Martin Harnik

Mit der Heimat im Herzen

Foto: Thomas Rokos

Fünfhausen. 17 Tore erzielte Martin Harnik in der vergangenen Saison für den Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart. Doch zu den Kickern des SC Vier- und Marschlande kommt der 25-Jährige jederzeit gerne zurück.

Die Umarmung mit seinem alten Trainer und Mentor Thorsten Beyer fiel herzlich aus. Martin Harnik, Profi-Fußballer des VfB Stuttgart, ließ es sich während seines Heimaturlaubs nicht nehmen, an seiner früheren Wirkungsstätte in Fünfhausen das Gastspiel von Beyers derzeitigem Verein Klub Kosova gegen den SC Vier- und Marschlande zu besuchen. Kurz vor dem Anstoß war die Wiedersehensfreude bei den alten Weggefährten groß. Sechs Jahre hatte Beyer Harnik in der SCVM-Jugend trainiert. „Er hat mich menschlich geprägt und auf dem Feld als Kapitän in die Verantwortung genommen. Wir hatten einfach eine super Zeit und telefonieren heute noch regelmäßig“, sagt Harnik.

Trotz seiner 17 Bundesligatreffer in der Vorsaison (Platz sieben in der Torjägerliste), trotz eines Millionen-Gehaltes und trotz eines geschätzten Marktwertes von elf Millionen Euro (Quelle: transfermarkt.de) hat der 25-Jährige seine Wurzeln nicht vergessen. Während anderen der Ruhm zu Kopf gestiegen ist, besticht der in Kirchwerder aufgewachsene österreichische Nationalspieler durch Bodenständigkeit.

In Stuttgart wohnt der Halb-Österreicher – Vater Erich stammt aus Graz – nicht etwa im Nobelviertel Killesberg, sondern in einer Doppelhaushälfte in Remstal außerhalb der Stadt. Hier kann Harnik mit seinen Labrador-Hunden Bella und Balu in Ruhe Gassi gehen. In der Wohnung hängt ein großes Bild von der Alster. Denn Hamburg steht bei dem Profi, der schon gegen fast alle Großen der Fußball-Welt spielte, weiter hoch in Kurs.

„Martin ist so geblieben wie er war, auch wenn er in einer anderen Welt lebt“, sagt SCVM-Abteilungsleiter Siegfried Niemand, der ihn seit seiner Geburt kennt. Harnik ist ein Familienmensch. In Fünfhausen kann er ausgelassen scherzen und über das normale Leben reden. Hier muss er nicht fürchten, dass jede seiner Aussagen im Mund verdreht wird. „Was ich vor der Kamera sage, entspricht der Wahrheit. Aber man sagt nicht immer alles, was man denkt. Ich habe gelernt, mit der Öffentlichkeit in dem Job umzugehen. Schließlich habe ich schon einmal auf die Fresse bekommen“, erzählt der Wahl-Stuttgarter.

Bei der EM 2008 war vor dem Duell seiner Österreicher gegen Deutschland ein Satz („Die Deutschen scheißen sich in die Hose“) aus dem Zusammenhang gerissen worden. „Ich bin gefragt worden, wer sich mehr in Hosen macht: ,Ihr oder die Deutschen?' Da habe ich gesagt: Die Deutschen scheißen sich mehr in die Hose, weil sie mehr unter Druck stehen. Ich hätte den Satz nicht wiederholen dürfen“, ist Harnik inzwischen schlauer.

Heute äußert sich der gelernte Versicherungskaufmann meist bedächtig, wenn er über seine Ziele spricht. Etwa so: „Ich versuche meine Leistung zu bestätigen und möchte mehr Konstanz reinbringen. Letztes Jahr hatte ich Höhen, aber auch einige Tiefen.“

Die schwächere Phase am Saisonende war indes einem Abszess am Schienbein geschuldet. In der Nacht nach dem letzten Bundesligaspiel gegen den VfL Wolfsburg landete Harnik gar auf dem OP-Tisch. „Es war allerhöchste Zeit. Die Wunde hatte sich entzündet“, erzählt Harnik. Inzwischen ist er aber völlig wiederhergestellt, war beim Trainingsauftakt in Stuttgart am Montag voll dabei.

Dafür hatte sich der ehemalige Vier- und Marschländer schon im Urlaub in den USA sowie in Kirchwerder mit den von Trainer Bruno Labbadia verordneten Läufen vorbereitet. Ein Profi hat halt nie ganz Urlaub. Das sind die Schattenseiten seines Berufs. „Man wird leider nicht allen Leuten gerecht“, sagt Harnik. Darum packte er die Chance beim Schopf und besuchte Beyer nach dem Spiel in Fünfhausen noch kurz zu Hause. „Natürlich muss sich Martin heute manchmal ein bisschen abgrenzen. Aber seine Persönlichkeit und sein österreichischer Charme sind geblieben“, sagt Beyer.