Bergedorf 85

"Ich wollte es allen zeigen!"

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Olaf Lüttke

Foto: Bode / Hanno Bode

Bergedorf. Sascha de la Cuesta ist der Top-Scorer der Oberliga. Bei Bergedorf 85 ist er der Dreh- und Angelpunkt.

Am Anfang stand ein großes Missverständnis. Nachdem Friedhelm Mienert seinen Mittelfeldstrategen Sascha de la Cuesta vor dem Saisonstart zunächst über den Klee gelobt hatte, den Mann mit der Nummer 10 gar zum Kapitän beförderte, kam es jäh zum Zerwürfnis. Nach dem vierten Spieltag stellte Bergedorfs Trainer den „85“-Vorstand vor die Wahl: entweder er oder ich. Der Rest ist Geschichte. Wieso es zum Konflikt mit Mienert kam, darauf weiß de la Cuesta bis heute keine befriedigende Antwort. Doch der 22-Jährige, der im vierten Jahr für die „Elstern“ spielt, schöpfte Motivation aus dem Vorfall: „Ich wollte es allen zeigen!“ Das gelang ihm eindrucksvoll. De la Cuesta ist der Top-Scorer der Fußball-Oberliga und Dreh- und Angelpunkt im Bergedorfer Spiel. Sieben Tore und zwölf Vorlagen stehen für den Vater einer knapp zweijährigen Tochter zur Winterpause zu Buche. An mehr Treffern war keiner beteiligt.

Dass es bei „Dela“, wie er von seinen Mannschaftskameraden genannt wird, derzeit rund läuft, liegt natürlich nicht nur an seiner Trotzreaktion. Mienerts Nachfolger Olaf Poschmann stellte ihn von der ungeliebten linken Seite wieder auf die zentrale Position hinter der einzigen Sturmspitze. „Er hat einen großen Anteil an unserem Erfolg“, lobte ihn Poschmann unlängst.

Dabei weiß de la Cuesta mit Oliver Ioannou und Roman Schmer zwei defensive Mittelfeldspieler hinter sich, die ihm den Rücken frei halten.

Während de la Cuesta früher gern den Heißsporn mimte, ist er in dieser Saison, wohl auch durch seine Rolle als Kapitän und Vater, gereift. „Ich gehe auf die Mannschaft zu“, sagt der Auszubildende zur Fachkraft für Lagerlogistik. Sein spanisches Blut, der Vater stammt aus Galicien, kann der Fan des FC Barcelona dennoch nicht verleugnen. Lautstarke Dispute zwischen de la Cuesta und dem Schiedsrichter gehören zu jedem Spiel.

Was bleibt, ist der Traum vom Profifußball. Und sollte das nicht klappen, will er später Trainer werden, um „im Fußballbereich zu bleiben“. Doch erst mal hat de la Cuesta ein großes Ziel. Nachdem sich nun auch der 1. Vorsitzende Ronny Wenzel für die Regionalliga ausgesprochen hat, will der 22-Jährige unbedingt mit Bergedorf 85 aufsteigen. „Wenn der Verein nicht für die Regionalliga meldet, werden einige Spieler den Verein wohl verlassen“, sagte de la Cuesta vor zwei Wochen in unserer Zeitung und meinte damit auch sich selbst. Doch nun ist wieder die Mannschaft am Zug. De la Cuesta ist bereit.

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