London Calling

Eric Johannesen auf Goldmedaillen-Kurs

Eton (dsc/sid). Sie hatten den schwereren der beiden Vorläufe erwischt und konnten am Ende dennoch Tempo herausnehmen.

Die Crew des Deutschland-Achters hat bei den Olympischen Spielen von London nahtlos an ihre Dominanz der vergangenen Jahre angeknüpft und auch das 35. Rennen in Folge gewonnen. Damit ersparten sich Eric Johannesen vom RC Bergedorf und seine Teamkollegen den Hoffnungslauf und zogen direkt ins Finale am Mittwoch (13.30 Uhr) ein. Die um eine halbe Bootslänge geschlagenen Mitkonkurrenten aus Großbritannien sowie die Niederlande und Kanada müssen sich heute über den Hoffnungslauf qualifizieren.

"Wir sind kein volles Rennen gefahren und konnten zum Ende sogar noch Körner sparen", freute sich Johannesen und betonte: "Wir sind jetzt natürlich alle heiß auf das Finale. Das Ziel ist die Goldmedaille." Es wäre die erste für einen deutschen Achter seit den Spielen von Seoul 1988.

Auch der gestrenge Bundestrainer Ralf Holtmeyer war voll des Lobes: "Das war nah am Optimum. So ein Start in die Regatta war genau das richtige Zeichen." Bei nahezu idealen Bedingungen hatte das deutschte Flaggschiff einen Klassestart erwischt und das Rennen dominiert. Der Abstand zu den Briten, dem Hauptkontrahenten der vergangenen Jahre, blieb konstant bei einer halben bis dreiviertel Länge. Die Crew um Schlagmann Kristof Wilke (Radolfzell) verbuchte einen Start-Ziel-Sieg und wehrte alle Angriffe des Vize-Weltmeisters vor 25 000 enthusiastischen Zuschauern in Eton scheinbar mühelos ab. "Die Briten hatten keine Chance. Der Streckenschlag hat mir sehr gut gefallen", sagte ein gut gelaunter Holtmeyer. Die Siegerzeit des Weltmeisters von 2011 von 5:25 Minuten war rund fünf Sekunden schneller als der zehn Minuten zuvor gestartete Vorlauf, den die USA gewann.

Am Sonntagmorgen gönnte Bundestrainer Holtmeyer seinen Ruderern dennoch keine Ruhepause. Als über dem künstlich angelegten Dorney Lake die Sonne aufging und am Streckenrand die Schafe grasten, war das seit 1448 Tagen ungeschlagene Ruder-Flaggschiff schon wieder auf dem Wasser. Holtmeyer bat seine bärenstarken Modellathleten - Johannesen ist 1,93 groß und wiegt 96 Kilogramm - und den Berliner Steuermann Martin Sauer zum Training. "Wir müssen die richtige Mischung aus An- und Entspannung finden. Wir sind gut, haben viel erreicht, jetzt wollen wir noch mehr. Im Finale wollen wir uns die Krone draufsetzen", sagte Holtmeyer. Nach dem 36. Sieg in Serie wäre dies der Fall und Johannesen hätte Geschichte geschrieben.