Voran Ohe

Runder Geburtstag in stürmischen Zeiten

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Volker Gast

Ohe. Tradition ist ein Wort, dass dieser Tage beim FC Voran Ohe besonders hoch gehalten wird. Am 19. Mai wird der Verein 60 Jahre alt. "Angefangen hat damals alles damit, dass man den Vertriebenen aus dem Osten eine neue Heimat geben wollte", schildert der 1. Vorsitzende, Horst Kucz, "die Kinder haben dann Stofffetzen genommen und dagegen gekloppt."

Der Fußball-Club "Voran" e. V. von 1949 Ohe, wie er offiziell heißt, war geboren.

Ein Fußballverein also. Ein Umstand, auf den vor allem in Kickerkreisen dieser Tage gerne verwiesen wird. Doch Kucz ist weit davon entfernt, den Fußballern nur aufgrund des Vereinsnamens eine Sonderrolle zugestehen zu wollen. "Die Fußballer sind eine Abteilung genau wie jede andere", betont er, "der 1. FC Köln ist doch auch weit mehr als ein Fußballverein."

So mag es auch nicht verwundern, dass die Jahreshauptversammlung des Klubs am heutigen Freitag um 19.30 Uhr, also exakt zur üblichen Heimspielzeit der Oberliga-Fußballer, im Vereinsheim angesetzt ist. "Die wurden seit über 40 Jahren immer auf einem Freitagabend abgehalten", unterstreicht Kucz, "nur die Fußballer haben ihre Partien früher sonnabends ausgetragen." So ist es nun also auch an diesem Wochenende wieder, wenn die Oberliga-Elf Halstenbek-Rellingen zum "Endspiel" gegen den Abstieg empfängt (16 Uhr, Stadion). Obwohl: So einen Begriff hört Voran-Kotrainer Lars Gawel gar nicht gern. "Es ist letztlich egal, gegen wen wir unsere Punkte holen", betont er. Obwohl Gawel und Trainer Peter Wiehle sich zuletzt aus Personalmangel selbst als Ersatzspieler auf den Spielberichtsbogen schreiben mussten, sind sie "hundertprozentig davon überzeugt" (Gawel), dass der Abstieg noch zu vermeiden ist. "Das leben wir der Mannschaft vor", betont der Kotrainer.

Ob die Konzentration auf das Spiel vielleicht unter der vorhergehenden Vereinsversammlung leidet, wird ganz von deren Verlauf abhängen. In den vergangenen Wochen hatte es Unstimmigkeiten um den bereits wiedergewählten Fußball-Abteilungsleiter Ralf Naundorf gegeben. Der hatte in der Presse den Vereinsvorstand beschuldigt, seine Wiederwahl verhindern zu wollen. "So etwas hat es nie gegeben", betont Kucz. Die Vorwürfe sorgten für reichlich Unruhe im Verein. "Ich hatte Mühe, vor der Versammlung überhaupt einen Vorstand zusammen zu bekommen", klagt Kucz, "schließlich sind das alles ehrenamtlich Tätige, die Freude an ihrer Arbeit haben wollen."

Naundorf lässt sich bei Vorstandssitzungen mittlerweile durch zwei Vertreter ersetzen. Das Tischtuch scheint zerschnitten zu sein. Nicht zuletzt deshalb will die Liga wenigstens heute Abend bei der Jahreshauptversammlung Präsenz zeigen.

Keine Frage, es sind stürmische Zeiten, in denen der FC Voran in seinem Jubiläumsjahr manövrieren muss. Und der Wind bläst den Fußballern direkt ins Gesicht.

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