Bergedorf 85

Haarsträubende Abwehrfehler

Foto: Hanno Bode

Garstedt. Bergedorf 85 hat die Tabellenführung in der Fußball-Oberliga eingebüßt. Müssen die "Elstern" nach der 2:5-Pleite bei Eintracht Norderstedt jetzt die Titelträume begraben?

Die Fußballer des FC Bergedorf 85 wollten den Ort, an dem sie gedemütigt worden waren, so schnell wie möglich verlassen. Ihre Oberliga-Partie bei Eintracht Norderstedt war gerade einmal zehn Minuten beendet, da saßen die meisten "Elstern"-Kicker bereits geduscht in ihren Autos.

Auch Trainer Olaf Poschmann suchte die Abgeschiedenheit des Parkplatzes, um sich zu sammeln. Sein Kapitän Sascha de la Cuesta kam als einer der letzten "85"-Akteure aus dem Kabinentrakt und versuchte, das 2:5-Debakel in Worte zu fassen. "Vom Spielverlauf her ist das viel zu hoch. Wir waren nicht viel schlechter", meinte der 22-Jährige und fügte mit Blick auf den Titelkampf kämpferisch hinzu: "Ich sage jetzt noch nicht: ,Meisterschaft ade.' Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken."

Dazu besteht trotz der empfindlichen Pleite und des damit verbundenen Verlustes der Tabellenführung wahrlich kein Anlass. Denn es war ja nicht so, dass sich die "Elstern" kampflos ihrem Schicksal ergeben hätten oder nach allen Regeln der Kunst vorgeführt worden wären. Bergedorf wusste spielerisch und kämpferisch durchaus zu gefallen. Hätte sich die Poschmann-elf nicht unfreiwillig dem Wettbewerb: "Wer patzt am besten?" gewidmet, wäre am Ende wohl ein Zähler herausgesprungen. Weil aber selbst Führungsspielern wie Martin Sobczyk haarsträubende Fehler unterliefen, gab es ein Desaster.

Ein Aussetzer des Abwehrchefs in der achten Minute leitete die Pleite ein. Nach einem Eckstoß von Mario Jurkschat bekam der Verteidiger den Ball nicht aus der Gefahrenzone, Linus Meyer staubte aus kurzer Distanz ab. "Wir haben die ersten fünf Minuten verpennt. Danach waren wir in der ersten Halbzeit besser", meinte der Unglücksrabe später. Recht hatte er. Allerdings erarbeitete sich "85" trotz optischer Überlegenheit keine guten Chancen. Und weil hinten weiter nach dem Motto: "Nimm du ihn, ich habe ihn sicher" verfahren wurde, führte Norderstedt zur Pause mit 2:0. Diesmal durfte Jurkschat per Hacke auf Meyer vorlegen, der den bemitleidenswerten Keeper Semir Svraka erneut bezwang (44.).

Poschmann stellte um, zog Sobczyk ins Mittelfeld vor und stellte den eingewechselten Yasar Koca in die Viererkette. Das zeigte Wirkung. Bergedorf agierte nun zwingender und kam zum Ausgleich. Zunächst verkürzte Sobczyk per Kopf (66.), dann setzte sich der schwache Yayar Kunath einmal durch und traf zum 2:2 (70.).

Die Freude aber währte nur kurz. Weil Michael Meyer Norderstedts Joker Marco Schulz nicht energisch genug störte und Torwart Svraka dessen harmlosen Schuss nicht sah, führte die Eintracht wieder mit 3:2 (73.). Nun war die Moral der "Elstern" gebrochen. Jurkschat (78.) und erneut Schulz (87.) sorgten schließlich jeweils nach Kontern für den Endstand.

"85": Svraka (5); Pettersson (3), Metzler (4), Sobczyk (3), Meyer (4-5) ab 80. Dias (-); Schmer (3-4), Bugrov (3-4) ab 46. Koca (3), Mahrt (4), de la Cuesta (3), Kunath (5); Landau (3) ab 60. Akyol (3).