Bergedorf 85

Der fatale Fehlgriff des Tobias Braun

Foto: Hanno Bode

Bergedorf. Aus der eigenen Hälfte schlägt Oststeinbeks Seyhmus Atug den Ball weit in die Bergedorfer Hälfte. Die runde Kugel segelt "85"-Keeper Tobias Braun entgegen. Kein Feldspieler steht in der Nähe...

Lässig steigt der "Elstern"-Torhüter nach oben und will das Leder runterpflücken. Kurz vor ihm kommt der Ball auf. Durch ein Loch im Rasen verändert er um wenige Grad seine Flugbahn. Über Brauns Fingerspitzen senkt er sich im Bergedorfer Gehäuse. Es läuft die neunte Spielminute des Oberligaderbys und für ein, zwei Sekunden herrscht Stille. Dann bricht Gelächter beim OSV-Anhang los. Was für ein Fehlgriff! Erst in der zweiten Hälfte können sich Bergedorfs Fußballer von diesem Schock erholen. Das Duell endet schließlich 1:1.

Dabei hatte der Tag für den 23-Jährigen Braun so gut begonnen. Zum ersten Mal seit fünf Wochen stand er wieder zwischen den Pfosten. Und dann das. Während das Spiel nach dem 0:1 bereits lief, kauerte Braun immer noch auf dem Boden. Erst nach einer halben Minute berappelte er sich und nahm seine Arbeit wieder auf.

Doch selbst als Schiedsrichter Dennis Krohn eine schwache erste Hälfte abpfiff, war Braun untröstlich. OSV-Keeper Christoph Werth, der bei den Gästen auf der Bank saß, versuchte es und sprach ihm Mut zu - eine tolle Geste. Zu diesem Zeitpunkt kauerte der Bergedorfer Torhüter auf dem Rasen. Auf einen Gang in die Kabine hatte er verzichtet. Als dann die anderen Spieler aufs Feld zurückkehrten, zog Braun seine Torwarthandschuhe wieder an. Umsonst. Trainer Olaf Poschmann stellte Semir Svraka zwischen die Pfosten. "Das Gegentor hat nichts mit der Auswechselung zu tun", erklärte Poschmann. Vielmehr hat die Psyche des Unglücksraben den Ausschlag gegeben.

Erst jetzt, in der zweiten Hälfte, wurden die Bergedorfer stärker. Es brauchte aber einen Elfmeter zum Ausgleich. Gideon Knüppe legte Yayar Kunath, Kapitän Sascha de la Cuesta verwandelte sicher (61.).

In der Folge hatten beide Mannschaften noch den Siegtreffer auf dem Fuß. Roman Schmer haute den Ball an die Unterkante der Latte (61.), der eingewechselte Lars Gödeke vergab freistehend vor Svraka (81.). "Wir haben wenig zugelassen und freuen uns über den einen Punkt", resümierte OSV-Trainer Stefan Kohfahl. Derweil hatte sich Braun zumindest ein wenig von seinem Fauxpas und der Auswechselung erholt. Er wolle im Training wieder angreifen, sagte der Unglücksrabe des gestrigen Sonntags.

Bergedorf: Braun (5) ab 46. Svraka (3); Meyer (2-3), Sobczyk (3-4), Metzler (3-4), Pettersson (3-4); Schmer (2-3), Koca (4-5) ab 46. Ioannou (3); Bugrov (4-5), de la Cuesta (2-3) ab 77. Akyol (-), Mahrt (4); Kunath (3-4).

Oststeinbek: Hentrich (3); König (3-4), Knüppe (2), Atug (2-3), Schmidt (4) ab 79. Appiah (-); Weiß (3), Mokaddem (3); Jawla (3), Okur (3) ab 87. Schulz (-); Pohlmann (4), Rehr (4) ab 71. Gödeke (-).