein Verdienst des souveränen, erst 18-jährigen Schiedsrichters Gerhard Ludolph (Hoisbütteler SV). „Den fand ich herausragend“, lobte OSV-Trainer Simon Gottschling zu Recht.

Der einseitige Spielverlauf trug ebenfalls zur Entspannung bei. „Von Beginn an lief alles gegen uns“, analysierte Paap. Malte Adden fälschte einen Schuss von Youness Sbou zum 0:1 ab (14.). Die Oststeinbeker Miguel Gimeno (20.) und Samet Yazici (43.) verwandelten zwei Foulelfmeter zum 3:0-Pausenstand. Zwischenzeitlich sah ASV-Verteidiger Thomas Herrmann wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot (30.).

Nach dem Seitenwechsel sorgte Garvs mit tollen Paraden dafür, dass der Rückstand nicht größer wurde. Doch dann traf Yazici zum 4:0 (72.). Kurz darauf sah Bergedorfs Malte Adden nach einem Frustfoul an Yazici Gelb-Rot (79.). Den fälligen Elfmeter von Gimeno parierte Garvs zwar noch, doch Nicklas Frers stellte im Nachschuss den 5:0-Endstand her (80.).

Was viele Zuschauer gar nicht mitbekamen: Ab der 77. Minute kam Unruhe in den Reihen der Polizei auf, weil einzelne ASV-Fans versuchten, auf die Oststeinbeker Seite zu wechseln. Verweise von der Anlage wurden ausgesprochen – und auch befolgt. Beim Schlusspfiff beschloss die Polizei, nichts zu riskieren und das Gelände zu sichern. Ein Entschluss, der möglicherweise Schlimmeres verhütete.

Verloren hatte jedoch der Fußball, wie Oststeinbeks Obmann Michael Baaß, der als Ordner half, treffend zusammenfasste: „Da habe ich mich so lange auf dieses Spiel gefreut - und jetzt habe ich kaum etwas davon gesehen.“
OSV: Joost; Gimeno, Marg, Köksal, Fehlandt; Youness Sbou, Sejdi (23. Akdemirci); Fischer, Yazici, Grünberg; Frers.
ASV: Garvs; Herrmann, Asante-Sefa (65. Rüdian), Adden, Kretschel; Schwenke, Ehmke (36. Bugla); Dell, Leßmann, Bannasch (12. Föhres); Vermehren.

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